Wege zerfahren

Oberelsunger kritisiert Waldwirtschaft und Standort für Windräder

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Kritisiert den Flächenverbrauch beim Bau der Windräder im Hegeholz: Friedhelm Hartung aus Oberelsungen. Pro Windrad fallen 0,8 Hektar Fläche weg. 0,4 Hektar forstet Hessen Forst wieder auf. 

Der Wald bei Oberelsungen ist nicht mehr das, was er mal war. Das sagt Friedhelm Hartung, der oft im Wald unterwegs ist und schon lange in Oberelsungen lebt.

„Die Wege sind seit vielen Jahren kaputt. Bäume werden zu schnell gefällt. Und für die Windräder ist das Hegeholz der falsche Standort“, sagt der 66-Jährige, der einen Umgang mit der Ressource Wald fordert, der auch die Ansprüche nachfolgender Generationen berücksichtigt.

Holzernte

Hartung vermisst vor allem die alten, dicken Bäume. Aus seiner Sicht seien die Stämme zumindest im Oberelsunger Teil des Zierenberger Stadtwaldes viel zu dünn. „100 Jahre sollten die Bäume doch wachsen dürfen, ehe sie gefällt werden“, sagt der Rentner. Hessen Forst bewirtschaftet den Wald im Auftrag der Stadt Zierenberg, die mit dem Verkauf von Holz Geld verdienen wolle. „Da geht es um rein wirtschaftliche Aspekte“, sagt der Oberelsunger. Für ihn ist weniger mehr – weniger Bäume fällen und damit künftigen Generationen mehr Wald hinterlassen. Die Stadt Zierenberg müsse dabei in Kauf nehmen, dass sie bei der Waldbewirtschaftung auch mal in die roten Zahlen rutscht. Für das Defizit müsse seiner Meinung nach der Steuerzahler aufkommen, der ja auch von einem vitaleren Wald profitiere.

Der Leiter des Forstamtes Wolfhagen, Uwe Zindel, kann die Kritik nicht nachvollziehen. Gerade der Oberelsunger Wald sei sehr artenreich. Um den Artenreichtum mit Buchen und Edelhölzern zu erhalten, würde dort mehr Rehwild geschossen. Buchen würden in einem Alter von 140 bis 160 Jahren geerntet, wüchsen also deutlich länger als von Hartung gefordert. Allerdings würden regelmäßig Bäume ab einem Alter von 40 Jahren aus Beständen entnommen, um den verbleibenden Exemplaren mehr Licht und Raum für eine gute Entwicklung zu geben. 80 Prozent der Arbeiten bestünden aus dieser Form Pflegenutzung. „Das können wir nicht herunterfahren. Das würde den Wald destabilisieren“, sagt Zindel.

Uwe Zindel

Waldwege

Der Oberelsunger bemängelt auch den Zustand der Wege. Die seien zerfahren, schlammig und für Wanderer und Touristen wenig einladend. Die schlechten Wege hätten mit Sturm Friederike nichts zu tun, der habe im Hegeholz kaum Schaden angerichtet, sodass keine umgeworfenen Bäume abtransportiert werden müssten. Die Qualität der Wege lasse seit etwa zehn Jahren sehr zu wünschen übrig, ein ehemaliger Trimm-dich-Pfad im Wald, nur weniger Meter vom Sportplatz entfernt, sei platt gemacht. Vom Üffel, einem Gebiet nordwestlich von Oberelsungen, führe gar kein Wanderweg mehr in Richtung Sportplatz.

Kaputt: Nichts erinnert mehr an den ehemaligen Trimm-dich-Pfad im Hegeholz bei Oberelsungen.

Bis zu 150.000 Euro gebe Hessen Forst jährlich für die Unterhaltung der Wege im 6500 Hektar großen Staatsforst aus, sagt Zindel. Und auch im 1000 Hektar großen Stadtwald Zierenberg werde Geld in den Erhalt der Wege investiert. Er räumt ein, dass im Winter und Frühjahr, wenn Holz gerückt werde, viele Wege in einem desolaten Zustand seien.

Windräder

Massive Kritik übt Friedhelm Hartung, der bis vor zwei Jahren für die SPD im Zierenberger Stadtparlament gesessen hat, an den Windrädern. Vier befinden sich im Privatwald, zwei werden derzeit im Zierenberger Forst errichtet. „Das ist kein Windpark, sondern ein Industriepark“, sagt er. Der Flächenverbrauch sei enorm. Wald werde gerodet und der Boden für Zufahrtswege verdichtet. Er habe damals als einziger gegen den Bau der Windräder gestimmt.

Aus Sicht von Hessen Forst habe es für die Mühlen im Stadtwald keine Ausschlussgründe gegeben, sagt Forstamtsleiter Zindel. Verglichen mit anderen Regionen sei die Zahl der Windräder im Wolfhager Land überschaubar. In Wäldern kämen vor allem die Kuppen als Standort in Frage. Dort sei die Windhöffigkeit am größten, auch hätten die Räder dort kaum Einfluss auf Siedlungen.

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