Ariane-Rakete hat größtes Teleskop der Welt ins All geflogen

Wolfhager Ralph Mollerik entwickelte als Nasa-Ingenieur Weltraumteleskop James Webb mit

Der ehemalige jüdische Mitbürger und Ehrenbürger aus Wolfhagen, Ralph Mollerick, hat das größte Teleskop der Welt mitentwickelt, das Weihnachten ins All geschossen wurde.
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Der ehemalige jüdische Mitbürger und Ehrenbürger aus Wolfhagen, Ralph Mollerick, hat das größte Teleskop der Welt mitentwickelt, das Weihnachten ins All geschossen wurde.

Der ehemalige jüdische Mitbürger und Ehrenbürger aus Wolfhagen, Ralph Mollerick, hat mit der Nasa das größte Teleskop der Welt mitentwickelt, das Weihnachten ins All geschossen wurde.

Wolfhagen – „Das Infrarot-Teleskop ‘James Webb‘ gehört neben dem Space Shuttle und dem LHC Teilchenbeschleuniger zu den kompliziertesten Maschinen, die die Menschheit je gebaut hat. Es lässt uns 13 Milliarden Jahre zurück in die Vergangenheit des Universums schauen. Bis zur Geburt der ersten Sterne und Galaxien kurz nach dem Urknall“, schwärmt Ralph Mollerick, der das revolutionäre Super-Teleskop während seiner beruflichen Tätigkeit bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa mitentwickelt hat. Mollerick, der als Siebenjähriger während des Nazi-Regimes seine Heimatstadt Wolfhagen verlassen musste, war bis zu seiner Rente Ingenieur bei der Nasa.

Die ersten Vorbereitungen für „James Webb“ begannen im Jahr 1996. „In diesem Jahr arbeitete der einst kleine Junge aus Wolfhagen an den ersten Plänen“, erklärt der inzwischen 91-Jährige gegenüber der HNA. 25 Jahre hat es gedauert, bis das gigantische Weltraumteleskop zusammengefaltet in die Spitze der Ariane 5-Rakete an Weihnachten ins All geschickt wurde. „Es ist so groß wie ein Tennisplatz und so hoch wie ein dreistöckiges Haus. Ich bin so stolz, dass mein frühes Konzept das größte Teleskop der Welt hervorgebracht hat, und 100 Mal stärker ist als das Hubble-Weltraumteleskop.“ Hubble liefert seit mehr als 30 Jahren beeindruckende Bilder aus dem All. „James Webb ist viel größer als das Hubble und 100 Mal schärfer. Es verfügt über hochkomplexe Linsenelemente und einen ausfahrbaren Sonnenschild, wenn die Höhe erreicht wird. Der ideale Ort für das Teleskop im Weltraum ist ein Punkt, an dem die Gravitationskräfte minimal sind und der Treibstoffbedarf minimal ist. Ein solcher Punkt ist eine Million Meilen von der Erde entfernt“, erklärt Mollerick die Funktionsweise.

„Stellen Sie sich vor, Sie sehen eine Hummel auf dem Mond und betrachten sie mit dem Webb-Teleskop von der Erde aus?“ Die Erkenntnisse seien eine Zeitreise in eine Zeit von vor 13 Milliarden Jahren..

Weltraumteleskop James Webb

Das Weltraumteleskop „James Webb“ wurde seit 1996 in Amerika und Europa entwickelt und sollte eigentlich bereits im Jahr 2011 im Weltall stationiert werden. Zehn Jahre später, am 25. Dezember 2021, war es soweit. Die Bau- und Entwicklungskosten sollen bei zehn Milliarden Dollar liegen. Der Name des Teleskops geht auf James E. Webb zurück, den ehemaligen Nasa-Vizedirektor, der 1992 starb.

Die Geschichte von Ralph Mollerick

Der heute 91 Jahre alte Wolfhager Ralph Mollerick flüchtete 1937 als Siebenjähriger mit seiner Schwester und seinen Eltern nach Hamburg, weil die Diskriminierung von Juden im Dritten Reich stark zunahm. „Nach den Nürnberger Rassegesetzen von 1935 hat sich die Lage für mich und meine Familie dramatisch verschlechtert“, erzählt er. In der Schule musste er sich im Unterricht in die Ecke stellen und hatte so keine Chance, richtig Lesen und Schreiben zu lernen.

Ralph Mollerick (links) und Bürgermeister Reinhard Schaake verbindet eine tiefe Freundschaft.

Kurz nach der Pogromnacht verließ er mit seiner Schwester Deutschland – und kehrte erst 1993 das erste Mal nach Wolfhagen zurück. Mollerick hatte Glück, dass Großbritannien danach die Rettungsaktion Kindertransport startete und 10 000 jüdische Kinder aufnahm. Am Hamburger Bahnhof verabschiedete er sich 1938 für immer von seinen Eltern. „Mein Sohn, kümmere dich um deine Bildung. Denn die kann dir niemals jemand wegnehmen“, sagte sein Vater zu ihm. 1942 kam vom Roten Kreuz die Mitteilung, dass die Eltern in einem Konzentrationslager in Polen ermordet worden seien.

1996 von der Nasa eingestellt

In England lebte er zunächst in verschiedenen Gemeinschaftsunterkünften, wo er sowohl antijüdischen als auch antideutschen Ressentiments begegnete. Besser wurde es, als er von einer Familie aufgenommen wurde. Er absolvierte die High School und belegte als 15-Jähriger Kurse an der Uni.

Seine Schwester organisierte dann den Umzug nach Amerika. Dort musste Mollerick noch einmal vier Jahre auf die High School, weil seine englischen Zeugnisse nicht anerkannt wurden. Er kämpfte sich durch und wurde 1966 von der Nasa eingestellt. Unter anderem arbeitete er als Maschinenbauingenieur an Satellitenprojekten. Bürgermeister Reinhard Schaake und andere Wolfhager bemühten sich um eine Versöhnung mit seiner Heimatstadt und ernannten ihn und den jüdischen Mitbürger Lutz Kann auch zu Ehrenbürgern. Der heute 91-Jährige hat inzwischen mehrfach seine Heimatstadt besucht.  (Bea Ricken)

Ein Teil des James-Webb-Weltraumteleskops mit Technikern der Spiegelbaugruppe „James Webb“ im Goddard Space Flight Center der Nasa. Zusammengefaltet wurde es nun von einer Ariane 5-Rakete ins All gebracht.

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