Im Notfall gibt es keine Hilfe

Neuer Telekom-Vertrag: Hausnotruf  einer 85-Jährigen seit Wochen kaputt

Steht still: Das Telefon und das Hausnotruf-System von Emma Kanngießer funktionieren nicht mehr, seit sie einen neuen Telekom-Vertrag hat. Dabei ist die 85-Jährige dringend auf das Hilfssystem angewiesen. Foto:  Renner

Zierenberg. Seit knapp drei Wochen gibt das Telefon von Emma Kanngießer in Zierenberg keinen Mucks mehr von sich.

Seit sie einen neuen Vertrag bei der Telekom abgeschlossen hat, ist die Leitung tot - und damit auch das wichtige Hausnotruf-System, auf das die 85-Jährige dringend angewiesen ist.

Anfang Mai klingelte ein Vertreter der Telekom bei Emma Kanngießer. Er bot ihr einen Vertrag samt Internet an, obwohl die Seniorin nicht einmal einen Computer hat. Anderthalb Stunden sei der junge Mann da gewesen und habe auf sie eingeredet, sagt sie. „Ich habe schließlich Ja gesagt, weil ich ihn loswerden wollte.“ Noch an diesem Tag hat sie den neuen Vertrag unterschrieben.

Etwa zwei Wochen später begannen die Probleme. Das Telefon wurde umgestellt und seitdem funktioniert nichts mehr. Über den Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) ist die 85-Jährige an den Hausnotruf angeschlossen, doch auch dieser funktioniert nicht mehr. Für Kanngießer ist das aber wichtig. „Ich bin schon mehrmals im Haus gefallen.“ Sie lebt allein. Im Notfall Hilfe holen kann sie nun nicht mehr.

„Ein Wechsel des Telefonanbieters kann zu Leistungseinschränkung des Gerätes führen“ steht auf dem Notruf-System geschrieben. Emma Kanngießer wusste jedoch nicht, dass sich ihre Unterschrift an der Haustür darauf auswirken würde. Wird das Gerät derzeit bedient, meldet sich eine elektronische Stimme und sagt „Leitungsstörung“.

Ihre Tochter Jutta Beile hat bereits unzählige Telefongespräche mit dem Kundenservice der Telekom geführt, immer mit dem Hinweis auf den wichtigen Hausnotruf. Passiert sei jedoch bislang nichts. Sie ärgert sich darüber, dass ihr Mutter ein solcher Vertrag aufgeschwatzt wurde, samt Internet und drei Telefonnummern, die die Seniorin nicht braucht. Sie findet das Vorgehen der Telekom unseriös.

Wenn Emma Kanngießer telefonieren muss, geht sie seit Wochen zu befreundeten Nachbarn. „Ich möchte jetzt ein Seniorenhandy haben“, sagt sie. Damit kann sie im Notfall schnell Hilfe holen.

Auf Anfrage der HNA entschuldigt sich die Deutsche Telekom. „Dies ist von unserer Seite schlecht gelaufen. Dies hätte so nicht passieren dürfen“, sagt André Staudt, Mitarbeiter der Pressestelle. Der Tarif hätte nicht umgestellt werden dürfen, die Reklamation der Tochter sei zudem auch nicht korrekt aufgenommen worden.

Bis Montag, 15. Juni, soll der Vertrag rückabgewickelt werden. Außerdem: „Die Kundin erhält von uns eine Ausgleichszahlung zugewiesen.“

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