Glanz und Elend in den 1920ern

Wolfhager Regionalmuseum beleuchtet die Zeit der Weimarer Republik

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Hier spielt die Musik: Die Jazzkapelle von August (Klavier) und Philipp Liese (Geige) trat in den Sälen der Stadt auf und brachte die Menschen zum Tanzen. Jazz-Musik hielt in den 20er-Jahren Einzug in Deutschland.

Aktueller denn je ist die Ausstellung im Regionalmuseum Wolfhager Land, die am 15. August, um 19.30 Uhr eröffnet wird: Die Weimarer Republik, die erste Demokratie auf deutschem Boden.

Geboren aus der Niederlage im Ersten Weltkrieg, nach turbulenten Jahren zum Motor der Goldenen Zwanziger geworden und an ihrem Ende, umkämpft, verhasst und angegriffen.

Die Ausstellung trägt den Titel „1918/19 – 1932/33 Zeitenwende. Möglichkeiten und Probleme in der ersten deutschen Demokratie – die Weimarer Republik mit Wolfhager Schwerpunkt“.

Sie besteht aus zwei Teilen: Der überregionale Teil, der die Jahre 1918 bis 1923 behandelt, stammt von den beiden Dortmunder Historikern Torsten Reters und Wolfgang Hoffmann, mit denen das Museum schon bei der Ausstellung über den Ersten Weltkrieg zusammengearbeitet hat. Dieser Part war bereits in anderen Städten, wie zum Beispiel im nordrhein-westfälischen Kamen, zu sehen. Der lokale Teil wurde von ehrenamtlichen Kuratoren unter Leitung von Bernd Klinkhardt erstellt.

Praktikantin Anna-Lena Fährmann half tatkräftig beim Sichten der zeitgenössischen Quellen. „Wichtigste Quelle war für uns das Wolfhager Kreisblatt“, erklärt Museumsleiterin Beate Bickel.

Es geht auch um den Alltag der Menschen

Auf den Schautafeln ist dargestellt, wie die lokale Zeitung den Frieden von Versailles als „Vernichtungsfrieden“ bezeichnet. „Wichtig war es uns, die großen Auswirkungen auf das ländliche Wolfhagen zu zeigen“, sagt Bickel. Nicht nur die politischen Umwälzungen, wie das Frauenwahlrecht, spielen eine Rolle, auch das Alltagsleben der Menschen in der 2700-Einwohner-Stadt (Stand: 1925) wird betrachtet. 

Wolfhagen wurde Anfang der Zwanziger-Jahre elektrifiziert, prompt war in der Zeitung Werbung für Elektrostaubsauger zu sehen. Zudem erhielten Frauen die Erlaubnis, im Turnverein mitzumachen. Zur Unterhaltung der Menschen wurde ein Schwimmbad eingerichtet, das heute, natürlich mit massiven Umbauten und Änderungen, immer noch existiert. Zudem traten Kapellen auf, die einen neuen Musikstil aus Amerika in Wolfhagens Kneipen und Sälen darboten: Jazz.

Feinschliff: Bernd Klinkhardt und Anna-Lena Fährmann hängen ein Exponat auf. Auf dem Plakat wird für Spenden zugunsten von Veteranen aufgerufen.

Doch auch die Miseren dieser Zeit werden nicht ausgeklammert. Allein im letzten Kriegsjahr 1918 hatte die Stadt 100 Gefallene zu beklagen, andere Soldaten kehrten geistig und körperlich geschädigt aus dem Krieg zurück. Zahlreiche Witwen galt es zu versorgen. 

Wolfhager Notgeld zeigt die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die viele Haushalte bis 1923 hatten. Um dieser Not entgegenzuwirken, wurden an der Friedrichstraße 3 die ersten Wolfhager Sozialwohnungen gebaut. „Die Gebäude sind heute noch erhalten“ , sagt Bernd Klinkhardt.

Die Ausstellung wird bis zum 27. Oktober zu sehen sein. „Leider sind viele Themen der Weimarer Republik heute wieder hoch aktuell, ein Blick in diese Zeit lohnt sich“, resümiert Beate Bickel.

Andreas Siebert (rechts, Landkreis Kassel) übergab eine Förderung. Ebenfalls im Bild: Beate Bickel und der Erste Vorsitzende des Regionalmuseums, Lothar Rasch.

Die Kulturstiftung des Landkreises Kassel unterstütze die Sonderausstellung mit 1500 Euro. Diesen Betrag überreichte der Erste Kreisbeigeordnete Andreas Siebert (SPD) dem Regionalmuseum Wolfhager Land. Er betonte, dass es wichtig sei, den schwierigen Anfang der ersten Deutschen Demokratie darzustellen. Das Museum arbeitete für die Ausstellung mit dem Geschichtsverein Wolfhagen und der Volkshochschule Region Kassel zusammen.

Die Ausstellung in Kürze

Die Ausstellung: „1918/19 – 1932/33 Zeitenwende. Möglichkeiten und Probleme in der ersten deutschen Demokratie – die Weimarer Republik mit Wolfhager Schwerpunkt“ ist im Regionalmuseum Wolfhager Land, Ritterstraße 1, vom 15. August bis zum 27. Oktober zu sehen. 

Eintritt: Am Eröffnungstag (15. August) ist der Eintritt frei, sonst 3 Euro (Erwachsene) und 1 Euro (Kinder). Familien mit Kindern bezahlen 5 Euro. 

Neben der Ausstellung wird es auch mehrere Vorträge zum Thema Weimarer Republik geben. Diese werden in unserer Zeitung angekündigt. 

Weitere Informationen: regionalmuseum-wolfhager-land.de

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