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Wolfhager hilft der Ukraine und wünscht sich Tauben am Himmel statt Raketen

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Von: Bea Ricken

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Adreno hofft, dass er bald den Tag erlebt, an dem das ukrainische Volk in den Himmel blickt und nicht das Geräusch kreischender Raketen hört, sondern das sanfte Flattern von Tauben.
Adreno hofft, dass er bald den Tag erlebt, an dem das ukrainische Volk in den Himmel blickt und nicht das Geräusch kreischender Raketen hört, sondern das sanfte Flattern von Tauben. © privat

Ein Deutscher, der zuletzt in Ahnatal und Wenigenhasungen gelebt hat, kündigt seinen Job und meldet sich freiwillig als Sanitäter im ukrainischen Kriegsgebiet.

Wenigenhasungen/Ahnatal/Lviv – Adreno will nicht länger Versteck spielen - zumindest was Fotos von ihm betrifft. „Die russische Seite kennt meine Identität ohnehin“, sagt der 26-Jährige, er habe keine Angst mehr.

Dabei hätte der Sanitäter aus Deutschland dazu allen Grund: Aktuell kümmert er sich um Evakuierungsfahrten zwischen den umkämpften Ostlinien und Lviv. „Die letzten Tage war ich in der Region Sjewjerodonezk und Bakhmut unterwegs. Wir haben einen Soldaten evakuiert, der beide Beine verloren hat.“ Diesen habe man an die polnische Grenze gebracht, da er ein internationaler Freiwilliger sei und jetzt in Polen behandelt würde. Neben den gefährlichen Fahrten gen Osten ist Adreno derzeit mit dem Aufbau eines Feldkrankenhauses beschäftigt. Zum Standort möchte er aus Sicherheitsgründen nichts sagen.

Adreno ist sehr beunruhigt, weil erneut ein Freund von ihm vermisst werde und mutmaßlich den russischen Truppen in die Hände gefallen sei. Der Mann komme aus den USA und habe 20 Jahre Erfahrung als Marinesoldat. „Wir haben zusammengearbeitet, als Kiew befreit wurde.“ Die Welt dürfe nicht zuschauen, wie Bürger ihrer Länder von Russland zum Tode verurteilt würden, nur weil sie ein angegriffenes Land verteidigt hätten.

„Ich habe auch einige humanitäre Aufgaben übernommen und kümmere mich um Hilfsgüter“, so Adreno in seinem Bericht für die HNA. Er habe vor, demnächst für kurze Zeit nach Deutschland zurückzukehren, um von dort aus weitere Hilfe für die Ukraine organisieren zu können. Dabei freut er sich sehr, seine Mutter wiederzusehen.

Auch seine Katze vermisse er sehr, die er bei seiner Mutter zurücklassen musste. Er habe Kally einst aus dem Tierheim Wau-Mau-Insel in Kassel geholt. Sie sei sehr ängstlich gewesen. „Ich habe ihr ein Zuhause gegeben, in dem sie erkannte, dass nicht alle Menschen schlecht sind, und ich wollte, dass sie ihre Angst verliert und Vertrauen gewinnt in die Menschheit.“ Das sei ihm bei Kally gelungen.

Adreno schlägt einen Bogen: Es sei schwer für das ukrainische Volk, durch den Krieg das Vertrauen in die Menschen zu behalten. Und doch, trotz der schlimmen Situationen, die er in diesem Krieg erlebt habe, habe ihm das ukrainische Volk nichts als Kraft und Vertrauen gegeben. Es habe ihm gezeigt, dass gute Menschen immer gewinnen werden, während das Böse fallen werde. „Ich liebe die Ukraine und ihre Menschen, ich bin gekommen, um zu helfen, und ich habe und werde immer, wenn nötig, mein Leben aufs Spiel setzen, um die Menschen zu verteidigen, die ich für das respektiere, was sie tun und für das riesige Herz, das sie haben.“

So wie er seine Katze und die wichtigen Menschen in seinem Leben liebe, liebe er Freiheit, Demokratie und die freie Wahl für jeden, über seine Zukunft zu entscheiden. Adreno hofft, dass er bald den Tag erlebt, an dem das ukrainische Volk in den Himmel blickt und nicht das Geräusch kreischender Raketen hört, sondern das sanfte Flattern von Tauben. (Bea Ricken)

Adreno vermisst seine Katze Kally.
Adreno vermisst seine Katze Kally. © privat
Mit Hilfsgütern unterwegs in der Ukraine. Adreno zusammen mit einem Kollegen.
Mit Hilfsgütern unterwegs in der Ukraine. Adreno zusammen mit einem Kollegen. © privat

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