Traditionshaus einst in Kassel – Nun schließt Filiale in Zierenberg

Preiskampf gibt Zierenberger Bekleidungshaus Busam den Rest

Schließt Ende Januar für immer seine Türen: das Traditionsbekleidungsgeschäft Busam in Zierenberg. In Kommentaren auf Facebook brachten viele Nutzer ihr Bedauern zum Ausdruck.
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Schließt Ende Januar für immer seine Türen: das Traditionsbekleidungsgeschäft Busam in Zierenberg. In Kommentaren auf Facebook brachten viele Nutzer ihr Bedauern zum Ausdruck.

Als Stefanie Berndt vor Kurzem auf Facebook bekannt gab, Ende des Jahres ihr Blumenfachgeschäft in der Zierenberger Poststraße schließen zu wollen, war die Anteilnahme groß.

Zierenberg. Viele Nutzer der Social-Media-Plattform brachten in den Kommentaren ihr Bedauern zum Ausdruck, machten die Geiz-ist-Geil-Mentalität für die zunehmende Zahl der Geschäftsschließungen verantwortlich und gaben zu bedenken, dass Supermärkte zu Taufen oder Hochzeiten eben keine Kirchen dekorieren.

Mit Corona habe ihre Schließung nichts zu tun, sagt Berndt und bringt ihr Dilemma kurz und knapp auf den Punkt: „Die Unterstützung, die das Geschäft aus Zierenberg bekommt, reicht nicht aus, um weiter zu machen.“ Sie sieht ihre Arbeit nicht „ausreichend gewertschätzt“ und wünscht den Zierenbergern „Einsicht, dass das Handwerk mehr geschätzt werden sollte, damit regionale Geschäfte wieder Fuß fassen können“.

Worte, die auch Anja Busam veranlassten, in einem Kommentar Stellung zu beziehen. „An Preisen von Aldi, Lidl und Co. werden doch heute die Werte gemessen“, schreibt die Geschäftsfrau und erzürnt sich weiter: „Lebensmittelgeschäfte als Vollsortimenter killen den Fachhandel.“ Was viele zu dem Zeitpunkt noch nicht wussten: Busam schrieb sich da etwas vom Herzen, was nun auch offiziell ist, nämlich die Schließung des traditionsreichen Modegeschäftes, das sie in dritter Generation führt. „Ja, wir schließen zum 31. Januar“, bestätigt sie im Gespräch mit unserer Zeitung, während sie einen aktuellen Prospekt eines Lebensmitteldiscounters in Händen hält, der „mehr einem Modeprospekt gleicht“, so die Zierenbergerin, die eben diesen „Wandel im Handel“ schon lange beobachtet.

„Die letzten Jahre waren bereits merklich schlechter, wir können bei den Preisen einfach nicht mithalten“, bedauert sie und blickt zurück auf die guten Jahre des Familienunternehmens, als Kunden noch auf Beratung und Qualität Wert gelegt, den Einkauf mit persönlicher Note genossen und eine kompetente Beratung geschätzt hätten. „Heute geht es nur noch um billig und schnell, und genau das passt mit Fachhandel nicht zusammen.“ Es sei eine Entwicklung gewesen, gegen die sie nicht mehr hätte ankämpfen können. „Deshalb habe ich nun selbst die Reißleine gezogen“, so Busam, die sich noch ein letztes Mal auf die frisch eingetroffene Herbstkollektion konzentrieren will, bevor es an den Ausverkauf geht. Vieles im riesigen Verkaufsraum am Ortsausgang in Richtung Oberelsungen ist schon jetzt bis zu 75 Prozent reduziert, auch für Schnäppchenjäger dürfte sich somit ein Besuch lohnen.

Wie es am Busam-Standort nach der Schließung weitergeht, das könne sie jetzt noch nicht sagen. „Ich möchte mich erst einmal auf die Firmenabwicklung konzentrieren, da ist wenig Raum für anderes“, sagt die Geschäftsfrau, für die Vieles vorstellbar ist. „Verpachten oder Verkaufen, wir werden das alles in Ruhe angehen.“ Corona sieht auch sie nicht als Ursache für ihre Schließung, vielleicht als Beschleuniger, doch all das ändert nichts mehr an der Tatsache, dass in Zierenberg nun wieder eine Ära zu Ende geht und das Städtchen um weitere Einkaufsmöglichkeiten ärmer ist. (Sascha Hoffmann)

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