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Bau eines Biomeilers auf dem Dörnberg: Riesiger Kompost heizt das Haus

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Der neue Biomeiler auf dem Dörnberg soll Wärme erzeugen: Jochen Kruse (links) und Michael Stand bauten am Wochenende mit interessierten Bürgern den ersten Biomeiler der Region. Zum Einsatz kamen dabei gut 20 Tonnen Holzhackschnitzel vermischt mit Hühnermist.

Es ist kein alltäglicher Einsatz für Bernd Vogt. Statt auf den eigenen Feldern ist der Zierenberger Landwirt am Samstagnachmittag mit seinem blauen Trecker auf dem Dörnberg unterwegs, befördert vom Sportplatz des ehemaligen Jugendhofes beinahe im Minutentakt ein Gemisch aus Holzhackschnitzeln und Hühnermist an den unteren Rand des Geländes, das mittlerweile von den rund 20 Mitgliedern der Gemeinschaft Lebensbogen bewohnt und bewirtschaftet wird.

Auch Jochen Kruse lebt seit anderthalb Jahren hier, engagiert sich unter anderem im Bereich Gebäude- sowie Energiemanagement und hat sich schon lange mit dem Gedanken getragen, einen Biomeiler zur Warmwasserversorgung zu bauen. „Die Idee, nachhaltig ökologisch warmes Wasser herzustellen, finde ich einfach klasse“, so der gebürtige Düsseldorfer, während er gemeinsam mit einem rund zehnköpfigen Team im kreisrunden Drahtgestell steht, in dem die Biomasse auf sechs Metern Durchmesser mit allerlei Werkzeug verteilt werden will.

Ganz uneigennützig sind die Männer und Frauen nicht dabei, sie sind aus allen Teilen Deutschlands auf den Dörnberg gekommen, um im Rahmen eines Wochenendseminars das nötige Rüstzeug zu erlernen, um selbst irgendwann einen Biomeiler bauen zu können.

In der Theorie kennen sie sich schon bestens aus, am Freitag nämlich haben sie jede Menge Input von Projektleiter Michael Stand vom Verein Native-Power bekommen. Der 52-Jährige beschäftigt sich seit über zehn Jahren mit dem Thema Biomeiler, hält bundesweit Workshops und berät darüber hinaus zu den Themen Heizungssysteme und Nutzung des Meilerkomposts für den Humusaufbau in Gärten und Landwirtschaft.

An die 15 der überdimensionalen Komposthaufen mit ausgeklügeltem Innenleben hat er schon realisiert, weiß genau, worauf beim Bau zu achten ist. „Das Prinzip ist relativ einfach“, erklärt Stand. „Jeder hat schon mal den Rasen gemäht und dabei festgestellt, dass der Schnitt hinterher so heiß wird, dass man sich die Finger verbrennt.“ Bei den Biomeilern sei es genauso, nur drei Dimensionen größer.

Statt Grasschnitt würden hier rund 21 Tonnen Holzhackschnitzel zu einem knapp drei Meter hohen Haufen aufeinandergeschichtet und dabei permanent bewässert. In 80 Zentimeter Höhe werde der erste von drei Wärmetauschern, ein 32-Millimeter-PE-Rohr, in Schlangenlinien eingebaut und vor der nächsten Schicht Biomasse mit einer Vliesfolie abgedeckt, um das Abtragen zu erleichtern, wenn der Meiler seinen Dienst getan hat.

„18 Monate ist Standard, manche Meiler haben auch nach 24 Monaten im Innern noch über 50 Grad, das hängt von der Zusammensetzung des Ausgangsmaterials ab“, erklärt Michael Stand.

Der Kreislauf im rund 3000 Euro teuren Biomeiler auf dem Dörnberg soll in etwa zehn Tagen richtig in Schwung gekommen sein, dann Temperaturen bis etwa 70 Grad liefern und Teile des Lebensbogen-Areals mit Warmwasser versorgen. Doch das ist nicht alles: „Der dabei entstehende Kompost kann zur Bodenverbesserung oder in der biologischen Landwirtschaft und Gärtnerei genutzt werden“, freut sich Jochen Kruse, der schon jetzt darüber nachdenkt, weitere Biomeileranlagen auf dem Gelände des ehemaligen Jugendhofes zu errichten.

Kontakt:Weitere Informationen, inklusive einer Anleitung zum Bau von Biomeilern, unter native-power.de

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