Zoff um Wohnmobil: Fahrzeug ragt auf Gehweg - Besitzerin ignoriert Knöllchen

Anlass zum Ärgern: Rechts das Wohnmobil, das in den Fußweg ragt, dahinter das Schild mit dem Hinweis auf das eingeschränkte Halteverbot. Vom Ortsbeirat wird zudem kritisiert, dass Äste von Büschen über die Grundstücksgrenze hängen und nicht geschnitten werden. Sie sei für einen naturnahen Garten, kontert die Eigentümerin. Fotos:  Norbert Müller

Es geht um Zentimeter: Ein Wohnmobil, das in der hauseigenen Einfahrt geparkt wird und mit dem Heckanbau in den Fußweg ragt, hat den Altenhasunger Ortsbeirat auf den Plan gerufen.

Die Fronten sind verhärtet, jede Seite hat aus ihrer Sicht einfache Vorschläge zur Lösung des Problems, sie liegen aber meilenweit auseinander.

„Die Geschichte läuft seit 2012“, sagt Ralf Rauwolf vom Ortsbeirat. Der pensionierte Polizist wohnt wie die Eigentümerin des Wohnmobils an der Brahmsstraße in Altenhasungen und sieht zwei simple Lösungen für das Problem: Würde der Heckanbau, eine Rampe für einen Rollstuhl, abgebaut, würde das Wohnmobil ohne Überstand in die Einfahrt passen. Würde auf dem wassergebundenen Streifen auf der gegenüberliegenden Seite geparkt, wäre, so Rauwolf, das Hindernis, das vor allem Kinder gefährde, die ja bis zum zwölften Lebensjahr mit Fahrrad oder Roller auf dem Gehweg fahren müssen, beseitigt. Der Anbau für den Rolli brauche die Eigentümerin des Fahrzeuges nicht. Der Vorbesitzer, den die Frau über Jahre pflegte und der auf den Rollstuhl angewiesen war, ist mittlerweile verstorben.

Allerdings sieht die 63-Jährige keinen Anlass auf die Vorschläge des Ortsbeirats einzugehen, und das, obwohl ihr von Polizei und Ordnungsamt in den vergangenen Jahren „unzählige Knöllchen“, wie sie selbst einräumt, verpasst wurden. Fürs Zahlen sah sie keine Notwendigkeit.

Sie fühle sich ungerecht behandelt, sieht sich im Recht. Denn: Würde man ihr weiter erlauben, wie über gut fünf Jahre, das Auto am Fahrbahnrand direkt vor ihrem Haus zu parken, wäre alles gut. Das würde aber für die übrigen Autos ein Ausweichen über den unbefestigten Randstreifen bedeuten. „Das hatten wir ja schon“, sagt Rauwolf. Dem Streifen aus Rotgrand sei das auf Dauer nicht gut bekommen.

Ralf Rauwolf

„In einer Nacht- und Nebelaktion“, klagt die streitbare 63-Jährige, habe man ihr „Parkverbotsschilder“ genau über die Länge ihres Grundstücks gesetzt. Daraufhin habe sie ihr Fahrzeug wieder in die Einfahrt vor die Garage gestellt. Mit den bekannten Nebenwirkungen. Das Abstellen des Wohnmobils auf der gegenüberliegenden Straßenseite, wie vom Ortsbeirat gefordert, sei nicht möglich. Die verstärkten Batterien des Campers müssten über Nacht an die Stromversorgung angeschlossen werden, das Kabel läge dann auf der Straße, betont die promovierte Astrophysikerin.

Aus Sicht des Ortsbeirats wäre die Stadt mit ihrem Ordnungsamt und auch die übrigen Ordnungsbehörden am Zug. Aber die Stadt, so Ralf Rauwolf, habe offensichtlich kapituliert.

Das sagt Wolfhagens Bürgermeister Reinhard Schaake (parteilos): 

Mit dem Ausschildern eines eingeschränkten Halteverbotes sollte erreicht werden, dass die Halterin des Wohnmobils auf dem ihrem Haus gegenüberliegenden und zum Parken vorgesehenen Rotgrand-Streifen parkt, erklärte Bürgermeister Reinhard Schaake (parteilos). Stattdessen habe sie ihr Fahrzeug in der Einfahrt geparkt mit Überstand des Anbaus auf den Gehweg.

Man habe ihr seitens der Stadt angeboten, den Anbau durch Mitarbeiter des technischen Außendienstes abbauen zu lassen. Das sei von der 63-Jährigen abgelehnt worden. Das „teilweise Parken“ auf dem Gehweg verstoße gegen die Straßenverkehrsordnung und werde mit einem Verwarngeld in Höhe von 20 Euro (bei Behinderung der Passanten 30 Euro) geahndet. Schaake: „Alle Verwarngelder wurden nicht bezahlt.“

Der aktuelle Stand: Das Fahrzeug stehe weiter in der Hofeinfahrt, das Heck mit Kofferanbau rage in den Gehweg hinein. Das sei ein Eingriff in den Verkehrsraum und müsse geahndet werden. Vom Ordnungsamt sei eine Restdurchgangsbreite von 53 Zentimetern gemessen worden, eine einzelne Person könne also durchaus noch auf dem Gehweg verbleibend an dem Wohnmobil vorbeigehen.

Schaake: „Eine erhebliche Gefahr kann nicht erkannt werden.“ Ein Abschleppen des Fahrzeuges wäre nicht verhältnismäßig. Es käme dann ohnehin nur ein Versetzen des Wohnmobils auf die gegenüberliegende Straßenseite in Betracht, und die „wäre sehr wahrscheinlich auch nur von kurzzeitigem Erfolg gekrönt“. Aus Sicht der Wolfhager Stadtverwaltung seien zum jetzigen Zeitpunkt „keine weiteren Maßnahmen gegen die Eigentümerin einzuleiten“ - außer den regelmäßigen Verwarnungen wegen des Parkens auf dem Gehweg.

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