Tier wie Müll entsorgt

Frau rettet Katzenbaby - und bleibt jetzt auf den Kosten sitzen

Stella Marien mit dem kleinen Babykätzchen, das durch ihre Fürsorge überlebt hat
+
Stella Marien mit dem kleinen Babykätzchen, das durch ihre Fürsorge überlebt hat

Eine Frau rettet eine Baby-Katze von einem Parkplatz. Doch wer übernimmt jetzt die Kosten?

Zierenberg – Stella Marien aus Burghasungen hat eine Babykatze in einem Karton an einem Wanderparkplatz entdeckt. Die tierliebe Frau sah, dass das wenige Wochen alte Kätzchen kaum eine Überlebenschance hat, wenn sie es einfach zurücklässt. Allerdings gestaltete sich die Versorgung durch einen Tierarzt an einem Samstag schwierig. Letztlich ging alles gut. Die Tierarzt-Rechnung: 199 Euro. Davon soll sie nun einen Anteil selbst tragen.

Die Stadt Zierenberg im Landkreis Kassel kommt ihr entgegen und will ihr 100 Euro beisteuern. „Das verstehe ich nicht“, sagt Marien. Weil sie aber die Katze nach der Behandlung mitgenommen hat, ist sie quasi in ihren Besitz übergegangen. Ihr geht es dabei nicht um das Geld, sondern um eine grundsätzliche Klärung, wie Städte und Kommunen in so einem Fall vorgehen.

Baby-Katze bei Zierenberg: Am Wochende erreicht die Frau niemanden

„Das ist eine vertrackte Situation“, erklärt Zierenbergs Bürgermeister Rüdiger Germeroth. Das Problem sei, dass am Wochenende niemand erreichbar sei – für so einen tierischen Notfall. Generell müsste geklärt werden, wie dann vorzugehen sei. An Wochentagen sei das Bürgerbüro zuständig und der Tierarzt in Oberelsungen mache nach Rücksprache die Erstversorgung. Und diese werde auch von der Stadt finanziell getragen. „Das sind im Schnitt um die 100 Euro“, erklärt eine Mitarbeiterin des Bürgerbüros.

Deshalb auch das Entgegenkommen der Stadt an Stella Marien. Die sieht sich aber allenfalls als Finderin. Auch wenn sie die Katze dann zu sich geholt habe. Die Erstversorgung müsse ihrer Meinung nach komplett die Stadt Zierenberg übernehmen.

Mit Parasiten bedeckt: Frau muss Baby-Katze über Nacht in der Praxis lassen

Bis sie nämlich beim Tierarzt in Oberelsungen angekommen sei, habe sie zunächst versucht, ihren Tierarzt zu kontaktieren, der sei aber nicht im Dienst gewesen. Ein weiterer Tierarzt in Kassel habe sie abgewiesen, weil er nicht zuständig sei. Sie habe sogar bei der Polizei angerufen, die habe sich aber auch nicht für zuständig gehalten.

In Oberelsungen schließlich sei das Tier versorgt worden, musste aber dort über Nacht bleiben. Ihr sei zudem empfohlen worden, ihre Kleidung zu reinigen, bevor sie Kontakt zu ihren eigenen Tieren habe. Denn das Katzenbaby sei über und über von Parasiten bedeckt gewesen. „Ich habe den Kleinen, der jetzt Kaani (Glück) heißt, so schnell wie es geht abgeholt, weil ich weiß, dass jeder weitere Tag auch höhere Kosten verursacht hätte“, sagt Marien.

Frau findet Katzen-Baby: Landkreis Kassel ist auch nicht zuständig - es fehlt an einer Richtlinie

Der Landkreis Kassel ist in so einem Fall auch nicht zuständig, wie Kreissprecher Harald Kühlborn erklärte. Fundtiere oder herrenlose Tiere gehörten in die Zuständigkeit der Kommunen. Der Ordnungsbehördenbezirk Habichtswald rät dazu, an so einem Wochenendtag im Zweifel die Polizei zu informieren. Dann sei der Fall eines Fundtieres zumindest bekannt.

Grundsätzlich sei die Kommune für solche Fundtiere zuständig. Aber – so Thore Bubenhagen vom Ordnungsbehördenbezirk – solche Fälle würden seit Jahrzehnten auch die Gerichte beschäftigten. Es müsse immer der Einzelfall betrachtet werden. Eine richtig greifbare Richtlinie gebe es da nicht.

Kein Tierheim aber viel Unterstützung: Nicht nur die Finderin der Baby-Katze ist ein Tierfreund in der Region

Ein Tierheim gibt es im Wolfhager Land nicht. Aber doch viele Menschen, die sich für Tiere engagieren. Neben Stella Marien ist das auch Sabrina Kreh aus Wenigenhasungen. Sie kümmert sich um streunende Katzen und hat ein Auge darauf, dass die in Lebendfallen gefangenen Tiere kastriert werden. Dazu hat sie Kontakte zu Tierschutzvereinen.

Und sie hat eine Futterstelle mit drei kastrierten Streunern die sie zwei Mal täglich füttert. Auf ihre Kosten und das seit zehn Jahren. Die Kastrationspflicht für Fundtiere haben bisher die Gemeinde Breuna und die Stadt Wolfhagen eingeführt. (Monika Wüllner)

Erst Anfang Oktober (2021) retteten zwei Frauen, zwei verwahrloste Hunde nahe der A7.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.