Impfen läuft schleppend

Zum Teil noch keine Erst-Termine in den Seniorenheimen im Wolfhager Land

Apotheker Christian Heckmann zieht den Impfstoff von den Ampullen in die Spritzen auf
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Der Apotheker Christian Heckmann vom mobilen Impfteam des Landkreises Kassel zieht den Impfstoff von Biontech/Pfizer gegen das Coronavirus von den Ampullen in die Spritzen auf.

Laut der Impfstrategie des Gesundheitsministeriums sollten zunächst die Risikogruppen in Alten- und Pflegeheimen geimpft werden. Mobile Impf-Teams sind derzeit in den Einrichtungen im Wolfhager Land unterwegs, um Bewohner und das Personal zu impfen.

Wolfhager Land – Der Impfstand in den Seniorenheimen sieht noch sehr unterschiedlich aus. Einige haben bereits die komplette Impfung erhalten, andere haben noch nicht mal die erste.

Während im Seniorenzentrum Wolfhagen die Erst- und Zweitimpfung bereits verabreicht wurde und laut Kreissprecher Harald Kühlborn auch in Zierenberg in drei Senioren-Pflegeeinrichtungen (Bergpark-Residenz, das Alten- und Pflegeheim Haus Abendfrieden und die Evangelische Altenhilfe Gesundbrunnen) die Bewohner und Mitarbeiter vollständig geimpft sind, wurde im Seniorenzentrum Viadukt in Zierenberg noch gar nicht geimpft.

Im ASB Wohnen und Pflege in Bad Emstal sowie im Haus Phönix am Teichberg in Wolfhagen steht auch noch die erste Impfung aus. „Es ist allerdings geplant, dass in allen Senioren-Einrichtungen bis Ende Februar die Erstimpfungen stattgefunden haben“, erklärt Harald Kühlborn. In Breuna im Alten- und Pflegeheim Haus am Walde wurde bislang die erste Impfung verabreicht. So ist der Stand auch bei den Senioren-Einrichtungen in Naumburg. Dazu zählen das Pflege- und Altenheim Hahn in Elbenberg und das Haus am See in der Kernstadt. Das Habichtswalder Alten- und Pflegeheim Haus Knöß ist ebenfalls erst mit der ersten Impfung durch. Die Termine für die Zweitimpfung finden alle im Februar noch statt. „Die zweite Impfung erfolgt 21 Tage nach der Erstimpfung“, so Harald Kühlborn.

In allen Senioren-Einrichtungen im Wolfhager Land arbeitet das mobile Impf-Team des Landkreises Kassel mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer. Dieser Impfstoff wird bei minus 70 Grad aufbewahrt.

Wenn die mobilen Impf-Teams zu den Seniorenheimen fahren, dann wird der Impfstoff in einem Kühlschrank gelagert, wobei er nach fünf Tagen aufgebraucht sein muss. Die mobilen Impf-Teams bereiten dann vor den Senioren-Einrichtungen in einem Lkw den Impfstoff vor. „Aus einer Ampulle können fünf bis sechs Spritzen aufgezogen werden“, erklärt Apotheker Christian Heckmann vom mobilen Impf-Team.

Sechs regionale Impfzentren in Hessen

In Hessen sind derzeit sechs Impfzentren geöffnet. Mit der Öffnung der Impfzentren am 19. Januar konnten zunächst rund 60 000 Termine für drei Wochen vergeben werden. Vom 19. Januar bis einschließlich 8. Februar erhalten die rund 60 000 angemeldeten ihre Erstimpfung. Im Anschluss werden dieselben Personen dort auch ihre Zweitimpfungen erhalten. Laut des Inneren Hessischen Ministeriums plant das Land, alle 28 Impfzentren am 9. Februar zu öffnen.

Erleichtert nach dem zweiten Piks

Rund 240 Bewohner und Mitarbeiter des Seniorenzentrums in der Karlstraße in Wolfhagen haben die zweite Impfung am Dienstag erhalten. Nun haben die Bewohner es endlich geschafft: Die zweite Impfung ist durch. „Eigentlich sollten wir ja schon nach drei Wochen die Zweite bekommen, aber das war wegen des mangelnden Impfstoffes nicht möglich“, so Geschäftsführer Martin Mittelbach. Am Dienstag war es dann genau vier Wochen her, dass die Senioren die erste Impfung bekommen haben.

Der 88-jährige Bewohner Hermann Kleinhans bekommt im Seniorenzentrum Wolfhagen seine zweite Impfung. Die medizinische Fachangestellte Silke Göbel verabreicht ihm die Spritze.

