Kontakt in die Heimat via Facebook

Wohngruppe in Wolfhagen: Ziel junger Flüchtlinge ist eine Lehre

Neues Zuhause für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge: In der ersten Reihe (von links) Vize-Landrätin Susanne Selbert, zwei Bewohner und Sabine Scherer, Leiterin Fachbereich Jugend beim Jugendamt Kassel sowie hinten Klaus Hudeczek (Sozialarbeiter), Bruno Kramer (Geschäftsführer Agil) sowie Ahmet Martin (Sozialarbeiter) vor dem Gebäude an der Alten Kleiderfabrik. Fotos: Ulbrich

Wolfhagen. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge leben in der Agil-Wohngruppe in Wolfhagen. Sie lernen Deutsch und werden intensiv betreut.

Das Schicksal der zahlreichen Asylberweber aus den Krisenregionen der Welt ist hart. Besonders schlimm trifft es dabei - wie so oft im Leben - den Nachwuchs. Wir schauten uns in der Wohngruppe des Landkreises für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMF) in Wolfhagen um, die von der Beschäftigungsgesellschaft Agil (Arbeitsförderunsgesellschaft im Landkreis Kassel) an der Alten Kleiderfabrik betrieben wird.

Zwischen acht und 15 Uhr ist es ruhig im Gebäude am Raiffeisenweg. Denn die zehn Flüchtlinge im Alter zwischen 15 und 18 Jahren büffeln täglich in diesem Zeitraum Deutsch am Sprachinstitut in Kassel.

Und der Sprachunterricht stellt quasi die Basis für die Jugendlichen aus Somalia, Pakistan, Afghanistan und Eritrea dar, um Fuß in der deutschen Gesellschaft zu fassen. Ebenso wichtig wie der klar strukturierte Tagesablauf ist aber auch die ständige Präsenz der Betreuer des Landkreises, sagt Bruno Kramer, Geschäftsführer von Agil: „Wir haben hier orthodoxe Christen und Moslems, auch die Mitarbeiter mussten sich erst auf die unterschiedlichen Kulturen einstellen.“

Doch inzwischen klappe das Miteinander, bei allen größeren und kleineren Schwierigkeiten, gut, die Bewohner hätten sich eingelebt. Ein Schlüssel zum funktionierenden Miteinander sei die Zahl von acht Betreuern, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Auch nachts gibt es immer einen Mitarbeiter, der im Gebäude schläft und in der Nähe ist, ergänzt Vize-Landrätin Susanne Selbert. Seit August 2014 ist die Einrichtung in Betrieb, neben einer aufgrund der besonderen Umstände der Jugendlichen höheren Zahl von Betreuern gibt es beispielsweise auch einen Wohnraum mit zwei Computern.

Facebook oder Skype sind oft die einzige Chance für die Jugendlichen, Kontakt mit ihren Familien aufzunehmen. Allerdings wurden viele Kinder von ihren Eltern vor oder während der Flucht getrennt, wissen häufig überhaupt nicht, ob und wo ihre nächsten Angehörigen derzeit sind, sagt Ahmet Martin, einer der Betreuer.

Deshalb sei es neben dem Sprachunterricht auch besonders wichtig, dass die Integration auch über heimische Vereine funktioniere. In Wolfhagen läuft dies gut, fast alle jungen Asylbewerber sind in Vereinen angemeldet, spielen Fußball oder halten sich mit Kickboxen fit - auch ein Mittel, um die oft traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten.

Ziel sei es, sagt Sabine Scherer, Leiterin des Fachbereichs Jugend beim Landkreis Kassel, dass die Jugendlichen einen Schulabschluss oder bestenfalls eine Lehrstelle bekommen. Gespräche mit dem Berufsbildungszentrum in Kassel-Waldau liefen derzeit, um über Praxistests die Chancen für die jugendlichen Flüchtlinge weiter zu verbessern, sagt Selbert.

Von Nicolai Ulbrich

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