Kampf mit Legeflinte und Schlagfalle

Der milde Winter begünstigt die Mäuseplage auf Feldern, Wiesen und im Wald

+
Wie abgeschnitten: Förster Karsten Holzkamp (links) und Ernst-Uwe von Starck mit einer jungen Eiche, deren Wurzeln von einer Schermaus abgenagt wurden.

Um gegen die Mäuseplage vorzugehen, gibt es viele verschiedene Ansätze. Selbst auf den Appetit von Greifvögeln wird gesetzt.

Zierenberg – Auf die kleinen Helfer aus der Schweiz ist Verlass. Im Kampf gegen die Schermaus kennen sie keine Gnade. Wenn die schlanken Fallen, die in den Laufgängen der kleinen Nager platziert sind, zuschlagen, haben die Schädlinge nicht den Hauch einer Chance. 20 dieser Edelstahlröhren hat Ernst-Uwe von Starck, Waldbesitzer von Gut Laar, auf einer aufgeforsteten Fläche zwischen den jungen Bäumchen platziert.

14 000 Traubeneichen wurden gepflanzt

Hier oben auf der Fläche zwischen Laar und der Stadt Zierenberg wurden vor vier Jahren überwiegend Traubeneichen gesetzt. Insgesamt gut 14 000 Stück. Eine Investition in die Zukunft, da die Eiche mit dem Klimawandel besser klarkommt als beispielsweise die Fichte. Die jungen Laubbäumchen, inzwischen gut zwei Meter hoch, wurden auf der drei Hektar großen Fläche in der Gemarkung „Auf der Stiefmutter“ maschinell gesetzt. 

„Das war in Sachen Mäuse vielleicht nicht die beste Idee“, sagt Förster Karsten Holzkamp vom Forstamt Wolfhagen, der von Starcks insgesamt 870 Hektar großen Waldbesitz betreut. Als gepflanzt wurde, war es trocken, die Erde fiel hinter dem Pflug nicht richtig zu. In den Pflanzfurchen bildeten sich regelrechte Autobahnen für die Mäuse.

Alles mit der Hand zu pflanzen, wäre allerdings auch nicht die Lösung gewesen, sagt Holzkamp. Das habe man an anderer Stelle mit kleineren Setzlingen ja auch getan. „Das war eine Quälerei“, beschreibt der Forstmann das Prozedere nach dem vergangenen trockenen Sommer. „Die Arbeiter haben den Spaten mit dem Hammer in den Boden gehauen.“ Und gebracht habe es auch nichts: „Bei den kleinen Pflanzen hatten wir durch die Mäuse einen Totalausfall.“

Die Schermaus macht Förstern zu schaffen

Bei den größeren Pflanzen lief es besser, auch weil deren Wurzeln tiefer im Boden sitzen. Drei bis vier Jahre dauert die kritische Phase nach dem Pflanzen, dann haben es die Bäumchen meist gepackt. Und bis dahin gilt es, die Gefahren – soweit es geht – von ihnen abzuhalten. „Das Wild haben wir hier unter Kontrolle“, sagt Ernst-Uwe von Starck, „Sorge macht uns die Schermaus.“ Die fresse zwar vorwiegend Gras, aber zwischen Herbst und Frühjahr schmecke ihr das feine Wurzelwerk der Bäumchen besser.

Dann gelte es, ein ganzes Paket von Gegenmaßnahmen zu schnüren: Man müsse das Gras auf der Fläche kurz halten, denn ohne Deckung sind die Schädlinge eine leichtere Beute für Greifvögel und andere Prädatoren wie den Fuchs. Der darf deswegen auch in den Wäldern im Bereich des Forstamtes Wolfhagen längst nicht mehr bejagt werden, wie Forstamtsleiter Uwe Zindel bestätigt. Um den Jagderfolg der Greifvögel zu unterstützen, wurden auf den frisch bepflanzten Flächen meterhohe hölzerne Sitzkrücken, sogenannte Julen, aufgestellt.

Schlagfertig: Mit der klassischen Mausefalle hat die Schlagfalle aus der Schweiz nichts zu tun. Sie wird senkrecht in den Gang gesetzt und löst bei leichtester Berührung aus.

Um den Druck auf die Schermaus zu erhöhen, die sich in den Pflanzfurchen wie in einem Schützengraben bewege, setze man zusätzlich auf die Schlagfallen. Die werden täglich kontrolliert und wenn eine Maus gefangen wurde, müsse die Falle umgesetzt werden.

Viel Aufwand, sagt von Starck, der sich aber lohne. „Wir fangen mit den 20 Fallen auf den drei Hektar Hunderte Mäuse übers Jahr.“ Unternehme man nichts gegen die Tiere, denn bilde die Schermaus regelrechte Burgen, „Da können sich Populationen von 1000 Stück pro Hektar aufbauen. Und das ist dann der Super-GAU.“

Auf Feldern darf mit Gift gearbeitet werden, im Wald nicht

Mit Gift dürfe man im Wald übrigens nicht arbeiten, sagt von Starck. Das sieht auf landwirtschaftlichen Flächen anders aus. Auch dort sind nach trockenen Sommern und milden Wintern die Mäusepopulationen deutlich angewachsen, wenn auch im Wolfhager Land längst nicht so stark wie beispielsweise in Niedersachsen, wo 20 Prozent der Grünlandfläche durch Feldmäuse stark geschädigt sind.

Vor allem an den Weg- und Feldrändern, sagt von Starck, der als Landwirt rund 180 Hektar Ackerland bewirtschaftet, könne man den Befall durch Mäuse erkennen. Aber auch in den Kulturflächen seien die kleinen Nager aktiv, beispielsweise im Raps und im Weizen. „Wenn man es da gleich zu Anfang feststellt, ist es mit relativ geringem Aufwand mit Giftweizen noch gut aufzuhalten“, sagt von Starck.

Arbeit mit Legeflinte: Zwei bis drei Körner Giftweizen rieseln ins Loch auf dem Acker.

Je stärker sich die Population der Feldmaus bereits ausgebreitet hat, desto aufwendiger wird die Bekämpfung, denn der Giftweizen muss mit einer Legeflinte per Hand in die Mäuselöcher eingebracht werden. „Da kommen pro Hektar ganz schnell drei bis vier Arbeitsstunden zusammen.“

Ganz los werde man die Mäuse nie, sagt von Starck. „Wenn wir den Befall auf einem vertretbaren Level halten, dann ist das schon in Ordnung.“ Und wenn das Wetter nicht mit feuchten Sommern und frostigen Wintern unterstütze, dann müsse man eben um so mehr mit Legeflinte und den Schlagfallen eingreifen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.