Hochwasser

Wolfhager Pfarrer als Seelsorger im Flutkatastrophen-Gebiet

Die Notfallseelsorger (von links) Pfarrer Wolfgang Hanske (Istha), Pfarrerin Monika Vöcking (Wettesingen) und Pfarrer Simon Diederich (Reinhardshagen) waren im Flutkatastrophengebiet im Einsatz.
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Gemeinsam für die in Not geratenen Menschen da sein: Die Notfallseelsorger (von links) Pfarrer Wolfgang Hanske (Istha), Pfarrerin Monika Vöcking (Wettesingen) und Pfarrer Simon Diederich (Reinhardshagen) waren im Flutkatastrophengebiet im Einsatz.

Mehr als 100 Notfallseelsorger sind im Einsatz, um den Betroffenen der Flutkatastrophe und den Einsatzkräften zu helfen. Darunter auch vier Pfarrer der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck.

Wolfhager Land – Zwei der Pfarrer kommen aus dem Wolfhager Land. Ihre Aufgabe war es, die hessischen Einsatzkräfte zu betreuen, erläutert Ulrich Briesewitz, Beauftragter für Polizei- und Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW). Er ist dankbar für die spontane Einsatzbereitschaft seiner Kollegen.

Spontan heißt in diesem Fall: Am vergangenen Dienstag um 14 Uhr Videokonferenz und die Abfrage, wer bereits zweifach gegen das Coronavirus geimpft ist, wer spontan bis zu fünf Tage Zeit hat und diese wichtige Aufgabe übernehmen könnte. Eine Stunde später gab es eine weitere Konferenz mit dem Kreisbrandmeister Uwe Kreisel, um 18 Uhr war bereits Abfahrt in das Katastrophengebiet.

„Wer von den 20 Teilnehmern nicht konnte, hat direkt Vertretungen für uns angeboten“, sagte die Wettesinger Pfarrerin Monika Vöcking dankbar. Noch in der gleichen Nacht kamen die vier Pfarrer mit Uwe Kreisel in Herresbach in Rheinland-Pfalz an.

Einfach nur da sein

Der Auftrag war, für die Einsatzkräfte da zu sein. Aber die vier Pfarrer haben zusätzlich angeboten, auch mit den direkt betroffenen Menschen Kontakt aufzunehmen. „Gut, dass ihr da seid“, hätten sie oft gehört.

Die vier Pfarrer sind nur bis Donnerstag im Einsatz gewesen, weil der Bedarf für die hessischen Einsatzkräfte nicht mehr so hoch war und nur noch zwei PSNVler vor Ort geblieben sind. Ansonsten hätte der Einsatzauftrag von offizieller Seite geändert werden müssen.

„Dieses Team aus der Psychosozialen Notfallversorgung war sehr kompetent und hoch motiviert“, sagte Kreisbrandmeister Uwe Kreisel aus Wolfhagen. Mit diesen Menschen würde er jederzeit wieder starten, um anderen Menschen zu helfen.

Seelsorger kamen mit den direkt Betroffenen in Kontakt

So eine schlimme Katastrophe haben auch die vier Pfarrer der evangelischen Kirche Kurhessen-Waldeck noch nicht gesehen. Obwohl sie als Notfallseelsorger häufig mit schweren Schicksalen konfrontiert würden, der Einsatz im Flutkatastrophengebiet habe alles übertroffen. Auch mit den direkt Betroffenen kamen die Seelsorgenden in Kontakt.

„Wir waren sichtbar“, sagt Pfarrerin Monika Vöcking aus Wettesingen, und meint damit nicht nur das äußere Erkennungsmerkmal der lilafarbenen Weste der Notfallseelsorge. Sie, Pfarrer Wolfgang Hanske aus Istha, Pfarrer Simon Diederich aus Reinhardshagen sowie Pfarrer Andreas Staus aus Hauneck haben unter anderem in den schwer verwüsteten Orten Dernau und Bad Bodendorf (Landkreis Ahrweiler) mit Anwohnern gesprochen.

18 Tote in Dernau – 20 weitere vermisst

Es sei spürbar gewesen, wie sehr die mit dem Aufräumen beschäftigten Menschen nun funktionierten – traumatisiert von der Flutnacht und davon, dass das Wasser so schnell und mit Gewalt alles mit sich riss, berichtet Vöcking. „Sie sind froh, dass sie ihr Leben gerettet haben.“

18 Menschen aus Dernau gelang das nicht; zu den Toten kommen 20 weitere, die noch vermisst werden. Kreisbrandmeister Uwe Kreisel aus Wolfhagen, der für die Koordination zuständig war, berichtet, dass es in dem Einsatzgebiet viele menschliche Tragödien gibt. Deshalb sei Hilfe dringend notwendig. Er sei sofort bereit, wieder zu helfen.

Gerade erst zum Notfallseelsorger ausgebildet, hatte Simon Diederich, Pfarrer in Reinhardshagen, seinen Einsatz in der Notfallseelsorge. „Es ist wichtig, die Menschen dort zu stabilisieren“, sagte Diederich. So gab es zum Beispiel ein Gespräch mit der Nachbarin der zwölf verstorbenen Bewohner einer Behinderteneinrichtung.

Ein stabiles Umfeld ist wichtig in dieser schweren Zeit

Alle sind im Erdgeschoss des Hauses ums Leben gekommen, als die Flut kam. „Sie gehörten als Nachbarn immer dazu, und nun waren sie plötzlich nicht mehr da“ erzählt Hanske. Und dann sei es wichtig, zu sehen, ob da ein stabiles Umfeld und Netzwerk um die entsprechende Person ist. „Da kann man nicht einfach weggehen, das hat man im Blick“, so die Pfarer.

Als Zeichen der Anteilnahme nach der Unwetterkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland–Pfalz wurden vergangene Woche die Kirchenglocken in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck und ganz Deutschland geläutet, und es wurde zu Andachten und Gebeten eingeladen. (Monika Wüllner)

Landesweite Hilfe und Solidarität

Das Verfahren der länder- und staatenübergreifenden Hilfe basiert auf einer gemeinsamen Übereinkunft der obersten Katastrophenschutzbehörden der Länder. Nach der Flutkatastrophe in Teilen Deutschlands hat der hessische Innenminister Peter Beuth die Katastrophenschutzeinheiten des Landes zur Länderunterstützung in Alarmbereitschaft versetzt und eine sofortige Hilfsaktion angeordnet. Über 600 Helfer aus Hessen sind dort im Einsatz. 

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