Virtueller Arztbesuch boomt

Immer mehr Arztpraxen bieten Videosprechstunde an - Auch in Zierenberg

Start für Videoangebot in Zierenberger Gemeinschaftspraxis: Als Test-Patienten für das Foto hat Arzt Dirk Wetzel seine Kinder in das virtuelle Sprechzimmer eingeladen.
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Start für Videoangebot in Zierenberger Gemeinschaftspraxis: Als Test-Patienten für das Foto hat Arzt Dirk Wetzel seine Kinder in das virtuelle Sprechzimmer eingeladen.

Durch die Corona-Pandemie mussten sich viele Arztpraxen etwas einfallen lassen. Eine Lösung ist die Videosprechstunde. Deren Einsätze boomen jetzt.

Zierenberg – Die Coronakrise treibt die Digitalisierung in den Arztpraxen und Kliniken explosionsartig voran. Immer mehr Praxen bieten eine Videosprechstunde an. 

Ende März gab es nach Auskunft von Alexander Kowalski, Pressesprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), rund 1300 hessische Praxen, die ihren Patienten das Angebot einer virtuellen Sprechstunde machten. „Dreiviertel davon haben mit der Videosprechstunde im März 2020 begonnen.“ Zahlen für den April liegen noch nicht vor, dürften aber weiter stark gestiegen sein.

Auch Dirk Wetzel und seine Kollegen, Ärzte einer Gemeinschaftspraxis in Zierenberg, haben die virtuelle Sprechstunde jetzt als Zusatzangebot eingeführt. „Wir hatten das schon länger vor, durch die Corona-Pandemie ist es jetzt eine sinnvolle Ergänzung, um für uns und die Patienten die Infektionsgefahr zu senken.“ 

Eingesetzt werden soll die Telemedizin in Zierenberg auch über die Pandemie hinaus, bei einfach zu diagnostizierenden Erkrankungen oder Verlaufskontrollen, von zum Beispiel chronisch Kranken, die engmaschig überwacht werden müssen. 

Beschränkung von Online-Beratungen von Patienten vorerst aufgehoben

Auch im Bereich der Altenheime sieht Wetzel Potenzial: „Wir können künftig per Videosprechstunde mit Pflegern virtuelle Fallkonferenzen zu den Bewohnern abhalten.“

Vor der Corona-Pandemie sei es Ärzten nur erlaubt gewesen, 20 Prozent ihrer Patienten online zu beraten. Das ist jetzt anders: „Aufgrund der weiteren Ausbreitung des Coronavirus wurde die Mengenbegrenzung bei der Videosprechstunde aufgehoben. Es besteht für Ärzte und Psychotherapeuten vorübergehend (zunächst für das zweite Quartal 2020) keine Begrenzung mehr“, so KV-Pressesprecher Kowalski. 

Bisher waren auch neue Patienten von der Sprechstunde ausgeschlossen. „Nun legt der unbekannte Patient seine elektronische Gesundheitskarte per Video vor und bestätigt mündlich, dass der Versicherungsschutz besteht.“ Der Arzt prüfe die Identität des Patienten und erfasse die Daten.

Auch in Krankenhäusern gibt es zunehmend entsprechende Angebote. An der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde des Klinikums in Kassel wurde jetzt eine Videosprechstunde aufgebaut, damit Patienten mit Beschwerden im Hals-Nasen-Ohrenbereich, die zu den Covid-19-Risikogruppen gehören oder die Klinik aus anderen Gründen nicht persönlich aufzusuchen können, versorgt werden können. 

Auch in anderen Praxen in Nordhessen werden Online-Sprechstunden abgehalten, wie etwa in Frankenberg.

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