„Fühlen uns im Stich gelassen“

Vorwürfe zur Bebauung im Heilerbachtal des BUND stößt auf Unverständnis

Bewohner des Heilerbachtals bei Zierenberg: (von links) Sylvia Bayer, Peter Beyer, Reinhard Hedderich und Werner Kriwanek mit Hündin Amy.
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Fühlen sich vorgeführt: Die Kritik vom BUND zu Emissionen und Imissionen im Heilerbachtal bei Zierenberg ärgert die dortigen Bewohner (von links) Sylvia Bayer, Peter Beyer, Reinhard Hedderich und Werner Kriwanek mit Hündin Amy.

Sie wollen im Grunde nur eins: Dass alles bleibt, wie es ist. Einige Anwohner des Heilerbachtals in Zierenberg fühlen sich zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Zierenberg – Der BUND hatte Behörden aufgefordert, das im Bebauungsplan aus dem Jahr 1962 deklarierte Wochenendwohngebiet auch wieder zu einem solchen zu machen und quasi einen Rückbau verschiedener Verstöße gefordert. „Wir, die sich an die Bestimmungen gehalten haben, sind sehr betroffen“, sagt Peter Bayer, der im Heilerbachtal ein Wochenendhäuschen besitzt und in Kassel wohnt.

„Jetzt die Anwohner dieses Gebietes dafür verantwortlich zu machen, dass naturschutzwidrige Zustände vorlägen, verstärkter Autoverkehr und nicht zuletzt Lärm- und nächtliche Lichtimissionen herrschten, ist eine Farce und der BUND tue gut daran, Augenmaß, Objektivität und Verhältnismäßigkeit zu üben“, erklärt Bayer. Man dürfe nicht das eine betrachten und dabei das andere aus dem Auge lassen.

Vorgeführt vom BUND

Damit spricht Bayer den neben dem Heilerbachtal angesiedelten Reiterhof und die damit starke Frequentierung des Geländes an. Zur Erklärung: Reiterhof und Café Friedrichsstein liegen in einem Bau-Mischgebiet, das direkt angrenzende Heilerbachtal ist ein Wochenendhausgebiet und unterliegt anderen Bestimmungen.

Werner Kriwanek, ein weiterer Bewohner des Heilerbachtals, fühlt sich regelrecht vorgeführt vom BUND. Es habe nach der Veröffentlichung der Vorwürfe des BUND „bitterböse Reaktionen“ auch in den sozialen Netzwerken gegeben. Auch seien Grundstücke unberechtigt betreten worden. Der Bebauungsplan aus den 60er Jahren sei natürlich so nicht mehr haltbar. Da müsse eine Anpassung stattfinden.

Warum nicht früher eingeschaltet?

„Aber ohne dass eine neue Infrastruktur aufgebaut werden muss“, sind sich die Anwohner einig. Zum Beispiel die Zufahrt zum Heilerbachtal – bisher ein einfacher Wirtschaftsweg – habe den Anwohnern völlig ausgereicht. Wenn der in eine Gemeindestraße umgewandelt würde, kämen auf alle hohe Kosten zu.

Überhaupt fragen sich die Anwohner, warum der BUND sich nicht viel früher eingeschaltet habe. „Dem BUND dürfte nicht entgangen sein, dass der bis zum Jahr 2020 amtierende Bürgermeister Stefan Denn für das Baugebiet im Heilerbachtal Investoren suchte, um ein Sporthotel zu errichten“, sagte Bayer.

Für den BUND sei es offensichtlich auch nicht umweltrelevant gewesen, als im Jahr 2016 zur Schaffung einer Reitsportarena direkt gegenüber des Wochenendgebietes die Landschaft einer völligen Formations- und Ansichtsveränderung unterzogen worden sei. Antworten auf seine Fragen habe Bayer vom BUND nie erhalten. (Monika Wüllner)

Das sagt Rüdiger Germeroth, Bürgermeister

Rüdiger Germeroth

Erst Informationen einholen

„Der Reiterhof ist ein landwirtschaftlicher Betrieb, dem die Privilegierung erteilt wurde“, sagte Zierenbergs Bürgermeister Rüdiger Germeroth (SPD). In der kommenden Stadtverordnetensitzung am Montag, 12. Juli, will Germeroth zum Stand der Dinge im Heilerbachtal berichten. „Wir müssen es in den Gremien auch diskutieren. Aber dazu brauchen wir erst fundierte Informationen zu allen Einzelheiten“, sagt Germeroth, der im Kontakt mit der Bauaufsichtsbehörde des Kreises steht. 

Das sagt Stefan Bitsch, BUND

Stefan Bitsch

Geltendes Recht umsetzen

Stefan Bitsch vom BUND Kassel erklärte, dass der BUND seit einem Jahr ein Auge auf das Heilerbachtal geworfen habe. „Wir hätten auch gern die Reit-Arena verhindert, sind aber gescheitert, weil es ein landwirtschaftlicher Betrieb ist“, sagt Bitsch. Der Antrag auf Nichtigkeit der Baugenehmigungen im Heilerbachtal sei von der Bauaufsichtsbehörde zurückgewiesen worden. Der BUND überprüfe nun das weitere Vorgehen. Es gehe im Prinzip darum, geltendes Recht umzusetzen.

Das sagt Harald Kühlborn, Kreissprecher

Harald Kühlborn

Verpflichtung zum Rückbau möglich

Der Landkreis Kassel, zu dem die Bauaufsichtsbehörde gehört, erklärt, dass mit der Stadt Zierenberg die Möglichkeiten erörert wurden. Entweder die Stadt ändere den Bebauungsplan – was aber zum Nachteil der Anwohner sei. Komme es aber nicht zu einer planerischen Lösung, werde mit den Bauherren jedes einzelne Projekt besprochen, das nicht einer Baugenehmigung entspreche. „Und dann könnte es auch Rückbauverpflichtungen geben“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn. 

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