Jagd-Ausbildung

Wolfhagen: Zehn Jungjäger bestehen „grünes Abitur“

Die Absolventen erhielten von Wolfgang Kommallein (links) und Lehrgangsleiter Werner Henkelmann ihre Urkunden.
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Geschafft: Die Absolventen, zwei fehlten krankheitsbedingt, erhielten von Wolfgang Kommallein (links) und Lehrgangsleiter Werner Henkelmann ihre Urkunden.

Mit dem sogenannten Jägerschlag wird der Jägernachwuchs offiziell in die Jägerschaft aufgenommen wird. Die Zeremonie fand jetzt an der „Wolfsschänke“ am Wolfhager Ofenberg statt.

Wolfhagen – „Der erste Schlag soll Dich zum Jäger weih’n, der zweite Schlag soll Dir die Kraft verleih’n, der dritte Schlag soll Dich verpflichten, nie auf die Jägerehre zu verzichten.“ Diese Sätze begleiten den Jägerschlag.

Während Wolfgang Kommallein, der Vorsitzende des über 300 Mitglieder starken Kreisjagdvereins Wolfhagen, die Sätze sprach, berührte er symbolisch mit einem „Hirschfänger“-Messer im Wechsel die Schultern des angesprochenen Jungjägers, beziehungsweise der Jungjägerin. Zusätzlich besiegelt wurde diese Zeremonie mit einem weiteren waidmännischen Brauch, dem Signal „Platz schlagen“ durch das vereinseigene Bläsercorps.

Die Jungjäger mussten versprechen, nach den Regeln der Waidgerechtigkeit zu jagen

Tradition: Jessica Hölscher aus dem Naumburger Stadtteil Altendorf wird mit dem Jägerschlag durch Wolfgang Kommallein als Jägerin in die Jägerschaft aufgenommen.

Die neu in die Jägerschaft aufgenommenen Jungjägerinnen und Jungjäger sind Bianca Meetz, Thomas Groeger (beide Wolfhagen), Harald Huhn, Maike Damm (beide Bad Emstal), Jessica Hölscher (Altendorf), Madlin Nolte (Warburg), Steffen Brömer (Elmshagen), David von Knebel, Björn Waßmuth (beide Altenstädt) und Lukas Rabanus (Naumburg).

Sie legten zudem das Versprechen ab, zukünftig nach den Regeln der Waidgerechtigkeit zu jagen. Die Urkunden des Landes Hessen für den erfolgreichen Abschluss der Jägerausbildung – im Volksmund auch das „grüne Abitur“ genannt – überreichte Wolfgang Kommallein, unterstützt vom Lehrgangsleiter Werner Henkelmann (Ehringen).

Ein Jahr Schule liegt hinten den neuen Jägern

Ehe die zehn neuen Jäger aus drei Lehrgängen ihr Zertifikat in Empfang nehmen konnten, hatten sie ein Jahr lang die Schulbank gedrückt, wobei die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie zusätzliche Schwierigkeiten bedeuteten.

Gefordert war Wissen über Wildbiologie, die Abläufe im Jagdbetrieb, den Umgang mit Waffen, über Fleischhygiene und Jagdrecht sowie Wald- und Naturschutz, Tier- und Seuchengesetze. Die eigentliche Jägerprüfung vor einem staatlichen Jägerprüfungsausschuss beinhaltete eine schriftliche Prüfung, eine Schießausbildung sowie einen praktischen Test auf rund 20 Pirschpfad-Stationen.

Werner Henkelmann sagte dazu: „Bereits vor wenigen Wochen hat der Kreisjagdverein Wolfhagen einen neuen Ausbildungslehrgang mit über zehn Absolventen begonnen. Sollte uns Corona keinen Strich durch die Rechnung machen, ist dafür die Prüfung im April/Mai des kommenden Jahres geplant.“ (Reinhard Michl)

Jägerschlag

Das Brauchtum des Jägerschlags geht im Berufsjägertum bis ins 12. Jahrhundert zurück. Wer früher die Jägerei erlernen wollte, musste drei „Behänge“ (Lehrjahre) absolvieren. Im ersten „Behang“ war als „Hundejunge“ die Betreuung der Jagdhunde seine Aufgabe. Im Folgejahr standen jagdliche, forstliche und Schieß-Ausbildung auf dem Programm. Im dritten Lehrjahr erhielt der Prüfling die Bezeichnung Jägerbursche. Nach Abschluss der Lehrzeit lud sein „Lehrprinz“ (Lehrherr) zu seiner „Wehrhaftmachung“ befreundete Jagdkameraden ein. Dabei erhielt der neue Jagdbursche einen symbolischen Wangenstreich mit den Worten: „Dies erleidest Du jetzt von mir und hinfort nicht mehr. Weder von mir noch von einem anderen.“ Damit war der Jägerbursche freigesprochen und erhielt als freier, wehrhafter Mann und Jäger Lehrbrief und Hirschfänger. 

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