Im Glauben verankert: Hermine Hammerlindl feiert 100. Geburtstag 

Ein gesegnetes Alter: Die früher in Altenhasungen lebende Hermine Hammerlindl kann heute in der Burghasunger Bergparkresidenz ihren 100. Geburtstag feiern. Foto: zih

Burghasungen. Auf die Frage, ob es für sie ein Rezept gibt, in geistiger Frische ein so hohes Alter erreicht zu haben, hat Hermine Hammerlindl zwei Antworten parat.

Die gläubige Katholikin sagt: „Einmal habe ich mein Leben lang immer hart gearbeitet, das hat mich fit gehalten. Zum anderen hatte ich immer meinen starken Glauben. Der Herrgott hat stets seine schützende Hand über mich und meine Familie gehalten.“

Heute lebt Hermine Hammerlindl in der Bergparkresidenz in Burghasungen. Eine Enkeltochter ist dort als Mitarbeiterin immer in ihrer Nähe. Im Kreis ihrer Lieben, den Familien ihrer zwei Kinder mit vier Enkeln und sieben Urenkeln, feiert sie ihren Geburtstag.  

Als Hermine Hammerlindl, geborene Wagner, erblickte im südböhmischen Dorf Kirchschlag in der Nähe der Weltkulturstadt Krumau das Licht der Welt. Sie war eines von sieben Kindern. Als später die Familie in das benachbarte Neusiedl umsiedelte, tobte bereits der Erste Weltkrieg. Die Jubilarin: „Trotzdem habe ich dort eine wunderschöne Kinder- und Jugendzeit erlebt, wobei das schönste für uns war, dass unser Vater wieder gesund aus dem Krieg kam.“

Nach dem Schulbesuch arbeitete Hermine Hammerlindl bei Landwirten im Haushalt und auf den Feldern. Am Abend trafen sich die Jugendlichen an der Dorflinde, dort lernte sie ihre große Liebe Ludwig Hammerlindl kennen, der in einer Papierfabrik arbeitete. Im Jahr 1938 heirateten die beiden. Ludwig hatte Glück, er musste nicht als Soldat an die Front. In einer Fabrik in Linz produzierte er Rüstungsmaterial. Trotzdem kam er nach dem Kriegsende für mehrere Wochen in ein Gefangenenlager.

Hermine Hammerlindl: „Das erste schlimme Jahr in meinem Leben war 1946.“ Denn da musste sie im Zuge der Vertreibung aller Deutschen mit ihren Angehörigen ihre Heimat verlassen. Mit vielen weiteren Vertriebenen endete die Odyssee in Wolfhagen, schon kurz danach bekamen die Familie Hammerlindl in Altenhasungen eine Wohnung zugewiesen.

Während ihr Mann inKassel bei Wegmann eine Beschäftigung fand, arbeitete Hermine Hammerlindl neben der Erziehung der Kinder auch hier in der Landwirtschaft und bei einem Zahnarzt. Jeder Pfennig wurde gespart zur Erfüllung ihres Traums: der Bau eines eigenen Hauses. „Die Freude darüber trübte jedoch ein Schicksalsschlag. Denn mein Mann starb, er wurde nur 61 Jahre alt“, sagt die 100-Jährige. Bis vor zwei Jahren bewirtschaftete sie das Haus und den großen Garten noch selbst. Dann stürzte sie, zog sich einen Oberschenkelhalsbruch zu, was ihre Selbstständigkeit stark einschränkte. So entschloss sie sich, umzuziehen in die Burghasunger Bergparkresidenz. (zeh)

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