Kunden aus ganz Europa

Wolfhager Firma Kariso baut Etuis für Instrumente

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Klebrige Angelegenheit: Petra Flecke hat eine Etui-Innenseite mit einem Spezialleim ausgestrichen und schlägt sie mit Plüsch aus.

Wolfhagen. Ohne sie kommt kaum ein Musiker aus: Stabile Etuis schützen die Instrumente beim Transport vor Schäden. Einer der wenigen noch verbliebenen deutschen Hersteller von Instrumentenkoffern, die Firma Kariso, hat ihren Sitz in Wolfhagen.

Unter Musikern hat Kariso einen guten Ruf, die Koffer, überwiegend für Holz- und Blechblasinstrumente, gelten als qualitativ hochwertig. Das sei auch der Grund, warum die Manufaktur der Familie Riedl über die Jahre gegen die billigere asiatische Konkurrenz bestehen konnte, sagt Alois Schmand-Riedl, der die Produktion in der Werkstatt an der Wolfhager Gutenbergstraße leitet.

„Wer sich ein gutes Instrument kauft, will auch einen guten Koffer dazu.“

Der 47-Jährige und seine Frau Monika Riedl führen in vierter Generation den Familienbetrieb, der 1908 im damaligen Sudetenland gegründet wurde. Die Wiege der Firma stand in Graslitz. „In der Musikstadt Graslitz“, wie Seniorchef Josef Riedl betont. Der Ort, in dem der heute 83-Jährige vor der Vertreibung gerade begonnen hatte, das Handwerk des Etui-Bauers zu erlernen, war ein Zentrum für die Herstellung von Musikinstrumenten und damit auch für die entsprechenden Transportkoffer.

Fertige Produkte: Schmand-Riedl mit einem klassischen Trompetenkoffer und einem neuen Produkt, einem Koffer zum Transport von Kelchen.

Die Riedls verschlug es nach dem Krieg zunächst nach Oberlistingen, 1955 siedelten sie dann um nach Wolfhagen. Seit 60 Jahren bauen sie hier ihre stabilen Kisten. Die kleinste Box - für Oboenmundstücke - misst drei mal zehn Zentimeter, der größte Koffer für ein einzelnes Instrument ist das Etui für eine Tuba. Spezialanfertigungen, die Alois Schmand-Riedl besonders reizen, können auch durchaus größer werden. Für einen Kunden hat er mal einen Koffer gebaut, in dem zehn Trompeten Platz fanden.

Die Herstellung ist im Wesentlichen immer die gleiche, erzählt der aus Volkmarsen stammende Schmand-Riedl, der vor gut 25 Jahren in den Betrieb einheiratete. Zunächst wird aus Sperrholz der Rohling angefertigt. Bevorzugte Hölzer sind wegen ihres geringen Gewichts Pappel und Birke. Die hölzerne Schachtel wird von außen mit Kunstleder bezogen. Dann werden die Beschläge, Schlösser und Scharniere montiert und der Griff befestigt.

Baumwollplüsch 

Innen wird ein Kunststoff-einsatz eingeleimt, der der Form des Instruments entspricht, oder aber Schaumstoffpolster, die der wertvollen Posaune oder dem Saxofon den nötigen Halt geben. Darüber wird eine Lage edler Baumwollplüsch geklebt.

Um einen normalen Trompetenkoffer herzustellen, benötigt man im Wolfhager Betrieb, in dem sechs Mitarbeiter beschäftigt sind, etwa eine Dreiviertelstunde, sagt Schmand-Riedl. „Es ist noch sehr viel Handarbeit“, betont der gelernte Schreiner.

Etwa 150 Standardmodelle hat die Wolfhager Firma im Angebot, Kunden sind nahezu ausschließlich Musikhäuser und Instrumentenbauer aus ganz Europa, die ihre Produkte gleich mit dem passenden Schutzkoffer von Kariso ausliefern. „Wer sich ein gutes Instrument kauft, will auch einen guten Koffer dazu“, sagt der 47-Jährige. Dementsprechend groß sei die Nachfrage, „wir haben gut zu tun“.

Und seit gut zwei Jahren beliefert man noch einen sehr speziellen Kundenkreis: Priester. Für sie baut die Wolfhager Firma sogenannte Abendmahlskoffer, Etuis zum Transport und zur Aufbewahrung von Kelchen.

www.kariso-etuis.com

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