Leiterin der Selbsthilfegruppe

Heidi Halberstadt aus Zierenberg hilft anderen bei Fibromyalgie

Um auch in Pandemiezeiten mit Menschen in den Austausch gehen zu können, kocht Heidi Halberstadt gern auch mal Kaffee und packt ihre Lammfelle ein, um kurzerhand Treffen ihrer Selbstheilungsgruppe ins Freie zu verlegen.
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Um auch in Pandemiezeiten mit Menschen in den Austausch gehen zu können, kocht Heidi Halberstadt gern auch mal Kaffee und packt ihre Lammfelle ein, um kurzerhand Treffen ihrer Selbstheilungsgruppe ins Freie zu verlegen.

Sie kümmern sich uneigennützig um ihre Mitmenschen. Heidi Halberstadt leitet ehrenamtlich eine Fibromyalgie-Selbsthilfegruppe.

Dörnberg – Für Heidi Halberstadt ist es ein Geschenk, anderen helfen zu können. Ehrenamtlich unterstützt sie seit vielen Jahren Menschen, die wie sie chronisch krank sind. Die Dörnbergerin hat seit 2004 diagnostizierte Fibromyalgie, oder „Fibro“, wie sie das „ganz große Chamäleon“ mit seinen vielfältigen, den Alltag belastenden Symptomen nennt. „Im Allgemeinen sagt man, die Knochen täten weh, tatsächlich ist der Schmerz nicht in den Knochen, sondern er ist da, wo die Muskeln am Knochen angewachsen sind.“ Doch das sei längst nicht alles, es gebe das ganze Programm von Faszienschmerzen über Unverträglichkeiten bis hin zu Depressionen.

Halberstadt ist mit den Jahren so etwas wie eine Fibro-Expertin geworden, hat sich jede Menge Wissen angelesen und ihren ganz eigenen Weg gefunden, mit der Krankheit klarzukommen. „Es geht darum, mit der Fibromyalgie ein gutes Leben führen zu können“, sagt sie und hat es sich zur Aufgabe gemacht, andere Menschen genau dabei zu unterstützen. Seit vielen Jahren leitet sie die nordhessische Selbsthilfegruppe der Deutschen Fibromyalgie Vereinigung und hat mit der Zeit gelernt, Menschen dort abzuholen, wo sie mit ihrer Krankheit stehen. Dabei gehe es um viel mehr als nur den Austausch von Sorgen und Problemen. „Wir waren nie eine Jammergruppe, niemals.“ Die Akzeptanz sei ein wichtiger Bestandteil ihrer Arbeit, allerdings wolle sie dabei keinesfalls akzeptieren, nie wieder gesund werden zu können. „Hoffnung sollten wir immer in uns tragen“, sagt sie und berichtet vom so wichtigen Austausch innerhalb der Gruppe. „Hier trifft man Gleichgesinnte, die vermitteln können, dass ein Leben mit Fibro funktioniert, dass es sogar gut funktioniert, wenn man es zulässt.“

Coronabedingt seien Gruppentreffen derzeit nicht möglich, der Austausch aber gehe weiter. „Ich bin für die Menschen da, ob per Telefon oder WhatsApp, und ich bin auch gerne bereit, rauszugehen.“ Dann kocht die 69-Jährige schon mal eine Kanne Kaffee, packt ihre Lammfelle ein und setzt sich für Gespräche irgendwo in die von ihr so geliebte Natur, um an der frischen Luft in den Austausch zu gehen, auch mit der vor rund drei Jahren aus der eigentlichen Selbsthilfegruppe heraus entstandenen Selbstheilungsgruppe. „Das ist etwas ganz Wunderbares“, schwärmt sie von der gemeinsamen Arbeit mit dem von ihr selbstentwickelten Programm aus zwölf Mosaikteilen, die gar nicht direkt mit Fibromyalgie zu tun hätten.

„Es geht um die Frage, was man körperlich und seelisch braucht, um ein besseres Leben zu führen“, erklärt sie und lächelt zufrieden, wenn sie von den regelmäßigen Treffen mit den Gruppenmitgliedern aus Kassel und dem gesamten Landkreis berichtet. „Achtsamkeit, gesunde Ernährung, Atemtechnik, Bewegung - was wir in unserer eingeschworenen Truppe tun, tut uns gut.“ Die Fibromyalgie sei dadurch zwar keiner losgeworden, aber jeder für sich ein Stück heiler geworden, sagt die engagierte Dörnbergerin überglücklich und empfindet genau das als großes Geschenk. (Sascha Hoffmann)

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