Jüdische Menschen kommen zu Wort

1000 Euro Förderung von der Kulturstiftung des Landkreises für jüdischen Sammelband

Stolpersteine in Zierenberg: Schüler der Elisabeth-Selbert-Schule der Klasse R9a hatten sie gereinigt. Die Steine erinnern an jüdisches Leben in der Warmestadt. 
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Stolpersteine in Zierenberg: Schüler der Elisabeth-Selbert-Schule der Klasse R9a hatten sie gereinigt. Die Steine erinnern an jüdisches Leben in der Warmestadt. 

Gegen das vergessen und für das Erinnern setzt sich seit 2014 die Arbeitsgemeinschaft Erinnerungskultur Zierenberg ein. Im November soll ein Sammelband veröffentlicht werden. 

Zierenberg – Die Vorstellung des Buches „Erinnern und Gedenken – Jüdische Stimmen aus Vergangenheit und Gegenwart“ durch die AG Erinnerungskultur Zierenberg, ist für den 8. November geplant. Die Kulturstiftung des Landkreises Kassel hat die Herausgabe dieses Sammelbandes mit 1000 Euro unterstützt.

Der Wunsch, die an verschiedenen Stellen veröffentlichten Aufsätze von Walter Sharman (Walter Schartenberg) zur jüdischen Geschichte in Zierenberg - auch in den Jahrbüchern des Landkreises Kassel 1985/86/87 - einer breiteren Öffentlichkeit in Zierenberg zugänglich zu machen, veranlasste die Arbeitsgemeinschaft Erinnerungskultur Zierenberg im Jahr 2018, die Herausgabe dieses Sammelbandes zu planen.

Ebenso schien es angebracht, die 1999 in Israel erschienene Biografie von Rabbi Arye Yehuda Mollerich einschließlich seiner Korrespondenz mit dem Magistrat der Stadt Zierenberg unter seinem deutschen Namen Lion Möllerich aus dem Jahr 1990 zu veröffentlichen. Für beide Autoren und ihre Familien wurden im Jahr 2017 Stolpersteine verlegt.

Die Nachkommen von Walter Sharman beteiligten sich intensiv

Sehr dankbar ist die Arbeitsgemeinschaft, dass die Nachkommen von Walter Sharman (wohnhaft in London und Netanya/Israel) sich intensiv an der Erarbeitung des Buches und mit eigenen Beiträgen beteiligt haben. Darüber hinaus haben auch Mitglieder der jüdischen Gemeinde und des Sara-Nussbaum-Zentrums Kassel Aufsätze zur jüdischen Kultur und Frömmigkeit verfasst.

Abgesehen von den Gruß- und Einführungsworten werden insgesamt 20 sehr unterschiedliche Texte veröffentlicht werden. Zum einen vermitteln diese einen äußerst lebendigen Eindruck vom jüdischen Leben, das unsere Stadt bis 1933 mitgeprägt hat und das 1938 ganz und gar durch die nationalsozialistischen Verbrechen ausgelöscht wurde.

Zum anderen sind sie auch beeindruckende Zeugnisse jüdischen Denkens und Lebens, deren Inhalte uns nicht nur nachdenklich werden lassen, sondern uns auch gesellschaftlich, kulturell und religiös bereichern. Und das gerade angesichts der vielfältigen antisemitischen und rassistischen Erscheinungsformen im Deutschland unserer Tage. So liegt der Sinn dieser Sammlung nicht darin, über Juden zu reden, sondern vor allem jüdische Menschen mit ihren Gedanken, Gefühlen und Einstellungen selbst zu Wort kommen zu lassen.

Arbeitsgemeinschaft wird von zahlreichen Spenden unterstützt

Dankenswerterweise konnten alle bisherigen Aktivitäten seit 2014 finanziert werden. Die Arbeitsgemeinschaft ist von der Spendenbereitschaft der Zierenberger Bevölkerung, der Geldinstitute und verschiedener Vereine und von der Zusammenarbeit mit der Stadt und den Kirchen äußerst angetan, fühlt sie sich dadurch auch in ihrer Erinnerungsarbeit bestätigt. Mit der Zuwendung der Kulturstiftung des Landkreises in Höhe von 1000 Euro und der Zusage des Vereins „Gegen das Vergessen – für Demokratie, mit einem höheren Geldbetrag die Finanzierung des Sammelbandes zu unterstützen, sind ist die Finanzierung des Sammelbandes (die Kosten liegen bei circa 5600 Euro) bis auf einen dreistelligen Betrag gesichert.

Ein 16-jähriger Urenkel von Walter Sharman (Walter Schartenberg) hat für eine Prüfung ein Musikstück komponiert und dieser Komposition den Titel: „Zierenberger Shabbat“ gegeben. „Das empfinden wir sehr berührend und bewegend“, heißt es in der Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft. Dazu gehören die Mitglieder des Redaktionskreises der Arbeitsgemeinschaft Erinnerungskultur Zierenberg: Hans-Peter Klein, Heidi Zeuner, Anette Völkel, Petra Wenderoth, Matina Kolle, Gabriele Spitzinger, Wilfried Wicke, Hermann Giesendorf und Dunja Brede.   mow

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