Rohrbacher Brüderschaft

323 Jahresfest: Rohrbacher Brüderschaft feierte drei Tage

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Mit Musik, Kuchen und Kaffeekannen: Die Mitglieder der Rohrbacher Brüderschaft beim langen Marsch durch Zierenberg.

Zierenberg - 323 Jahre Rohrbacher Brüderschaft. Die Mitglieder feierten das langjährige Bestehen mit einem dreitägigen Fest - Marsch, Ball, Ehrungen und Generalversammlung.

Nur gut, dass es an der ersten Station, dem Rathaus, beim Marsch der Rohrbacher Brüderschaft durch die Stadt von Bürgermeister Stefan Denn (SPD) Geschenk eine Flasche Schnaps gab. So konnten sich die Brüder und die mitmarschierenden Instrumentalisten der Festkapelle auf ihrem weiteren Weg bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt ab und zu einen wärmenden Schluck genehmigen.

Marschverpflegung in fester und in flüssiger Form gab es aber auch jeweils in Hülle und Fülle an den weiteren Haltepunkten: beim amtierenden Vorsteher Marco Rietze, bei Untervorsteher Holger Stieghorst und der Kuchenschwester Elke Jeppe. Das Glück war diesmal den Brüdern trotz der frostigen Kälte hold. So lagen die beiden letztgenannten Anlaufstellen nur einen Steinwurf weit voneinander entfernt, und zum anderen konnten die Brüder mit Sonnenschein pur marschieren.

Bei der Kuchenschwester standen schon die großen mit Streuselkuchen bestückten Bleche bereit, die von den jüngeren Brüdern geschultert wurden, um sie ins Bürgerhaus zu tragen. Den Älteren oblag es, die mit Buchsbaumzweigen geschmückten silbernen, nostalgischen Kaffeekannen dorthin zu transportieren.

Brüder tanzten Tampete und Kegelquadrille

Die Brüder mussten aber nicht nur gut zu Fuß sein, sondern auch stimmgewaltig. Denn immer wieder wurde das Rohrbacher Lied gesungen, und es ertönte der Ruf „Vivat Rohrbach – es lebe Rohrbach.“ Im Bürgerhaus stand mit Kind und Kegel der große Kuchenschmaus an.

Anschließend, wie ebenfalls am Abend beim festlichen Ball, tanzten Jung und Alt „mit großer Fröhlichkeit und in rechter Zucht“ die alt überlieferten Reigentänze: die Tampete und auch die Kegelquadrille.

Zur Stärkung gab es ausschließlich Rohrbacher Schinken. Die sind auch für Vegetarier geeignet, weil fleischlos. Rohrbacher Schinken sind nur mit Salz und Kümmel bestreute trockene Brotscheiben.

„Gebunden“ wurde diesmal keine neue Schwester, aber zwei besondere Ehrungen für Jahrzehnte lange Brüderschaftstreue gab es durch den scheidenden Vorsteher Marco Rietze und seine Ehefrau Tanja: Einmal für die 92-jährige Edith Weste, die 1948 „gebunden“ wurde, also seit über 70 Jahre eine echte Rohrbacher Schwester ist. Für 50-jährige Treue wurde in Abwesenheit Inge Homberger (82) geehrt.

Begonnen hatte das dreitägige Jahresfest, das seit 1696 immer „um Mariä Lichtmess“ gefeiert wird, am Donnerstagabend. Da „prüften“ die Brüder in einer reinen Herrenrunde das Festtagsbier, das früher extra für das Jahresfest gebraut wurde.

Abgeschlossen wurde das Fest am Samstagvormittag mit der Generalversammlung und der Ernennung der neuen Amtsinhaber: Horst Stieghorst als Vorsteher, Thomas Beyer als Untervorsteher und Alexandra Brede als Kuchenschwester.

Rohrbach am Rohrbach

Die Vorfahren der Rohrbacher Brüderschaft lebten in einem gleichnamigen Dorf am gleichnamigen Bach, auch als Breites Wasser bezeichnet, fast exakt auf halber Strecke zwischen der Zierenberger Kernstadt und dem Kloster Hasungen. Der kleine Ort wurde schon im Jahr 1074 in den Aufzählungen der Hasunger Klostergüter genannt.

Bereits im Jahr 1403 ist von Rohrbach nur noch als Wüstung die Rede. Die Bewohner waren vermutlich um 1344 in den Schutz der Zierenberger Stadtmauern geflüchtet. Urkundlich erstmals erwähnt wird die Rohrbacher Brüderschaft im Jahr 1696.

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