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Wolfhager Schüler auf den Spuren jüdischen Lebens

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Von: Reinhard Michl

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Jüdisches Leben in Wolfhagen kennenlernen: Das ist ein Projekt der Klasse 6G2 der Walter-Lübcke-Schule. Am Neuen Tor begann der Stadtrundgang.
Jüdisches Leben in Wolfhagen kennenlernen: Das ist ein Projekt der Klasse 6G2 der Walter-Lübcke-Schule. Am Neuen Tor begann der Stadtrundgang. © Reinhard Michl

Schüler der Wolfhager Lübcke-Schule haben gemeinsam mit der Kasseler Agentur Medienblitz ein Projekt zu jüdischem Leben in ihrer Stadt gestartet und in einem Rundgang vorgestellt.

Wolfhagen – Es waren nicht nur die Minustemperaturen, die die Teilnehmer einer rund einstündigen Exkursion durch die Wolfhager Innenstadt frösteln ließen, sondern auch die Lebens- und Leidensgeschichten der dort früher beheimateten jüdischen Mitbürger. Ihre Schicksale stellten die Schüler der Klasse 6G2 der Wolfhager Lübcke-Schule bei einem Rundgang vor.

In Zusammenarbeit mit der Kasseler Agentur Medienblitz, einem Verein zur Förderung der Medienkompetenz, hatten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 6G2 mit ihrer Klassenlehrerin Susanne Reitinger ein Projekt zu jüdischem Leben in Wolfhagen erarbeitet und dazu einen Audioguide erstellt.

1939 verließen die letzten Juden Wolfhagen

An den markanten Stellen, zu denen die Sechstklässler ein Hörstück erstellt hatten, wurde der betreffende Part des Guides eingespielt. Am Folgetag wurde das Projekt um 16 Uhr im Freien Radio Kassel übertragen.

Die Schüler, die sich im Vorfeld ihres einwöchigen Projekts während eines internen Stadtrundgangs von Ernst Klein (Volkmarsen) ausführlich über das jüdische Leben in Wolfhagen informieren ließen, hatten den Blick ihrer spannenden und eindrücklichen Arbeit vor allem auf die Zeit des Nationalsozialismus gerichtet.

1933 lebten in Wolfhagen noch rund 75 jüdische Mitbürger in 40 eigenen Wohnhäusern. 1939 verließen die letzten Juden die Stadt. In den Jahren zuvor waren mehr als 50 Frauen, Männer und Kinder aus Wolfhagen den Vernichtungsaktionen der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen. Zur Erinnerung an die betroffenen Menschen hat die Stadt Wolfhagen an mehreren Häusern Gedenktafeln anbringen lassen.

Bereits im 13. Jahrhundert gab es jüdisches Leben in der Stadt

Nachdem erst 2012 die seit 1933 bestehende Ehrenbürgerschaft Adolf Hitlers von der Stadt annulliert wurde, ernannte Wolfhagen die einst in Wolfhagen beheimateten Juden Lutz Kann sowie Ralph Möllerick am 13. Februar 2013 zu Ehrenbürgern.

Jüdisches Leben gab es in der Stadt aber bereits im 13. Jahrhundert, wobei im 17. Jahrhundert eine neuzeitliche jüdische Gemeinde mit rund 40 Personen entstand. Die Personen standen damals unter dem Schutz des hessischen Landgrafen. Von ihm hatten sie das Monopol zugesprochen bekommen, mit Eisen und Leinen, Tabak, „Ellenware“ (Textilien) sowie Vieh zu handeln.

Höhepunkt jüdischen Lebens in Wolfhagen war um 1870

Unauffällig: Eine Tafel erinnert an die ehemalige Synagoge an der Mittelstraße.
Unauffällig: Eine Tafel erinnert an die ehemalige Synagoge an der Mittelstraße. © Reinhard Michl

Seit 1780 gab es eine Synagoge in der Mittelstraße, die 1859 durch einen Neubau in der Mittelstraße ersetzt und die am 10. November 1938 während der Pogromnacht von den Nationalsozialisten in Brand gesteckt und völlig zerstört wurde. Die seit dem 19. Jahrhundert an der Gerichtsstraße/Ecke Mittelstraße bestehende Elementarschule mit einer 1834 eröffneten Mikwe (Tauchbad) wurde Ende 1936 geschlossen.

Den ersten jüdischen Friedhof gab es von 1700 bis 1820 an der Liemecke, wobei den Juden untersagt war, bei Beerdigungen das „Neue Tor“ am Hospital zu passieren. 1829 entstand an der Wilhelmstraße ein neuer Friedhof. Höhepunkt des jüdischen Lebens in Wolfhagen war um 1870, da lebten etwa 300 jüdische Personen in der Stadt. Das waren zehn Prozent der gesamten Stadtbevölkerung. (Reinhard Michl)

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