Christoph Jaworski betreibt Bergpark Seniorenresidenz in Burghasungen

Pflege-Unternehmer: "Ich bin echt sauer auf die Politiker"

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Die Pflege ist e in toller menschennaher Beruf mit emotiona lem Feedback, sagt Altenheimbetreiber Christoph Jaworski. Der Beruf werde oft schlecht geredet. 

Die Pflege steckt in der Krise, auch im Wolfhager Land. Altenheime suchen händeringend nach Personal, Senioren fühlen sich schlecht betreut. Was läuft schief?

In einigen Einrichtungen im Altkreis werden frei werdende Plätze mangels Mitarbeitern gar nicht mehr belegt. In diesen Zeiten haben die Privatunternehmer Christoph Jaworski und seine Frau Simone Schubert-Jaworski von AscleonCare in Kassel die Bergpark Residenz in Burghasungen gekauft.

Ihre Branche hat es grad nicht leicht. Sie strahlen Optimismus aus. Was bringt sie dazu?

Pflege ist großartig. Es ist ein toller menschennaher Beruf mit emotionalem Feedback und enormen Weiterbildungsmöglichkeiten. Wenn wir am Image arbeiten, wird sich diese negative Sicht wieder drehen. Ich bin echt sauer auf die Politiker, die Pflege ständig schlecht reden und mit den Ängsten der Menschen spielen.

Aber auf politischer Ebene ist ja mittlerweile die Notwendigkeit für Reformen erkannt worden.

Hoffentlich werden die Versprechen auch eingelöst. Im Moment merken wir davon noch nichts. Die Rahmenbedingungen passen einfach nicht. Zum Beispiel warten wir seit einem Jahr auf Pflegesatzverhandlungen in Niedersachsen.

Im Wolfhager Land werden in einigen Seniorenheimen Plätze nicht mehr belegt, weil es an Personal mangelt. Sie wollen sogar Betten aufstocken. Wie soll das gehen?

Wir bieten attraktive Arbeitsplätze mit Aufstiegschancen und guter Bezahlung an. Unsere Mitarbeiter haben mehr als 30 Tage Urlaub, manche Firmenfahrzeuge. Weiterbildungen laufen in unserem edlen Hotel in schöner Umgebung, und wir arbeiten an individuellen Arbeitzeitmodellen. Mit all diesen Strategien können wir bei potenziellen Interessenten punkten.

Die ehemalige Eigentümerin der Bergpark Residenz hatte einige Anfragen von Großkonzernen und hat sich bewusst für Sie als privaten Betreiber entschieden. Warum?

Weil wir uns als Familienunternehmen persönlich für unsere Heime, die Mitarbeiter und Bewohner verantwortlich fühlen und vor Ort sind. Frau Röll wollte nicht an Finanzinvestoren verkaufen, die zum Großteil aus Frankreich und den Beneluxländern kommen. Der deutsche Pflegemarkt ist eine attraktive Investmentmöglichkeit. Was zählt, ist Wachstum, und dabei kommt manchmal die Altenpflege zu kurz.

Ist die Pflege in diesen Heimen schlechter?

Nein, das kann man pauschal nicht sagen. Aber es ist natürlich anonymer. Ich bin einmal die Woche in unseren Heimen unterwegs. Uns als Privat-Unternehmer ist daran gelegen, das wir ein attraktives Angebot schaffen und die Senioren für uns gewinnen. Wenn ein Bewohner zu mir sagt, „das Essen ist mies“, dann belastet mich das.

Sie sagen, dass Altenheime Hotelcharakter haben sollten.

Genau, da müssen wir hinkommen. Wir verlassen uns beim Essen zum Beispiel nicht mehr auf Caterer. In unseren Häusern wird selbst gekocht. Die Köche lernen ihr Handwerk in unserer unternehmenseigenen gehobeneren Hotelküche. Auch die Räumlichkeiten müssen top sein. Da darf nicht der Putz von den Wänden bröckeln.

Wie muss sich die Pflege verändern?

Mit hohem Dokumentationsaufwand wird Pflege derzeit nach Aktenlage kontrolliert. Das ist nicht sinnvoll und bewohnerorientiert. Aus meiner Sicht sollte die Qualität der Pflege im Vordergrund stehen. Auch die Qualifikation der Mitarbeiter ist wichtig. Die Menschen werden älter und kränker. Die Pflegekräfte müssen für die hochkomplexe Intensivpflege fit gemacht werden. Durch den demografischen Wandel wird die Zahl Pflegebedürftiger weiter zunehmen. Wir haben die maximale Verantwortung, für jeden von ihnen ein vernünftiges Zuhause zu schaffen.

ZUR PERSON

Christoph Jaworski (46) ist mit seiner Frau Simone Schubert-Jaworski Geschäftsführer von Ascleon AscleonCare in Kassel. Das Unternehmen hat Altenheimstandorte in Fritzlar,Göttingen, Hann. Münden, Helmarshausen - Bad Karlshafen, Hildesheim, Holzminden, Potsdam, Duderstadt und Zierenberg. In Kassel ist die Verwaltungszentrale. Jaworski stammt aus Kassel und lebt mit seiner Familie inzwischen in Bardenhagen bei Lüneburg. Er hat zwei Kinder.

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