Buch "Im Osten geht die Sonne auf"

Lesung: Autorin Jutta Voigt blickte auf ein Land im Umbruch

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Am Tag der Deutschen Einheit: Jutta Voigt las aus ihrem Buch „Im Osten geht die Sonne auf“ und gab Einblicke in das ostdeutsche Leben vor und nach der Wende. 

Zierenberg. Jutta Voigt ist ein waschechtes Berliner Kind. Und sie hat alles selber erlebt: Als Kind das Ende des Krieges, die Entstehung der DDR, das Leben in einem kommunistischen Land, die Wende und die 25 Jahre danach. 

Da sie Journalistin arbeitete, lag es nahe, dass sie über dieses ungewöhnliche Leben schrieb. Passend zum Silberhochzeitstag Deutschlands las Jutta Voigt aus ihrem Buch „Im Osten geht die Sonne auf“ am Samstagabend im Rathaus in Zierenberg.

Es ist eine Sammlung von Geschichten aus dem Alltag der Menschen während der letzten zehn Jahren der DDR und den ersten zehn Jahren der Bundesrepublik.

Gleich zu Beginn erklärte die Autorin, dass die Wende den Ostdeutschen eine wahnsinnige Veränderung gebracht habe. Im Kapitel „Chaos und Container“ macht sie es an den Müllbergen fest, die sich nun in den Berliner Stadtteilen häuften, sodass die Müllabfuhr gar nicht schnell genug nachkam, das alte Leben zu entsorgen. Der lang unterdrückte Unternehmergeist sei plötzlich wieder da gewesen. Vom Ich zum Wir zum Ich, war die neue Parole. Geld sei nun das einzige Privileg gewesen. Wer Geld hatte, habe die Macht gehabt und nicht die Funktionäre. Die Beschleunigung der Veränderungen habe die Menschen zwischen Entsetzen und Staunen hin- und herschwanken lassen. Das neue Leben habe den Menschen lang gehegte Konsumwünsche erfüllt, freies Reisen, aber auch Mieterhöhungen und Arbeitslosigkeit.

Schuld am harten Leben

Im Kapitel „Die Besuchszeit ist vorbei“ richtet Voigt den verklärten nostalgischen Blick der ostdeutschen Menschen auf die früheren Westbesuche. 25 Jahre später schenke man sich nichts mehr, man streite sich, gebe sich gegenseitig die Schuld am harten Leben.

Mit sehr feiner Beobachtungsgabe beschreibt die Autorin die Menschen in ihrem Alltag vor und nach der Wende. Ihre Sprache ist bildhaft, voller Vergleiche und Metapher, wie „die DDR ist wie Pompeji“ oder „Krokodilrussen“ als Hinweis auf ein Satiremagazin. Humorvoll und mit einer gehörigen Portion Ironie legt sie gleich ihre ganze Hand auf die Wunden der Menschen, die mit der Wiedervereinigung vom Kapitalismus erreicht, aber auch einer Geborgenheit entrissen wurden.

Im anschließenden Gespräch beantwortete Jutta Voigt Fragen des Publikums zu ihrem persönlichen und beruflichen Werdegang. Ihr Fazit nach 25 Jahren ost-westdeutscher Ehe: „Es gibt noch sehr viel Nachholbedarf, aber vielen geht es wirklich besser.“

Jutta Voigt, „Im Osten geht die Sonne auf“, be.bra Verlag; September 2009

Von Ursula Neubauer

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