Windräder bei Frost meiden

Wolfhager Stadtwerken ist kein Unfall mit herunterfallenden Eisbrocken von Windrädern bekannt

Vier Windräder am Rödeser Berg.
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Windräder am Rödeser Berg: Während Windkraftgegner von einer Gefahr durch Eiswurf sprechen, hält man diese Gefahr bei den Stadtwerken für gering.

Kälte, Eis und Schnee sorgten in den vergangenen Tagen für Chaos im Wolfhager Land. Während sich die Lage auf den Straßen und im Schienenverkehr inzwischen beruhigt hat, können die tiefen Temperaturen auch die Abläufe der zahlreichen Windkraftanlagen in der Region stören.

Wolfhagen – Der TÜV Nord empfiehlt deshalb bei Winterspaziergängen vorsichtshalber einen Bogen um die Anlagen zu machen. Es könnten sich Eisbrocken lösen. Vor einer „nicht zu unterschätzenden Gefahr für Leib und Leben“, warnt gar Reinhard Seifahrt von der windkraftkritischen Korbacher Bürgerinitiative aus dem Nachbarkreis Waldeck-Frankenberg.

„Im Winter kann es dazu kommen, dass sich Eis an den Rotorblättern bildet“, bestätigt Dieter Spangenberg, technischer Leiter der Stadtwerke Wolfhagen. Er hat dies auch schon an der Windenergieanlage auf dem Rödeser Berg in Wolfhagen festgestellt. Betrieben werden die vier Windräder von den Stadtwerken. Durch die kalte und nasse Luft nehmen die Rotorblätter Eispartikel mit. Dieter Spangenberg erläutert: „Dieses Problem, dass sich Eis bildet, haben aber alle großen Gebäude.“

Doch die Anlagen seien dafür gut gerüstet und sobald zu viel Eis an den Rotorblättern entstehe, komme es zu einer Störmeldung und die Windräder würden stehen bleiben. Meist handele es sich um Sensoren, die feststellten, ob der Grenzwert des Eises an den Rotorblättern überschritten sei. Dann werde ein Abtauvorgang eingeleitet. Das funktioniert mit den Heizungen, die in den Rotorblättern der Windräder eingebaut sind. So kann das Eis dann geschmolzen werden. „Bei diesem Abtauvorgang ist auch immer jemand von uns vor Ort, da das Abtauen kein automatisierter Vorgang ist“, erklärt Dieter Spangenberg weiter. Der Vorteil dabei sei auch, dass so - zumindest bei den Windkraftanlagen im Bereich von Wolfhagen - kein Spaziergänger in Gefahr gerate. „Wenn Eisbrocken beim Abtauvorgang herunterfallen, dann fallen sie auch nur gerade und wenn jemand von uns vor Ort ist, kann niemand aus Versehen unter den Windrädern stehen“, so der technische Leiter.

Seit fünf Jahren stehen die Anlagen nun auf dem Rödeser Berg und Dieter Spangenberg ist kein Fall bekannt, bei dem Windräder zu einer Gefahr geworden seien. „Nachdem der Abtauvorgang abgeschlossen ist, laufen die Windräder ganz normal weiter“, so Dieter Spangenberg.

Windräder im Winter produktiver

Die kalte Jahreszeit birgt auch einen Vorteil für die Windenergieanlagen: Sie sind produktiver als im Sommer. Dies sagt der technische Leiter der Stadtwerke, Dieter Spangenberg. Dies gelte auch für die Windenergieanlagen im Wolfhager Land. Das liege daran, dass im Winter durch die Wetterverhältnisse mehr Wind aufkomme. Spangenberg erklärt, dass im Winter wesentlich mehr Energie in Wolfhagen durch die Windenergieanlage am Rödeser Berg erzeugt wird als im Sommer. Dadurch werden energieschwache Tage vom Sommer ausgeglichen.

Der TÜV-Nord bestätigt, dass in den vergangenen Wintern Stürme dafür sorgten, dass im Bereich der Windenergie immer neue Rekordwerte erzielt wurden.

Stadt wird zu 100 Prozent mit erneuerbarer Energie versorgt

Die Stadtwerke Wolfhagen haben sich mit den Windrädern auch das Ziel gesetzt, Wolfhagen zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien zu versorgen, so Spangenberg. „Der erzeugte Strom dient den Haushalten in Wolfhagen.“

Für die Stadtwerke sei dies ein großer Schritt in Richtung Energiewende. „Ohne Windenergie keine Energiewende“, so steht es auf der Homepage der Stadtwerke Wolfhagen. Mit dem 2014 errichteten Windpark am Rödeser Berg in Niederelsungen sei man in Richtung Energiewende gegangen. Die vier Windräder, fast 200 Meter hoch, sorgten dafür, dass Strom aus Wind und das fast nahezu CO2-neutral produziert werde.

Doch der Windpark, dient nicht nur zur Energiegewinnung. „Er wirkt auch wie ein Anker für Wertschöpfung in der Region, weil bevorzugt heimische Unternehmen mit Aufträgen bedacht werden“, beschreiben es die Stadtwerke Wolfhagen.

Doch während des Baus der Windenergieanlage konnte der Strom nicht aus Wind erzeugt werden. Fertigung und Aufbau entstehen schließlich industriell und so wird CO2 freigesetzt. So wie es der technische Leiter erklärt, sind die Emissionen nach dem Bau gesunken und sie tendierten gegen Null. Durch die Windenergieanlagen wäre nach rund sechs Monaten die gleiche Energie erzeugt worden, die für die Herstellung benötigt worden sei.

Doch die Windenergieanlagen auf dem Rödeser Berg sind nicht die einzigen im Wolfhager Land. Neben diesem Windpark am Standort Niederelsungen gibt es noch elf weitere Standorte. Diese sind verteilt auf die Kommunen. In Wolfhagen gibt es noch zwei weitere Windparks. Beide bei Istha. In Bad Emstal im Ortsteil Balhorn gibt es drei Windenergieanlagen. In Altenstädt befindet sich ebenfalls eine.

Breuna und die Ortsteile Niederlistingen und Wettesingen profitieren ebenfalls von Windenergieanlagen. Und auch die Ortsteile Escheberg und Oberelsungen in Zierenberg sind Standorte für Windkraft. „Nur auf dem Gebiet der Gemeinde Habichtswald gibt es derzeit keine Windenergieanlagen-Standorte“, erklärt Reinhard Fischer, Dezernat Immissions- und Strahlenschutz des Regierungspräsidiums in Kassel. (Lea Beckmann)

Es gab nur Sachschäden

„Unfälle oder Todesfälle durch Eiswurf und Eisfall sind in Deutschland nicht bekannt“, sagt Wolfram Axthelm, Geschäftsführer im Bundesverband Windenergie. Die Gefahren und Risiken, die sich aus Eiswurf ergeben, seien zu vernachlässigen. „Das zeigt sich unter anderem an den niedrigen Versicherungssummen für Haftpflicht und Personenschäden, die pro Anlage um 100 Euro liegen.“ Auch das Wirtschaftsministerium führt lediglich „vereinzelte Sachschäden“ auf. (lb)

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