Angeklagter wurde damals freigesprochen

Bluttat wird neu verhandelt: Freund von Exfrau in Zierenberg attackiert

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Fluchtweg: Nach der Messerattacke im Jahr 2013 soll der Täter durch die Gerichtsgasse und weiter über den Marktplatz geflüchtet sein.

Vor sechs Jahren sorgte eine Bluttat in Zierenberg für Aufsehen: Ein 22-Jähriger war im Oktober 2013 mit zwei Messerstichen lebensbedrohlich verletzt worden. Er überlebte knapp.

Als mutmaßlicher Täter wurde noch in derselben Nacht der damals 50-jährige Ehemann der Partnerin des Verletzten an der Leipziger Straße in Kassel festgenommen.

Bei einem Verfahren vor dem Amtsgericht im April 2014 indes wurde der Mann vom Vorwurf der gefährlichen Körperverletzung freigesprochen. Das Gericht sah den Messerangriff auf den Nebenbuhler nicht als erwiesen an, zumal sich der Geschädigte bei seinen Aussagen in zahlreiche Widersprüche verstrickt hatte.

Nach Bluttat: Angeklagter war im Ausland

Gegen dieses Urteil hatte die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt und auch die zahlreichen Vorverurteilungen des Angeklagten wegen Straftaten gegen ehemalige Partnerinnen ins Feld geführt. Die Anklage hatte in dem Verfahren sogar angeregt, den Mann psychiatrisch daraufhin begutachten zu lassen, ob von ihm eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht.

Dazu kam es aber nicht, weil das Gericht weitgehend der Verteidigung folgte. Es sei nicht auszuschließen, dass dem 22-Jährigen die Stichverletzungen bei einem Gerangel unabsichtlich zugefügt worden seien.

Jahrelang war der heute 56-jährige Angeklagte für eine Berufungsverhandlung nicht auffindbar gewesen, weil er sich im Ausland aufgehalten hatte. Jetzt ist er zurück, lebt in einer Stadt im nördlichen Landkreis Kassel und muss sich nun vor dem Landgericht erneut für das Geschehen vor sechs Jahren verantworten. Die Anklage lautet auf dem Verdacht der gefährlichen Körperverletzung.

Bluttat: Streit wegen Sorgerecht

Auf Rat von Verteidiger Bernd Pfläging wollte sich der schlanke, stets freundlich lächelnde Mann auf der Anklagebank nicht äußern. Pfläging verwies auf die Aussagen seines Mandanten im ersten Verfahren, die von Richter Reichhardt verlesen wurden. Danach sei es der Geschädigte gewesen, der mit einem Klappmesser auf den Ehemann der damals 30-jährigen Frau zugekommen sei.

Der Geschädigte ist heute nicht mehr mit der Frau zusammen. Vor dem Streit hatte der Angeklagte mit seiner Noch-Ehefrau und ihrem neuen Partner sogar gemeinsam auf dem Sofa genächtigt. Der Zeuge schilderte, wie es damals zwischen der Frau und dem Angeklagten wegen des Sorgerechts um den gemeinsamen Sohn zu einem Streit gekommen sei. 

Im Zuge dieser Auseinandersetzung sei er von dem Angeklagten mit dem Messer verletzt worden. Er habe den Anderen dann die Treppe hinuntergestoßen. Mit einem Besenstiel in der Hand hatte er den Älteren noch verfolgt, bevor er blutüberströmt aufgeben musste.

Am Donnerstag, 12. Dezember, sollen neun Zeugen gehört werden.

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