Pfarrer Marek Prus fährt auf dem Motorrad zum Gebet

Liebt Ausflüge auf seiner roten Honda Deauville: Zierenbergs katholischer Pfarrer Marek Prus. Jetzt hat er sich eine zweite Maschine zugelegt und zwar das Vorgängermodell der Honda. Auf der will er im Herbst in seine Heimat nach Polen reisen. Foto: Thon

Zierenberg. Fast hätte Marek Prus seine Maschine verkauft. Nach einem Herzinfarkt vor zwei Jahren dachte der katholische Geistliche, nie mehr Motorrad fahren zu können.

Er hatte den Glauben daran verloren. Seine Geschwister waren es, die ihn davor bewahrten, dem Hobby abzuschwören. Kürzlich hat sich der Zierenberger Pfarrer zu seiner Honda Deauville ein zweites Motorrad zugelegt.

Den Traum vom eigenen Motorrad hat sich der 52-Jährige spät erfüllt. Vor acht Jahren kaufte sich Prus, der aus dem polnischen Dorf Gosprzydowa stammt, 80 Kilometer südöstlich von Krakau, seine erste Maschine. Mit der fährt er bis zu 3000 Kilometer im Jahr. Bei Touren in den Harz, ins Werratal und entlang der Weser schaltet er ab und genießt bei gemächlichem Tempo die Landschaft. Auch im Dienst zieht er bei gutem Wetter seine Honda dem Auto vor. Für ihn ist es normal, zur Kirche mit dem Motorrad zu fahren und sich in der Sakristei für den Gottesdienst umzuziehen. „Wenn ich in der Wolfhager Klinik Krankenbesuche mache, kann ich direkt vorm Eingang parken. Das ist sehr bequem“, sagt er.

Das Motorradfahren gefährlich ist, dessen ist sich der 52-Jährige bewusst. Als Pfarrer wird er öfter konfrontiert mit tödlichen Unfällen. „Ich habe Respekt vor der Geschwindigkeit“, meint der Zierenberger, der vor allem die Angst vor den Fehlern anderer spürt. „Hätte ich eine Familie mit kleinen Kindern, würde ich mir zehn Mal überlegen, ob ich eine Fahrt mit dem Motorrad machen würde.“ Gleichzeitig gibt es aber Momente, in denen er mit luftiger Kleidung und Jesuslatschen an den Füßen auf die 250 Kilo schwere Maschine steigt, um in den nächsten Ort zu fahren.

Prus sagt, dass seine Leidenschaft für Motorräder im Kindesalter geweckt wurde. Der Vater hatte ihn damals oft auf der Stange seines Fahrrades mitgenommen - einem Geschenk seines Cousins. Als er zwar alt, aber noch nicht groß genug war, fuhr er selbst und zwar so, dass er einen Fuß unter der Stange durch auf die Pedale schob. Je älter er wurde, desto komfortabler wurde sein Fahrstil; zunächst bewegte er das Rad im Stehen, später klemmte er sich auf die Stange, bis seine Füße vom Sattel aus die Pedalen erreichten. „Ich träumte davon, fahren zu können, ohne treten zu müssen.“,

Mit 13 Jahren fuhr er ein Romet Komar 3 - ein Motorfahrrad. Mit 16 Jahren machte er den Motorradführerschein und durfte die Jawa 20 steuern, die sein Onkel abgelegt hatte. Alle Räder, Mopeds, Roller und Motorräder, die er in seiner Jugend fuhr, waren Geschenke von Verwandten. Für mehr reichte das Geld nicht. Für Prus war es ein besonderes Erlebnis, jetzt ein zweite Honda zu kaufen. „Mit der fahre ich im Herbst nach Polen“, sagt er. In seinem Dorf, wo noch heute seine Familie lebt, wird die Honda bleiben, „damit ich etwas habe, womit ich in der Heimat fahren kann“.

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