"Todeskurve" verändert sich

Bischofsmützen sollen weitere schwere Unfälle in "Todeskurve" verhindern

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Auf der Bundesstraße 7 zwischen Obermeiser und Niederlistingen sind schon Bischofsmützen auf der Straße angebracht.

Burghasungen/Oelshausen - Fünf Menschen haben seit 2007 ihr Leben in der "Todeskurve" verloren. Bischofsmützen, also optische Fahrbahntrenner, sollen künftig Unfälle verhindern.

Feuerwehren, Ortsbeiräte, Notfallseelsorger und viele Bürger aus Burghasungen und Oelshausen wollen es nicht länger hinnehmen, dass vor ihrer Haustür auf der Bundesstraße 251 immer wieder Menschen sterben. Sie fordern kurzfristig eine neue Verkehrsplanung für die berüchtigte „Todeskurve“, in der es im Februar erneut einen Unfall mit Todesfolge gab.

Seit dem Jahr 2007 haben fünf Menschen im Bereich der Kurve ihr Leben verloren. Als zynisch empfinden alle, dass der Bereich an der Autobahnauffahrt der A 44 statistisch dennoch nicht als Unfallhäufungsstelle gilt. Die Todesfälle sind aus Sicht von Burghasungens Ortsvorsteher Fabian Kaiser, der auch selbst in der Feuerwehr ist, nur die Spitze des Eisbergs.

Unfälle belasten ehrenamtliche Helfer stark

In dem gesamten Bereich vom Gewerbegebiet Oelshausen bis hinter den Ab- und Auffahrten der Autobahn gebe es zahlreiche Unfälle. „Hinter diesen Unfällen mit Toten und Schwerverletzten stehen großes Leid und psychische Folgen für die Angehörigen“, sagt Notfallseelsorger Wolfgang Hanske.

Nicht zuletzt seien auch die Helfer stark belastet. Dieselben Feuerwehrleute, die vor drei Jahren die beiden Toten aus den Wracks geholt haben, waren im Februar dieses Jahres wieder dabei. „Das müssen wir auch erst mal verkraften“, so Kaiser. Alle betonen: Jeder Tote sei einer zu viel, Veränderungen dürften nicht auf die lange Bank geschoben werden.

Bischofsmützen für "Todeskurve"

Indes fand vor ein paar Tagen die anberaumte Verkehrsschau vom Landkreis Kassel als Verkehrsbehörde, Hessen Mobil und der Polizei statt. Dort sei die Notwendigkeit von verkehrsplanerischen Maßnahmen im Bereich der Kurve erkannt worden, so Landkreissprecher Harald Kühlborn.

Sobald es die Witterung zulässt, sollen auf 100 Metern Markierungen auf der Überholspur und sogenannte Bischofsmützen, also optische Fahrbahntrenner zum Gegenverkehr aufgestellt werden. Dies solle zeitnah geschehen, so Kühlborn.

Seit 2007 starben fünf Menschen in der Kurve. 2012 war es ein fünfjähriger Junge aus Kassel. Seine Mutter war aufgrund von Glätte in den Gegenverkehr geraten. Ein 29-jähriger Mann aus den Niederlanden starb 2011 auf dem Streckenabschnitt. 

wei Unfallbeteiligte, ein Bad Arolser und eine Frau aus Schauenburg, verunglückten 2016. Aktuell wurde ein 56 Jahre alter Mann aus Kassel am 25. Februar dieses Jahres bei einem Zusammenstoß getötet. Darüber hinaus gab es diverse Unfälle mit Verletzten.

Fahrfehler in der langgezogenen Kurve

Pfarrer Günther Schramm aus Ehlen war als Notfallseelsorger schon an der unfallträchtigen Kurve im Einsatz und beobachtet fast täglich das Verhalten der Verkehrsteilnehmer in diesem Bereich. „Von Wolfhagen an gibt es kaum Überholmöglichkeiten, dass erhöht den Druck“, sagt er.

Wenn dann endlich die Überholspur aufgehe, zögen manche zu schnell herüber und würden ein Stück der Gegenfahrbahn mitnehmen, obwohl die Breite für ein Fahrzeug nicht ausreiche. Die langgezogene Kurve verschärfe die Gefahr von Fahrfehlern der Verkehrsteilnehmer, die aus Richtung Autobahn kämen. 

„Die doppelte Linie als Fahrbahntrennung ist zu harmlos. Beinahezusammenstöße zählen in der Verkehrsstatistik nicht, kommen aber täglich vor“, meint Schramm. Aus Sicht von Burghasungs Ortsvorsteher Fabian Kaiser, selbst aktiver Feuerwehrmann, ist es nur eine Frage der Zeit, wann der nächste Unfall passiert. 

Auch der Bus mit den Kindergartenkindern fahre die Strecke täglich, merkt er an. Die Feuerwehr rücke ein bis zweimal im Jahr zu Einsätzen auf der B 251 aus.

Veränderungen für mehr Verkehrssicherheit

Straßenverkehrsbehörde, Hessen Mobil und die Polizei, die sich in der vergangenen Woche zur Verkehrsschau getroffen haben, wollen mit optischen und akustischen Veränderungen für mehr Verkehrssicherheit sorgen. Der Auftrag für die Veränderungen im Bereich der Kurve ist laut Landkreissprecher Harald Kühlborn schon in Auftrag gegeben worden.

Auf einer Strecke von rund 100 Metern soll die Überholspur Richtung Autobahn schraffiert werden, um ein zu frühzeitiges Befahren der Spur zu verhindern.

In der schraffierten Fläche würden zusätzlich akustische Signale eingebaut. Die Gegenfahrspur werde optisch mit den sogenannten Bischofsmützen abgegrenzt, die den Verkehr in der eigenen Spur halten sollen. Die Maßnahmen werde eine beauftragte Firma laut Kühlborn so schnell wie möglich umsetzen. Allerdings müsse eine Nachttemperatur von mindestens fünf Grad erreicht sein, da die Bischofsmützen auf der Fahrbahn aufgeklebt werden.

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