Jetzt wird der Lärm gemessen

BI Zierenberg/Habichtswald hat drei Smartboxen installiert

Die Bürgerinitiative Lärmschutz Zierenberg und Habichtswald hat jetzt drei Lärmmessgeräte zur Dokumentation der Lärmpegel installiert und will damit ihrer Forderung auf Lärmschutz Nachdruck verleihen. Im Bild von links Erwin Degenhardt, Doris Müller, Gerd Appel und Wilfried Appel, Sprecher der BI.
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Die Bürgerinitiative Lärmschutz Zierenberg und Habichtswald hat jetzt drei Lärmmessgeräte zur Dokumentation der Lärmpegel installiert und will damit ihrer Forderung auf Lärmschutz Nachdruck verleihen. Im Bild von links Erwin Degenhardt, Doris Müller, Gerd Appel und Wilfried Appel, Sprecher der BI.

Die Bürgerinitiative Zierenberg/Habichtswald hat drei Smartboxen installiert, um den Lärm von der Autobahn 44 zu messen.

Burghasungen – Nein, man kann sich nicht einfach nett im Garten von Gerd Appel in Burghasungen unterhalten. Hier kann man nur schreien, weil in unmittelbarer Nähe die Autobahn 44 verläuft. Lkw an Lkw, Auto an Auto, Tag für Tag, Nacht für Nacht. Um die Lärmbelastung zu dokumentieren, hat sich die Bürgerinitiative Lärmschutz Zierenberg und Habichtswald mit Unterstützung der Stadt Zierenberg für sogenannte Smartboxen stark gemacht, die den Lärm rund um die Uhr messen.

Am Grundstück von Gerd Appel liegen die Werte im Schnitt bei 80 Dezibel. Das entspricht ungefähr der Lautstärke eines Rasenmähers. Dauerlärm für die Bewohner also. Ein Grund mehr für die BI, den Forderungen nach Lärmschutz Nachdruck zu verleihen.

Schöne Aussicht und viel Lärm: Der Blick vom Garten in der Burghasunger Brunnenstraße. Ein Aufenthalt im Garten ist möglich, aber sinnlos.

Dabei geht es ihnen nicht um die Abschaffung der Autobahnen oder Stilllegungen, sondern um technische Mittel, die die Lärmbelastung –insbesondere an Bestandsstrecken der Autobahn –senkt und so Gesundheitsgefahren abgewendet werden. Insgesamt drei Smartboxen hat die BI erhalten. Zwei wurden in Burghasungen installiert, eine in Friedrichsaue. Die Messdaten werden zur Auswertung auf einer Internetplattform gespeichert. Diese Werte sollen zusammengefasst in einer Karte der Region die Situation vor Ort darstellen. Neben den Messstellen im Raum Zierenberg sind Weitere entlang der A 44 von der Bergshäuser Brücke bis nach Friedrichsaue von den Stadt- und Gemeindeverwaltungen Zierenberg, Schauenburg, Baunatal und Fuldabrück geschafft und installiert worden.

Smartbox am Haus in der Brunnenstraße.

Auch an der A 49 und der A 7 sollen weitere Geräte installiert werden. Ziel der BI ist es, einen aktiven Lärmschutz an der Strecke (Schutzwall, Schutzwand, Einhausen) zu bekommen, der geknüpft ist an die Gleichstellung von Alt- und Neubaustrecken. Im Bundesverkehrswegeplan 2030 ist der sechsspurige Ausbau der A 44 geplant. Frühestens in 2040 kann mit Lärmschutzmaßnahmen gerechnet werden. Deshalb fordert die BI schon jetzt zu handeln. Und zwar mit einem Tempolimit auf einer Länge von zwei Kilometern, bei Tag und bei Nacht und nicht (wie bisher) nur über 600 Meter von 22 bis 6 Uhr. Es wäre ein Anfang für eine kleine Lärmminderung. bi-lärmschutz-zierenberg-habichtswald.de

Prof. Dr. Gerhard Hesse: Belastung schränkt Lebensqualität ein

Wenn man täglich von Lärm umgeben ist, macht das auch dem Körper was aus. Auch für die Ohren ist die Dauerbelastung Stress pur.

Zu den Messdaten im Zierenberger Stadtteil Burghasungen sprachen wir mit Prof. Dr. Gerhard Hesse aus der Tinntius-Klinik am Bad Arolser Krankenhaus. Hesse ist Gründer der jetzigen Schön-Klinik (1992), Hals-Nasen-Ohrenarzt und Gesundheitsökonom.

Zur Lärmbelastung in Burghasungen sagt er: „Fluglärm, Verkehrslärm – diese alltäglichen Lärmbelastungen führen, eben weil sie praktisch permanent und im Falle von fließendem Verkehrslärm auch Tag und Nacht vorhanden sind, zu teilweise erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität.“ Dabei ist es sicher weniger der direkte Schaden an den extrem empfindlichen Haarzellen des Innenohres als vielmehr allgemeine Stressreaktionen, die dem dauerhaftem Verlust von Stille geschuldet sind. Mechanische und direkte Schäden treten tatsächlich erst bei deutlich höheren Lärmpegeln (>120 dB) auf oder bei einer Dauerbeschallung von durchschnittlich 85 dB(A) über Jahre. Ein derartiger Durchschnittswert wird wohl auch bei Wohngebieten direkt neben der Autobahn wie in diesem Fall den Anwohnern von Zierenberg nur vereinzelt erreicht werden, auch weil die tatsächliche Lärmintensität mathematisch mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt.

Allerdings sind die Stressreaktionen für den Gesamtorganismus und vor allem die Psyche davon unabhängig und vor allem individuell sehr verschieden – sie machen die wirkliche und manchmal auch krankmachende Belastung aus. „Das Hauptproblem ist tatsächlich der Verlust von Stille und damit Lebensqualität.“ (Monika Wüllner)

Prof. Dr. Gerhard Hesse: Gründer der Tinnitus-Klinik

Zur Person

Prof. Dr. Gerhard Hesse (68) ist Gründer der Tinnitus-Klinik in Bad Arolsen, jetzt Schön-Klinik, und betreibt das Ohr- und Hörinstitut Hesse(n) am Krankenhaus in Bad Arolsen. Er ist verheiratet, lebt mit seiner Frau in Bad Arolsen, hat zwei Töchter und ist stolzer Großvater von drei Enkelkindern. Zu seinen Hobbys zählen neben der Beschäftigung mit den Enkelkindern Musik und Sport

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