Zehn Leute sind zu wenig fürs Musizieren

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Helfen sich gegenseitig aus der Patsche: Der Musikzug Wolfhagen und der Spielmannszug der Feuerwehr Ippinghausen. Heidrun Ledderhose (von links), Silke Ledderhose (beide Spielmannszug Ippinghausen), Birgitt Sälzer und Manuela Matthaei (beide Musikzug Wolfhagen) setzen auf den Austausch von Mitgliedern.

Wolfhagen. Der Musikzug Wolfhagen und der Spielmannszug Ippinghausen reagieren auf den Mitgliederschwund: Sie leihen sich gegenseitig Spieler aus.

Der Musikzug Wolfhagen und der Spielmannszug der Feuerwehr in Ippinghausen haben ein gemeinsames Problem: Sie schrumpfen. Beim Musikzug führte der Mangel an Spielern bereits dazu, dass er nicht auftreten konnte. So erlebten die Mitglieder den Wolfhager Viehmarktsumzug im Juli zum ersten Mal aus der Zuschauerperspektive - an eine aktive Teilnahme war nicht zu denken, sagt Vorstandsmitglied Manuela Matthaei.

Weil das Personal knapp ist, unterstützen sich die beiden Vereine gegenseitig. Zumindest beim Blech- und Schlagwerk können Musikzug und Spielmannszug, die sich in der Auswahl ihrer Instrumente und beim musikalischen Repertoire doch erheblich unterscheiden, voneinander profitieren. Vier bis fünf Mal halfen sich beide Gruppen bereits aus der Klemme, teilweise nutzen die Spieler auch die Übungsabende des jeweils anderen Vereins. Ein Zusammenschluss beider Formationen sei jedoch nicht geplant, betonen Manuela Matthaei und Silke Ledderhose, Stabführerin des Spielmannszugs.

Die Gründe für den Verlust von Musikern sind mannigfaltig. „Neuer Job, Schichtarbeit, Familie, Umzug, Alter....“, Matthaei zählt auf. Der Musikverein, der vor 25 Jahren aus dem Fanfarenzug der Schützengilde hervorgegangen ist, hatte in seinen besten Zeiten 30 aktive Spieler. „Derzeit sind es noch zehn“, sagt die Wolfhagerin. Um aber einen Umzug musikalisch begleiten zu können, seien mindestens zwölf Leute erforderlich. „Wir müssen laufen, spielen, genügend Puste haben und lächeln“, sagt die 50-Jährige.

Und es gibt noch ein weiteres Problem, das zu einer verminderten Zahl von Auftritten führt. Die Städte und Gemeinden müssten sparen, sagt Heidrun Ledderhose, stellvertretende Stabführerin in Ippinghausen. Bei Festumzügen seien viele der Motivwagen mit leistungsstarken Boxen ausgestattet, aus denen die Musik durch die Straßen schmettert. „Die Wagen werden aufgerüstet. Da gehen die Bläser einfach unter“, so Ledderhose, die mit ihrem Spielmannszug bereits das Publikum beim Karneval in Frankfurt unterhalten und mehrfach bei Oktoberfesten in Spanien aufgespielt hat. Die Auftritte der Ippinghäuser sind von mehr als 40 pro Jahr auf unter 20 zusammengeschmolzen. Und die Zahl der Aktiven hat sich von einst 70 auf inzwischen 32 mehr als halbiert.

Unterstützung hat nun auch Malte Klages, Leiter der Musikschule in Wolfhagen, angekündigt. Er kann sich vorstellen, dass Schüler, die ein Blasinstrument spielen, bei Konzerten und Auftritten einspringen. „Anspruch der Musikschule ist es ja, den Schülern ein möglichst breites Spektrum der Musik nahe zu bringen“, sagt Klages.

Wer ein Instrument beherrscht oder erlernen möchte und beim Musikzug Wolfhagen oder beim Spielmannszug Ippinghausen mitmachen möchte, kann sich an die Vereine wenden:

• Musikzug, Birgitt Sälzer, 0159-03130771

• Spielmannszug, Silke Ledderhose, 05692-7577.

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