Arbeitsgemeinschaft Erinnerungskultur gibt Broschüre zum Leben der Zierenberger Juden heraus

Ein Rundgang gegen das Vergessen

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Zur Erinnerung: die Stolpersteine vor dem ehemaligen Haus der Schartenbergs in der Poststraße.

Zierenberg. Erinnern und Gedenken, das will die Arbeitsgemeinschaft Erinnerungskultur mit ihrer gerade erschienenen Broschüre „Jüdisches Leben in Zierenberg bis 1938“

Von Sascha Hoffmann

Zierenberg. Erinnern und Gedenken, das will die Arbeitsgemeinschaft Erinnerungskultur mit ihrer gerade erschienenen Broschüre „Jüdisches Leben in Zierenberg bis 1938“. Gegliedert in Form einer Stadtführung, reisen Leser zu den einstigen Wohnhäusern ehemals jüdischer Mitbürger, die in der Zeit des Nationalsozialismus durch Flucht, Deportation und Ermordung aus dem Leben des Warmestädtchens verschwanden. Am Marktplatz 9 begegnen sie der Familie Lamm, die wie ihr Textil- und Schuhwarengeschäft in der Gesellschaft beliebt und geschätzt war. Johanna und Siegmund Lamm lebten bis Mai 1938 in Zierenberg, zogen nach Kassel und starben 1943 in Theresienstadt.

Schüler recherchierten

Die Recherchen der AG führen weiter in die Poststraße 34 zu den Schartenbergs, Zierenbergs wohl älteste und größte jüdische Familie, deren Vorfahren sich bis ins Jahr 1320 zurückverfolgen lassen. Auf vier Seiten lernt man die Betreiber eines Stoffgeschäftes mit Manufaktur kennen, aufgearbeitet von Schülern der Klasse G9a der Elisabeth-Selbert-Schule, die gerade ihre Arbeit auch den Nachfahren der Familie vorstellen konnten, die anlässlich der Gedenkfeier zum Novemberpogrom aus ihrer heutigen Heimat England und Israel nach Zierenberg gekommen waren.

Der Familie Kaiser, vormals Mandelbaum, wird in der heutigen Burgstraße 32 gedacht, in der Burgstraße 16 der Familie Waldeck, bevor es in die Kasseler Straße 9 zu den Rothschilds und ein paar Häuser weiter zu den Möllerichs geht.

Jüdische Familienbetriebe

Fleischermeister Levi Heß führte in der Lange Straße 15 einen jüdischen Familienbetrieb mit Tradition - „streng Koscher!“, wie ein in der Broschüre gezeigtes altes Werbeschild verrät. Über die alte Synagoge in der Lange Straße 14 geht es zu Familie Holzapfel, die in der Mittelstraße 15 ein Schuhgeschäft und eine Polsterwerkstatt betrieb. Wenige Meter entfernt, in der heutigen Mittelstraße 25, lebte und arbeitete Familie Katz, in der heutigen Mittelstraße 29 Familie Meyer, die als wohlhabendste Viehhändler der Stadt galten. Ebenfalls Viehhändler war Jakob Kaufmann, der mit seiner Frau Selma in der Lange Straße 114 (heute 36) lebte. Bruder Hermann Kaufmann hatte mit seiner Frau Paula sein Zuhause zunächst in der Poststraße, später in der Oberelsunger Straße 2.

Über die Mittelstraße 51, dem Haus der Familie Rothschild, führt der historische Streifzug zum abschließenden Besuch der ehemaligen Synagoge in der Mittelstraße 41, an die heute nur noch eine Gedenktafel erinnert.

Ihre Inschrift passt zu dem, was auch den Mitgliedern der AG Erinnerungskultur mit ihrer neuen Broschüre am Herzen liegt: „Wir lernen nur, wenn wir nicht vergessen.“

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