HNA-Interview

Kinderzirkus Rand und Band feiert Geburtstag: „An Ideen hat es nie gemangelt“

Vorfreude: In der Oberelsunger Mehrzweckhalle laufen die Proben zur Jubiläumsgala, die am 16. November im Bürgerhaus Zierenberg stattfinden wird, auf Hochtouren. Fotos:  Hoffmann

Zierenberg. Der Zierenberger Kinderzirkus Rand und Band ist aus dem Veranstaltungskalender der Warmestadt längst nicht mehr wegzudenken. HNA-Mitarbeiter Sascha Hoffmann sprach mit Zirkuspädagogin Carola Friedmann, die vor zehn Jahren die Idee zum Erfolgsprojekt hatte.

Sie haben vor zehn Jahren den Zirkus Rand und Band gegründet. Wie kam es dazu? 

Am Sonntag, 16. November, feiern die kleinen Artisten ab 16 Uhr mit einer kunterbunten Jubiläumsgala im Bürgerhaus ihr zehnjähriges Bestehen.

Carola Friedmann:  Ich habe damals im Kasseler Zirkus Buntmaus gearbeitet. Durch die jährlich in den Sommerferien stattfindenden Zirkuscamps gab es einige Zierenberger Kinder, die dort bereits Zirkusluft geschnuppert hatten. Dadurch kam die Idee, eine eigenständigen Gruppe in Zierenberg aufzubauen, zudem gab es im Landkreis noch kein Angebot, in dem Kinder mit und ohne Behinderung zusammen ihre Freizeit gestalten konnten. Im Januar 2004 ging es dann unter dem Dach des Vereins Zirkutopia und mit finanzieller Unterstützung durch den Landkreis los.

Wie hat sich die Arbeit entwickelt? 

Friedmann: Begonnen haben wir in der Elisabeth-Selbert-Schule mit zwei pädagogischen Kräften und einer Gruppe von zwölf Kindern und jungen Erwachsenen zwischen sieben und 20 Jahren. Schnell zeigte sich, dass das Interesse an den wöchentlichen Trainings größer war, wodurch wir die Gruppe auf 16 Kinder und drei Trainer aufstockten. An der sehr langen Warteliste änderte das aber nichts. 2010 bekamen wir eine vierte pädagogische Kraft finanziert, konnten so 20 Kinder betreuen und die Gruppen teilen. 2012 entstand dann noch unser Jugendvarieté, zudem ein offenes Jonglieren für Erwachsene und im vergangenen Jahr unsere Zierenberger Zirkuszwerge, eine Gruppe für die Kleinsten.

Was ist das Besondere an der Zirkuspädagogik? 

Schuf vor zehn Jahren den Kinderzirkus Rand und Band für kleine Artisten in Zierenberg: Carola Friedmann.

Friedmann: Das vielfältige Spektrum an Zirkusfertigkeiten. In der Regel findet jeder Teilnehmer eine Zirkuskunst, die ihm liegt und Freude bereitet. Es gibt Künste, die relativ schnell zu lernen sind, und es gibt schwierigere, für die es mehr Geduld und Geschick bedarf. Die Kinder haben relativ schnell Erfolgserlebnisse, können sich in einem spielerischen Rahmen ohne Druck etwa durch Benotungen ausprobieren. Zirkusarbeit schafft Selbstvertrauen und soziale Kompetenzen, fördert die kindliche Motorik, die Talente und Fähigkeiten jedes einzelnen, ist zudem gewalt- und suchtpräventiv.

Wie wichtig sind die öffentlichen Auftritte? 

Friedmann: Der Zirkus lebt durch seine Auftritte. Auf der Bühne zu stehen und sich zu präsentieren, dazu bedarf es viel Mut und innerer Stärke. Das gemeinsame Erleben als Gruppe steht dabei sicher im Mittelpunkt. Jeder trägt mit seinen individuellen Talenten zu einem großen Ganzen bei. Das ist lebendige Vielfältigkeit. Den Begriff der Inklusion brauche ich eigentlich nicht mehr erwähnen, für uns hat er fast keine Bedeutung mehr, denn genau das, was er impliziert, wird bei uns seit Jahren ge- und erlebt.

Sind Sie mit der Entwicklung zufrieden, wenn Sie auf die vergangenen zehn Jahre Zirkuspädagogik in Zierenberg zurückblicken? 

Friedmann: Absolut. An Ideen hat es nie gemangelt, und die Wartelisten für alle Gruppen sind voll. Ich selbst werde nach der diesjährigen Gala mit dem Zirkus aufhören und wünsche mir, dass meine kleine Tochter weitermacht, damit der Zirkus auch weiterhin einen Platz in unserer Familie behält. Der Zirkus wird sich neu orientieren müssen, aber es gibt bereits tolle Menschen, die Interesse haben, Teile der Arbeit zu übernehmen. (zhf)

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