Hakenkreuz am Flieger

Mann lässt Modell mit Nazisymbol am Dörnberg fliegen

Eine Besucherin hatte diesen Piloten angesprochen und mit ihm über die Symbole auf dem Modell gestritten.
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Eine Besucherin hatte diesen Piloten angesprochen und mit ihm über die Symbole auf dem Modell gestritten.

Ein Mann lässt am Dörnberg ein Modellflugzeug mit einem Hakenkreuz fliegen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen dem Nazisymbol.

Zierenberg – Völlig außer sich war eine Besucherin des Hohen Dörnbergs, als sie jetzt beim Spaziergang ein Modellflugzeug mit Hakenkreuz sah. Sie sprach den Besitzer dieses Modells empört darauf an und forderte ihn auf, dieses Symbol nicht in der Öffentlichkeit zu zeigen. Dieser bisher Unbekannte wiegelte jedoch ab. Jetzt ermittelt die Kasseler Staatsanwaltschaft wegen Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Das Regierungspräsidium in Kassel hat auf Nachfrage der HNA diesen Fall an die Staatsanwaltschaft übergeben, weil durch den Betrieb eines Flugmodells mit nationalsozialistischen Symbolen möglicherweise ein Straftatbestand erfüllt sein könnte. Die Staatsanwaltschaft in Kassel hat den Vorgang geprüft und nach einem Anfangsverdachts ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, bestätigt Staatsanwalt Andreas Thöne.

„So was wollen wir hier nicht haben und dulden das auch nicht“, sagt Zierenbergs Bürgermeister Rüdiger Germeroth. Er hatte nach dem Vorfall direkt Kontakt zu der ortsansässigen Flugsportvereinigung (FSV) gesucht und um eine Stellungnahme gebeten. Auch der Verein distanziert sich davon. „Wir teilen selbstverständlich das sehr große Befremden der Stadt Zierenberg darüber, sogar noch darüber hinaus. In unserem Mitgliederkreis lehnen wir ein solches Tun rundweg ab und ein solches findet in unseren Reihen auch keinerlei Platz. Alle Modellflieger wissen, dass in Deutschland keine solchen Symbole verwendet werden dürfen. Daher sind wir der festen Überzeugung, dass es sich bei dem Modellflugpiloten nicht um ein Mitglied unseres Vereins handelt“, sagt Dr. Stefan Krull, Vorsitzender des FSV Kassel-Zierenberg.

Leider sei der Verein aufgrund der lang anhaltenden Coronasituation bis dato noch nicht auf dem Flugplatz am Hohen Dörnberg so präsent wie in den Jahren zuvor. Dann wäre ein solcher Vorfall aufgefallen und unterbunden werden können. „Leider sind auch immer wieder sogenannte Wildflieger auf dem Dörnberg zu sehen“, so der Vorsitzende der Flugsportvereinigung.

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Nazisymbol auf Modellflugzeug

Die Besucherin, die Anfang April mit ihrer Freundin und deren Kindern zu einem Spaziergang am Hohen Dörnberg aufgebrochen war, traute ihren Augen nicht, als sie ein Flugzeugmodell mit Hakenkreuz am Heck sah. Sie fotografierte den Modellflieger, in dem als „Piloten“ zwei Barbiepuppen saßen. „Ich nahm meinen Mut zusammen, sprach den Mann an und bat ihn das Symbol eines massenmordenden Regimes in der Öffentlichkeit nicht zu zeigen. Da ich annahm, die Hakenkreuze seien in Deutschland 2021 verboten und verfassungsfeindlich“, so die Besucherin, deren Namen wir aus Sicherheitsgründen nicht nennen. Jetzt ermittelt die Kasseler Staatsanwaltschaft gegen diesen bisher unbekannten Mann.

Sowohl Zierenbergs Bürgermeister als auch der ansässige Flugsportverein verurteilen den Vorfall und wollen künftig verstärkt ein Auge auf das Areal am Dörnberg haben „weil wir so etwas nicht dulden“, wie Zierenbergs Bürgermeister Rüdiger Germeroth erklärte.

