Seniorenheim wechselt Besitzer

Bergpark Residenz in Zierenberg an Kasseler Pflege- und Betreuungsdienstleister verkauft

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Schwerer Abschied von den Heimbewohnern: Inga Röll, Inhaberin der Bergpark Residenz (Mitte), hat das Haus verkauft. Sie ist hier zu sehen mit (von links) Waltraud Schinzel, Inge Jokisch, Friedrich Scheuermann, Ernst Hillberger, Karl-Heinz Tettweiler, Inga Röll, Betreuerinnen Anne Tomzak und Petra Kirsch sowie Ursula Knüppel.

Zierenberg/Habichtswald - Inga Röll, Heimleiterin und Inhaberin der Bergpark Residenz in Zierenberg, hat das Seniorenheim an Kasseler Pflege- und Betreuungsdienstleister verkauft.

Zu jedem Arbeitstag in den vergangenen 50 Jahren gehörte für die Heimleiterin und Inhaberin der Bergpark Residenz ein Ritual: „Ich habe Trostpflästerchen geklebt“, erzählt Inga Röll. Diese Trostpflaster waren vor allem Zuwendung und Zeit für persönliche Gespräche oder auch die Erfüllung eines Sonderwunsches beim Essen.

Wenn die 74-Jährige nach dem Verkauf ihres Seniorenheims in diesen Tagen zum letzten Mal die Tür der Einrichtung schließt, bleibt für sie eins der größten Probleme in der heutigen Altenpflege ungelöst: „Menschen mit aller Liebe zu pflegen und gleichzeitig die geforderte Bürokratie zu erfüllen, funktioniert nicht.“

Als Inga Röll, die im waldeckischen Herzhausen geboren wurde, in den 60-er Jahren ihr Staatsexamen als Altenpflegerin in Marburg ablegte, war man von der heutigen Bürokratisierung weit entfernt.

Die junge Mutter erhielt 1969 eine Anstellung als Gemeindeschwester in Ehlen, Dörnberg, Burghasungen und Oelshausen. „Ich bin von Haus zu Haus gegangen und habe Verbände gewechselt, Insulin gespritzt oder Angehörige bei der Pflege angeleitet“, so Röll. Ihr Kind habe sie immer dabei gehabt. Darum kümmerte sich die besuchte Familie. Altersheime waren in dieser Zeit noch rar.

Sprung in die Selbstständigkeit gewagt

Anfang der 80er-Jahre sah Inga Röll eine Stellenanzeige in der HNA. Diese führte sie sieben Jahre in das damalige Blinden-Altenheim nach Kassel-Harleshausen, wo sie den Posten der Oberschwester übernahm. Den Sprung in die Selbstständigkeit wagte sie schließlich, als ein kleines Altenheim in Dörnberg versteigert wurde. Sie kaufte die Einrichtung in der Blumensteiner Straße und erweiterte sie von sieben auf 25 Plätze.

2003 gab sie das Altenheim ab. Doch, um in Rente zu gehen, fühlte sich Inga Röll zu jung und ersteigerte 2006 mit ihrer Tochter und dem Schwiegersohn Rainer Altmann das damalige Hotel Panorama in Burghasungen. Die Familie sanierte das Gebäude vollständig und eröffnete 2007 die Bergpark Residenz mit 66 Betten und 20 Einzelzimmern.

Inga Röll arbeitete von morgens bis abends in Burghasungen. „Das Heim war mein Baby.“ Sie habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, damit sich die Bewohner nicht langweilen. „Bei uns war immer ein Gesangverein oder irgendeine Veranstaltung.“ Es tut ihr in der Seele weh, das Seniorenheim nun abzugeben, doch mit Mitte 70 und aus gesundheitlichen Gründen möchte Röll kürzertreten.

Sie arbeitet noch einige Wochen im Heim, um einen reibungslosen Übergang zu ermöglichen. Künftig möchte Inga Röll, die in Dörnberg wohnen bleibt, mit ihrem Mann mehr verreisen.

"Sehen uns als Familienbetrieb"

Seit Anfang Februar hat der Pflege- und Betreuungsdienstleister ascleon Care aus Kassel, der im nördlichen Teil von Deutschland unter anderen Seniorenheime und Hotels betreibt, die Burghasunger Bergpark Residenz übernommen.

„Wir sind keine anonyme Kette, sondern sehen uns als größeren Familienbetrieb“, so Geschäftsführer und Inhaber Christoph Jaworski. Er sei regelmäßig in allen Einrichtungen vor Ort und kenne die Bewohner. Seniorenheime sollten heute vom Niveau Hotelcharakter haben. „Wir kochen auch selbst und bilden unsere Mitarbeiter in unserer Hotelküche aus.“

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