Bürgerinitiative will mit anderen Anrainern zusammenarbeiten

Burghasunger Bürger machen mobil gegen Lärm von der A44

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Blick auf die Autobahn: Dr. Nico Storch, Erwin Degenhardt, Ute Friedmann, Timo Storch, Karl-Heinz Hauffe und Michael Friedmann beobachten vom Hasunger Berg die Autobahn 44.

Die Burghasunger halten den Lärm der nahen Autobahn 44 nicht mehr aus. Mehr als 50.000 Pkw und 12.000 Lkw donnern im Schnitt innerhalb von 24 Stunden unterhalb des Berges vorbei.

Die Zahlen stammen von einer Verkehrszählung des Bundes aus 2015. Gefühlt ist es inzwischen noch mehr, meint eine Gruppe von Burghasunger Bürgern, die jetzt gegen diese erhebliche Belastung mobil machen. „Wir wollen im Januar eine Bürgerinitiative gründen und uns mit den Schauenburgern zusammentun“, erklärt Michael Friedmann. Er gehört zu denen, die mittlerweile aufgrund des nächtlichen Lärms unter Schlafstörungen leiden. „Diejenigen, die am nächsten an der Autobahn wohnen, können sich nicht mehr unterhalten, wenn sie auf der Terrasse sitzen“, sagt Karl-Heinz Hauffe vom Ortsbeirat Burghasungen, der sich ebenfalls aktiv für Lärmschutz einsetzt.

Die künftige Bürgerinitiative (BI) will zum einen um kurzfristige Erleichterungen wie Flüsterasphalt kämpfen, fordert aber vor allem Lärmschutzprojekte, wenn der sechsspurige Ausbau der A 44 ansteht. Dieser ist laut Horst Sinemus von Hessen Mobil im Bundesverkehrswegeplan 2030 enthalten. Dabei würden auf Grundlage der Immissionsgrenzwerte auch Lärmschutzprojekte realisiert. Mit möglichen Minimallösungen wollen sich die Burghasunger aber nicht zufriedengeben. „Eine Lärmschutzwand zum Beispiel hilft uns nicht, da wir auf dem Berg wohnen“, so Friedmann, der mit seinen Mitstreitern ein aussagekräftiges Lärmschutzgutachten im Vorfeld fordert. „Da nützt uns kein Kirchturmdenken, wir wollen mit Schauenburg und anderen interessierten Anrainer-Kommunen zusammenarbeiten“, so Friedmann. Zierenbergs Bürgermeister Stefan Denn signalisiert, dass er sich für eine Kostenbeteiligung der Stadt einsetzen würde, wenn Hessen Mobil ein Gutachten in Auftrag gibt. 

 „In den ersten Jahren sind wir mit dem Kinderwagen an der Autobahn 44 spazieren gegangen. Manche haben sie auch überquert“, erinnert sich Karl-Heinz Hauffe vom Burghasunger Ortsbeirat an die Zeit nach dem Bau der Autobahn Anfang der 70-er Jahre. Ursprünglich habe die A44 lediglich die schnelle Anbindung an das Ruhrgebiet sicherstellen sollen und sei nicht als echte Süd-West-Verbindung gedacht gewesen, erklärt Zierenbergs Bürgermeister Stefan Denn.

Seit der Grenzöffnung verdreifachte sich der Verkehr im Bereich von Zierenberg. Nutzten noch 1980 rund 20.000 Fahrzeuge innerhalb von 24 Stunden die A44, so waren es 1990 schon 40.000 Fahrzeuge. 2015 wurden an der Messstelle bei Zierenberg rund 63.000 Pkw und Lkw gezählt.

Dass die Burghasunger erheblich belastet sind, hat jetzt auch eine aktuelle Berechnung von Hessen Mobil im Auftrag des Hessischen Wirtschaftsministeriums ergeben. „Wir haben ermittelt, dass die gültigen Richtwerte nachts an einzelnen Standorten überschritten werden“, berichtet Horst Sinemus, Pressesprecher von Hessen Mobil. „Aufgrund der unterschiedlichen Entfernungen der Gebäude zur Autobahn ergeben sich für die jeweiligen Standorte Überschreitungen der Nachtwerte in unterschiedlicher Höhe“.

Wegen dieser Berechnung wurde vor Kurzem auf der Autobahn 44 eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 22 bis 6 Uhr umgesetzt. Für Pkw gilt nun im Bereich von Zierenberg Tempo 100, für Lkw Tempo 60. Dies bringe laut Hessen Mobil eine deutliche Verbesserung der Lärmsituation. Diese Regelung solle bis zum Zeitpunkt des sechspurigen Ausbaus beibehalten werden, teilt der Sprecher von Hessen Mobil auf Anfrage der HNA mit.

Eine Entlastung erkennen Michael Friedmann und seine Mitstreiter, die am 18. Januar die Bürgerinitiative gründen wollen, nicht. Der Lärm werde kaum reduziert. Und leider gibt es seit dem Tempolimit noch ein anderes Problem: „Die Lkw-Fahrer sind sauer über die Geschwindigkeitsbegrenzung und hupen nachts aus Protest.“ Dies bestätigen auch Mitglieder des Ortsbeirates.

Gründung der neuen Bürgerinitiative ist am 18. Januar ab 19 Uhr im Burghasunger Dorfgemeinschaftshaus.

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