Bericht über klagenden Bäcker hat Bäckerfamilie Schäfer aus Zierenberg auf die Palme gebracht

Guter Lohn, gute Leute

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In der Backstube am Vormittag: Andreas Schäfer (von rechts), Roland Schäfer, Geselle Pascal Keller und Azubi Lukas Schmand haben den Großteil der Arbeiten erledigt. Jetzt geht es vor dem Feierabend ans Aufräumen.

Zierenberg. Der Bericht über den Gesellen aus einem Bäckereibetrieb im Landkreis Kassel, der in der HNA auspackte und über jede Menge unbezahlte Überstunden und einen mickrigen Lohn klagte, hat die alteingesessene Bäckerfamilie Schäfer aus Zierenberg auf die Palme gebracht.

Andreas Schäfer, der den Betrieb in der Zierenberger Altstadt führt, sieht mit den Vorwürfen des namentlich nicht genannten Bäckers das Handwerk pauschal in Verruf gebracht.

Und auch sein Vater Roland Schäfer wundert sich über die Darstellung des Gesellen: „Klar, ich kann nicht ausschließen, dass es auch in unserer Branche schwarze Schafe gibt. Ich kenne aber niemanden. Was ich aber nicht verstehe: Wieso bleibt der Mann in diesem Betrieb? Der kann doch überall anfangen.“

Bäckergesellen, betont auch der 28-jährige Andreas Schäfer, würden händeringend gesucht. „Wir haben uns drei Monate intensiv bemüht, bis wir endlich einen Gesellen gefunden haben.“ Vergangene Woche hat der neue Mitarbeiter in der Backstube der Zierenberger Stadtbäckerei angefangen. Zuvor sagt Schäfer junior, habe man immer wieder Anzeigen geschaltet. In denen habe man auch deutlich darauf hingewiesen, dass man übertariflich zahle.

Wer durchschnittlich oder gar schlecht zahle und dazu noch miese Arbeitsbedingungen biete, könne sich das Suchen auf dem nahezu leergefegten Arbeitsmarkt sowieso schenken. Dass die Mitarbeiter anständig bezahlt werden und zufrieden sind, sei also auch ganz im Interesse des Betriebes.

Laut Roland Schäfer liege der Tariflohn für einen Gesellen mit zwei bis drei Berufsjahren bei rund 11,50 Euro, dazu gebe es steuerfreie Nachtzuschläge. Überstunden seien zu bezahlen oder in Freizeit auszugleichen. Die Überstunden seien seit dem 1. Januar 2016 zudem vom Betrieb penibel aufzuzeichnen, damit belegbar ist, dass der Mindestlohn nicht unterschritten wird.

Die Schäfers haben dazu eigens eine Stempeluhr für die Mitarbeiter installiert. „Da wird jede Arbeitsstunde dokumentiert“, sagt Vater Roland, „Das muss man aufheben und später vorlegen. Da kann man doch gar nicht schummeln.“ Schäfer weiter: „Unser Geselle kommt auf knapp 2000 Euro netto, der Stundenlohn liegt bei gut 13,50 Euro.“ Auch beim Azubi mache man keine Ausnahmen, der bekomme den Nachtzuschlag ebenso bezahlt wie die Überstunden.

Mehrarbeit gebe es immer wieder mal. Besonders vor Weihnachten, sagt Andreas Schäfer, können es statt der vertraglich vereinbarten 168 Stunden pro Monat auch schnell 180 Stunden werden. Aber: „Die werden dann auch bezahlt“ oder alternativ als Freizeit ausgeglichen.

Der Beruf des Bäckers, da sind sich die Schäfers einig, sei attraktiv, auch wenn man sich am Anfang an die speziellen Zeiten gewöhnen müsse. Aber ab 10 Uhr den ganzen Tag zur Verfügung zu haben, sei doch fantastisch. Roland Schäfer preist zudem die „familiäre Atmosphäre in den kleinen und mittleren Betrieben“.

Wer in der Branche dennoch berechtigten Grund zum Klagen habe, „wer schlecht behandelt wird und trotzdem bleibt, sagt Bäckermeister Schäfer, „ist selbst schuld“.

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