Auf das Nazisymbol am Heck des Fliegers angesprochen erhielt die Besucherin von dem Besitzer des Modellflugzeugs die Auskunft, dass es amtlich erlaubt sei aufgrund der originalgetreuen historischen Nachbildung, und er habe auch eine Erlaubnis dabei, außerdem sei er deutscher Meister im Modellfliegen, im Museum gäbe es auch Hakenkreuze und das Naziregime sei ein Teil der deutschen Geschichte – so die Schilderungen der Besucherin weiter. Aus Furcht, er lasse diesen Flieger vielleicht nah an ihren Köpfen vorbei fliegen und auch, weil dieser Fremde sich nicht an die Corona-Abstands- und Hygieneregeln hielt, beschlossen die Besucher, den Spaziergang an dieser Stelle abzubrechen. „Am liebsten wäre ich ‘versehentlich’ in dieses Modell gestolpert“, sagte die empörte Besucherin.

In Deutschland gibt es mehrere verbotene Zeichen, Zahlen und Buchstaben. Die meisten gehen zurück auf die NS-Zeit. Mit diesen Symbolen macht man sich strafbar. Auch nicht jedes Kfz-Kennzeichen ist erlaubt. Verboten sind zum Beispiel die Abkürzungen HJ, KZ, SA und SS.

Das bekannteste, strafbare Symbol in Deutschland, das Hakenkreuz, bleibt auch verboten, wenn es seitenverkehrt oder mit gebogenen Haken oder mit Linien verbunden verwendet wird. Erlaubt ist dagegen, wenn die Darstellung Ablehnung symbolisiert, wie bei einem durchgestrichenen Hakenkreuz oder einem, das in einen Mülleimer wandert. Verwendet werden dürfen verbotene, verfassungswidrige Symbole, wenn sie einen Bildungszweck erfüllen und der Aufklärung dienen. Auch, wenn sie genutzt werden, um über geschichtliche Vorgänge und Zeitgeschehen zu berichten. Für Kunst, Wissenschaft und Forschung gelten ebenfalls Ausnahmen. In verschiedenen Foren von Modellfliegern wird dieses Thema kontrovers diskutiert. Die einen meinen, auch solche Nazi-Symbole gehörten zu historischen Nachbildungen. Andere wiederum sagen, dass ein historischer Nachbau auch ohne Nazi-Symbol gut fliege. Auch gibt es diverse Gerichtsverhandlungen und Urteile zu diesem Thema. (Monika Wüllner)

Verwendung seit 1945 verboten

Das Hakenkreuz war das Parteizeichen der Nationalsozialistischen Partei. In Deutschland und weiteren Staaten ist die Verwendung und die Präsentation des Hakenkreuzes seit 1945 verboten. In Deutschland darf das Symbol allerdings zur Aufklärung gezeigt werden. Das Hakenkreuz steht in der deutschen Geschichte für die Ermordung der Juden, Zerstörung bürgerlicher Rechte und Freiheiten, die Bücherverbrennung, sowie Krieg und Vernichtung.

Paragraph 86a: Verfassungsfeindliche Kennzeichen

Der Paragraph 86a des Strafgesetzbuches sagt: „Das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft, wer Kennzeichen einer der bezeichneten Parteien oder Vereinigungen verbreitet oder öffentlich, in einer Versammlung oder in einem von ihm verbreiteten Inhalt verwendet oder einen Inhalt, der ein derartiges Kennzeichen darstellt oder enthält, zur Verbreitung oder Verwendung im Inland oder Ausland herstellt, vorrätig hält, einführt oder ausführt. Das sind Fahnen, Abzeichen, Uniformstücke, Parolen und Grußformen.

Den Zeichen stehen solche gleich, die ihnen zum Verwechseln ähnlich sind. Damit soll der Eindruck verhindert werden, dass es eine rechtsstaatswidrige Entwicklung gebe, in der verfassungsfeindliche Bestrebungen geduldet werden würden. Die konkrete Absicht zur Unterstützung ist nicht notwendig.“

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