Nun also der Tag der zweiten Impfung. Ein Lastwagen vor dem Seniorenzentrum, medizinische Angestellte laufen durch die Gegend, und die Senioren und Mitarbeiter stehen Schlange. Das Seniorenzentrum hat sich in ein Impfzentrum verwandelt. Zumindest für den einen Tag. Hektik und Aufregung würde man erwarten, doch davon ist nichts zu spüren. Die Bewohner und Mitarbeiter des Seniorenzentrums in Wolfhagen sind gut gelaunt und gespannt auf den Tag. Um 9 Uhr geht es dann endlich in die zweite Impfrunde.

In der mobilen Apotheke, die sich in einem Lkw befindet, werden die Impfdosen vorbereitet. Apotheker Christian Heckmann vom mobilen Impfteam des Landkreises Kassel entnimmt die Impfdosen, welche kühl gelagert wurden und zieht sie in Spritzen auf. Er sitzt an einem kleinen Tisch ganz hinten im Lkw. Aus dem Lkw ertönt Musik, und Heckmann kümmert sich mit einer gewissen Gelassenheit, aber konzentriert um die Impfdosen. „Man hat wirklich Respekt vor der Arbeit mit dem Impfstoff“, erklärt der Apotheker. Man müsse sehr vorsichtig damit umgehen, da jede kleine Erschütterung schädlich sein könne. Die Struktur des Impfstoffes, welche auf das Corona-Virus abgestimmt ist, könnte nämlich kaputt gehen.

Innerhalb einer Stunde müssen die Impfdosen dann an die Patienten verabreicht werden. Man könnte fast von einem Rennen gegen die Zeit sprechen, aber hektisch geht im Seniorenzentrum keiner vor. Die medizinischen Angestellten bringen die Spritzen in Schaumstoffbehältern in das Seniorenzentrum.

Die Bewohner warten währenddessen auf ihre zweite Impfung. In einer Reihe sitzen sie im Flur und sind gespannt darauf, wann sie endlich aufgerufen werden. Die Wartezeit ist dabei wirklich manchmal sehr lang, doch die Senioren unterhalten sich, und so vergeht auch die Zeit. Von Aufregung ist bei ihnen auch nichts zu spüren. „Ich bin überhaupt nicht aufgeregt“, sagt der Bewohner Hermann Kleinhans lächelnd vor seiner zweiten Impfung. Er wartet schon ziemlich lang und fragt zwischendurch auch öfter, wann er denn dran sei. Und dann geht es auch für ihn los.

Der Wolfhager Internist und Notarzt Dr. Matthias Hughes und eine medizinische Fachangestellte warten schon auf den Senior im Impfraum. Die Arzthelferin krempelt den Ärmel des Impflings hoch und desinfiziert die Einstichstelle. Dann nimmt sie die Spritze und sticht in den Oberarm von Hermann Kleinhans. Ein kleiner Piks und fertig ist der Senior.

„Das war’s schon?“, fragt Hermann Kleinhans erstaunt. Hughes lächelnd: „Ja, die Impfung geht schnell, nur das Warten dauert so lange.“ „Es hat auch überhaupt nicht wehgetan“, erklärt der 88-Jährige. Danach muss Kleinhans noch eine Viertelstunde unter Beobachtung sein, wegen möglicher Nebenwirkungen der Impfung. „Ich bin wirklich erleichtert, dass die Impfung jetzt durch ist“, sagt Kleinhans.

„Ich bin sehr froh, dass ich geimpft wurde“, sagt die Bewohnerin Anna Zöltzer. Auch Elisabeth Eichler hat die Impfung gut überstanden. „Mir geht es super, die Impfung hat nicht wehgetan, und ich fühle mich jetzt wirklich sicherer“, erklärt die 88-Jährige. Alle sind entspannt und verbreiten eine gute Stimmung im Seniorenzentrum.

Eine Woche nach der Impfung haben die Bewohner und Mitarbeiter dann den Vollschutz des Impfstoffes. „Diese Woche müssen wir noch überstehen und danach sind wir weitgehend sicher“, erklärt Martin Mittelbach.

„Die Angst vor einem großen Ausbruch von Corona im Haus war groß. Doch diese Angst ist nun erst mal weg“, sagt Geschäftsführer Klaus Tschentscher: „Wir sind super froh, dass wir jetzt endlich auch die zweite Impfung verabreichen konnten.“

Dennoch bedauern die beiden Geschäftsführer, dass am Dienstag nicht auch eine erste Impfung für neue Bewohner der Einrichtung verabreicht wurde. Das war wegen der Knappheit des verwendeten Biontech/Pfizer Impfstoffes nicht möglich. (Lea Beckmann)

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