Kometenschweif über Zierenberg

Zierenberg: Mark Woskowski erklärt das Besondere an Komet Neowise

Der Schweif des Kometen Neowise über Zierenberg.
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Faszinierender Anblick: Der Schweif des Kometen Neowise über Zierenberg. Das Foto hat der Zierenberger Mark Woskowski mit einer ganz speziellen Technik aufgenommen. 

Alle 7000 Jahre kommt der Komet „Neowise“ der Erde so nahe, dass er mit bloßem Auge zu sehen ist. Dieses Schauspiel am Himmel hat Mark Woskowki aus Zierenberg festgehalten.

„Das Bild ist in der Nacht vom 13. auf den 14. Juli. entstanden. In der Nacht davor ist mir bereits im Fernglas aufgefallen, dass links vom Schweif eine Art „Schatten“ zu erkennen war. Auf den Bildern war es etwas deutlicher zu sehen: Neowise hat zwei Schweife, weshalb zwischen ihnen der Eindruck entsteht, dass es etwas dunkler wird.

Für die Aufnahme hat der 18-Jährige eine spezielle Aufnahmetechnik verwendet, die man „Stacking“ nennt. Dabei geht es darum einen Stapel (engl. „Stack“) Bilder aufzunehmen, den man dann mittelt. Sinn des ganzen Prozesses ist es, Rauschen zu reduzieren. Das Kamerarauschen ist mehr oder weniger zufällig auf dem Bild verteilt und durch das Mitteln wird das Bild weniger körnig und verrauscht.

Man erkennt nur seinen Schweif

Zusätzlich hat er eine Reihe an „Darkframes“ aufgenommen, die sich nur dadurch von den normalen Fotos unterscheiden, dass der Deckel darauf ist. Die Gesamtbelichtungszeit beträgt rund eine halbe Stunde, jedes einzelne Bild besitzt eine halbe Minute Belichtungszeit. „Damit das alles funktioniert und der Komet immer im Bild bleibt, habe ich ihn nachgeführt“, erklärt der junge Mann, der im Planetarium in Kassel arbeitet.

Und er erklärt: Neowise erkennt man auf dem Bild nicht, sondern um genau zu sein seinen Schweif. Der ist mehrere Millionen Kilometer lang und besitzt kaum Masse, hat also eine sehr geringe Dichte. Das reicht aber trotzdem, um ihn über 120 Millionen Kilometer Entfernung mit bloßem Auge noch zu sehen.

Der Komet Neowise selbst ist ein um die fünf Kilometer großes Krümelchen, von dem der ganze Schweif ausgeht. Die beiden Schweife entstehen auf unterschiedliche Art und Weise.

120 Millionen Kilometer entfernt

Der helle weiße Schweif wird Staubschweif genannt und entwickelt sich, sobald ein Komet in Sonnennähe ist. Dann verdampft er (oder genauer: sublimiert) und Staub wird vom Dampf mitgerissen. Sehr schnelle Teilchen, die die Sonne aussendet, drücken den Staub dann nach außen. Der Ursprung des Blauen Schweifs, der Plasmaschweif oder Gasschweif genannt wird, ist nicht genau bekannt. Man vermutet, dass die Sonne einzelne Moleküle aus dem Dampf mithilfe ihres Magnetfeldes von der Sonne weg beschleunigt.

„Insgesamt aber einfach faszinierend, wenn man die verschiedenen Entfernungen beachtet: Der nächste Busch ist wenige Meter entfernt, der Horizont einige Kilometer, Flugzeuge 50 Kilometer durch die niedrige Horizonthöhe, aber der Komet ist 120 Millionen Kilometer entfernt und trotzdem noch sichtbar. Der Anblick und Fotos von Neowise kriegen mit diesen Zahlen so viel mehr Tiefe“, sagte Mark Woskowski.

Der 18-jährige Mark Woskowski ist Schüler und arbeitet im Planetarium Kassel. Er kommt aus Zierenberg, beobachtet und fotografiert den Nachthimmel in seiner Freizeit.

Er ist auch ehrenamtlich im Astronomischen Arbeitskreis Kassel e.V. (AAK e.V.) tätig und zweiter Beisitzer im Verein.

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