14 und 16 Jahre alt

Die Angst bleibt: So geht es zwei Mädchen nach sexueller Belästigung in Regiotram heute

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Im Zug belästigt: Auf ihrer Fahrt von Zierenberg nach Kassel sind Anfang des Jahres zwei Mädchen sexuell belästigt worden. Zuvor waren sich die Mädchen unsicher, den Fall der Polizei zu melden. Aus Gründen der Anonymität zeigen wir das Mädchen nur von hinten.

Zierenberg. Der Fall der beiden Mädchen, die Anfang des Jahres im Zug von Zierenberg nach Kassel sexuell belästigt wurden, ist schnell aufgeklärt worden - Angst und Scham bleiben jedoch.

Die Bundespolizei konnte nach der Tat einen 25-jährigen Aserbaidschaner aus Wolfhagen ermitteln. Doch was bleibt, ist die Angst und Scham der Opfer. Besonders prekär bei diesem Fall: Die beiden Mädchen sind erst 14 und 16 Jahre alt.

Der Fall zeigt, wie groß die Unsicherheit der Betroffenen ist, sich jemanden anzuvertrauen. Denn zu Beginn waren die beiden Mädchen sich noch unsicher, ob sie den Fall der Polizei melden sollen. Zu groß sei die Ratlosigkeit gewesen, ob das Handeln des Mannes bereits unter sexuelle Belästigung falle, sagt die 14-jährige Lisa (Name von Redaktion geändert). "Die Mädchen haben aber vollkommen richtig reagiert", sagt Pressesprecher Klaus Arend vom Polizeipräsidium Kassel.

Wie das Mädchen erzählt, stieg sie alleine um 17 Uhr in den Zug nach Kassel ein und setzte sich in ein Vierer-Abteil. Schon nach wenigen Minuten bemerkte sie die unangenehmen anzüglichen Blicke des Mannes, der im Abteil nebenan saß. Verunsichert versuchte sie, den Blicken auszuweichen, und starrte aus dem Fenster. Als bei der nächsten Station ihre Freundin einstieg, bemerkte auch sie sofort, dass der Mann ihre Freundin mit einem „pädophilen Blick“ anstarrte, berichten die Mädchen.

Ihre 16-jährige Freundin habe dem Mann dann gesagt, er solle das unterlassen. Doch er reagierte nicht und begann sich zusätzlich im Schritt anzufassen. „Es wurde zunehmend unangenehmer“, sagt Lisa. Als sie beide dem Mann deutlich sagten, er solle damit aufhören, erwiderte dieser nur: „Ich verstehe kein Deutsch“ und setzte sein Handeln fort. Die Ältere habe daraufhin beschlossen, die Schaffnerin zu informieren. „Doch die machte auch nicht viel“, sagt sie. Als ein weiterer Passagier die Schaffnerin auf den Mann hinwies, stellte diese sich vor die Mädchen. Am Hauptbahnhof Kassel endete die unangenehme Fahrt, als der Mann schnell aus dem Zug verschwand.

Erst habe sie Angst gehabt, sich an die Polizei zu wenden. Denn da der Mann schon vor ihr im Zug saß, ging die Schülerin davon aus, dass er aus Wolfhagen kommt. „Ich hatte Angst, dass ich ihm noch mal im Zug begegne“, sagt sie. Nach kurzen Überlegungen beschloss dann die 16-Jährige, die Polizei zu informieren. „Das war die einzig richtige Entscheidung“, sagt ihre Mutter. „So etwas sollte man immer sofort melden.“ Nur so könne die Polizei auch die Täter schnappen, wie in diesem Fall.

Die 41-jährige Mutter aus Zierenberg zeigte sich gegenüber der Polizei erleichtert, dass der Fall so schnell geklärt werden konnte. Sie schrieb in einer Mail an die Polizei: „Es war auf jeden Fall richtig, sofort zur Polizei zu gehen und Strafanzeige zu erstatten.“

Enttäuscht ist sie über das Verhalten der Schaffnerin:„Wie kann man so einen Passagier einfach weiterfahren lassen?“ Für Polizeisprecher Klaus Arend gilt im Regelfall: „Wenn sich jemand nicht an das Hausrecht hält, kann er vor die Tür gesetzt werden.“

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