Wolfhager Karahan tritt aus CDU aus und will mit eigener Liste in Parlament

Kein Christdemokrat mehr: Niyazi Karahan hat eine Wählergemeinschaft gegründet, zu deren Vorsitzender er gewählt wurde. Im März will man bei der Kommunalwahl antreten. Foto:  Norbert Müller

Wolfhagen. Gut möglich, dass die politische Landschaft nach der Kommunalwahl im März kommenden Jahres in Wolfhagen noch bunter wird. In diesen Tagen hat sich die Aktive Gemeinschaft Wolfhagen (AGW) gegründet. Sie will bei den Wahlen im März an den Start gehen und ins Wolfhager Stadtparlament einziehen.

Dort sitzt bereits seit 2011 ihr frisch gewählter Vorsitzender: Niyazi Karahan. Der 41-jährige Geschäftsmann wurde 2009 Mitglied in der CDU und kam als Nachrücker in die Stadtverordnetenversammlung. Bei der Jahreshauptversammlung der Wolfhager Christdemokraten am 30. Oktober, erklärt er, sei er aus der Partei ausgetreten.

Auseinandergelebt 

Gerüchte, er habe die CDU im Streit verlassen, weil er mit seinem Listenplatz für die Kommunalwahl nicht zufrieden gewesen sei, dementiert er entschieden. „Ich hatte Platz 13. Das war nicht der Grund.“ Vielmehr habe man sich auseinandergelebt. „Was die CDU gestalten will, deckt sich nicht mehr mit dem, was ich künftig als Schwerpunkte setzen will. Diese Themen kann ich bei der CDU Wolfhagen nicht umsetzen.“ Und, wie er ergänzt, auch nicht mit den anderen im 31-köpfigen Parlament vertretenen Gruppierungen. Zur Sitzung habe er seine Kündigung schon mitgebracht.

Er habe sich deshalb für das Aufstellen einer eigenen Liste für die Kommunalwahl entschieden. Schon Anfang November habe es die Gründungsversammlung gegeben, bei der er zum Vorsitzenden gewählt worden sei. Karahan: „Der Vorstand ist komplett. Aber er will, bis die Liste steht, noch nicht genannt werden.“

Derzeit 30 Mitglieder 

Die Namen der Vorstandsmitglieder und die Satzung habe man bei der Stadtverwaltung Wolfhagen bereits eingereicht, um als Wählergemeinschaft zugelassen zu werden. „Bis Ende des Jahres müssen wir unsere Kandidatenliste abgegeben haben“, erklärt der AGW-Vorsitzende. „Unser Ziel ist es, dass wir 31 Kandidaten haben.“ Derzeit verfüge die Aktive Gemeinschaft Wolfhagen über 30 Mitglieder. Es sei eine junge Truppe, der Jüngste sei 18, der Älteste 45.

Zwei Drittel seien Deutsche mit Migrationshintergrund, der Rest „reine Deutsche mit deutschen Wurzeln“. Karahan, der auch Vorsitzender des türkischen Kulturvereins ist, weiter: „Die türkischstämmige Gruppe ist eher eine der kleinsten.“

Wo sieht der 41-Jährige die Schwerpunkte der politischen Arbeit seiner AGW? „Wir wollen Deutsche, Deutsche mit Migrationshintergrund und Asylanten zusammenbringen. Wir wollen uns mit dem Flüchtlingsthema verstärkt beschäftigen, es transparenter machen.“ Integration sei das zentrale Anliegen, das man auch dann verfolgen werde, wenn man es nicht ins Stadtparlament schaffe.

Und ein weiterer Aspekt treibt den vierfachen Vater um. Er sei in Wolfhagen geboren. „Meine Kinder sind keine Ausländer. Aber sie bekommen auf einmal das Problem, dass sie von anderen als Ausländer bezeichnet werden.“ Und er fragt: „Was können wir tun, dass sich meine Kinder nicht plötzlich fremd fühlen in dem Land, das ihr Zuhause ist?“

Natürlich wolle man sich auch mit den „ganz normalen kommunalpolitischen Themen“ beschäftigen. Mit der wirtschaftlichen Entwicklung, mit Jugendarbeit, Sportentwicklung.

„Wir warten jetzt auf die Rückmeldung der Stadt. Wenn die sagt, ihr könnt an der Wahl teilnehmen, den werden wir aktiv.“

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