Georg-Büchner-Preisträgerin Sibylle Lewitscharoff las in Zierenberg

Hochkarätige Literatur: Die vielfach preisgekrönte Gegenwartsautorin Sibylle Lewitscharoff las in Zierenberg aus ihrem Roman „Apostoloff“ vor. Foto: zih

Zierenberg. Ihren literarischen Vorschusslorbeeren wurde die mehrfach preisgekrönte deutsche Gegenwartsautorin Sibylle Lewitscharoff gerecht. Bei ihrer Lesung im historischen Ambiente des Zierenberger Rathauses erfüllte sie die Erwartungen der 50 Besucher.

Mit der 61-jährigen deutschen Gegenwartsautorin, die 2013 mit dem von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung vergebenen Georg-Büchner-Preis, dem höchsten Literaturpreis im deutschen Sprachraum, ausgezeichnet wurde, hatte das Kulturforum in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule des Landkreises Kassel auch einen absoluten „literarischen Hochkaräter“ verpflichten können.

Sibylle Lewitscharoff, die 1954 in Stuttgart das Licht der Welt erblickte - ihr Vater ein bulgarischer Arzt, ihre Mutter eine Deutsche - konnte ihre Herkunft nicht verleugnen, obwohl sie schon seit 40 Jahren in Berlin lebt. Ihre schwäbischen Sprachwurzeln hört man bis heute.

Die Autorin las aus ihrem 2009 erschienenen, autobiografisch geprägten satirischen Roman „Apostoloff“ vor. Der entpuppte sich als ein grotesker Reisebericht und Darstellung der eigenen Familiengeschichte.

Zwei vom Charakter her völlig unterschiedliche schwäbische Schwestern lassen sich von Rumen Apostoloff, einem leidenschaftlichen Bulgaren aus der Landeshauptstadt Sofia, in einem alten Auto durch das Heimatland ihres Vaters fahren. Dessen sterbliche Überreste wurden nach seinem Suizid in Deutschland nach Bulgarien überführt.

Während die ältere Schwester, hinter der sich vermutlich die Autorin verbirgt, sich auf das Sightseeingtour-Reisevergnügen einlässt, rechnet die jüngere Schwester als Ich-Erzählerin offen, schonungslos und giftig nicht nur mit ihrem Vater ab. Sie kritisiert auch permanent die gesamten Zustände und Verhältnisse in Bulgarien. Die für sie in ihrer Gesamtheit schäbig und hässlich sind und mit einem eisernen Besen komplett in den Mülleimer der Geschichte entsorgt werden müssten.

Für das Publikum ging die mit viel Witz und Humor, aber auch mit Nachdenklichkeit gewürzte Vorlesestunde der sehr erfolgreichen Schriftstellerin viel zu schnell vorüber.

Kultursommer: Die Band „Red Priest“ aus Großbritannien spielt am Freitag, 17. Juli, ab 20 Uhr in der Stadtkirche Zierenberg. Tickets: www.kultursommer-nordhessen.de

Von Reinhard Michl

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