Jüdische Familien mussten fliehen oder wurden ermordet

Stolpersteine erinnern in Zierenberg an Opfer des Holocausts

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Eine Rose zur Erinnerung: die Verlegung der Stolpersteine in der Lange Straße Zierenberg.

Goldene Steine gegen das Vergessen: Zur Erinnerung an die Zierenberger Familie Kaufmann wurden vor der Oberelsunger Straße 2 vier Stolpersteine verlegt.

Ein weiterer Stolperstein erinnert vor der Langen Straße 36 an Auguste Sabine Bauer. Gunter Demnig, der Initiator der europaweiten Stolpersteinaktion, setzte die Steine ins Straßenpflaster, das der Bauhof vorbereitet hatte.

Hans-Peter Klein aus Melsungen hatte die Biografien derer erarbeitet, die im Holocaust fliehen konnten oder ermordet wurden.

Die Familie Kaufmann

Hermann Kaufmann, geboren 1887, wuchs zusammen mit seinen Geschwistern Rudolf, Jakob und Bertha bei seinen Eltern Salomon und der aus Landau stammenden Henriette Kaufmann, geb. Schönstatt, in der Langen Straße 36 auf. Er heiratete Paula Rosenbusch aus Borken.

Seit ihrer Hochzeit lebten beide im Haus von Jacob Schartenberg in der Poststraße 34. Später wohnten sie zur Miete in der Oberelsunger Straße 2. Mit ihrem Sohn Günther, geboren 1923, und mit Hermanns Mutter Henriette flüchteten sie 1935 vor dem Nationalsozialismus in die USA. Hermann Kaufmann starb 1945 in Illinois, Paula Kaufmann 1992 in Wyoming. Da lebte ihr Sohn Günther, der sich in den USA George Kaufmann nannte, schon nicht mehr. Er starb 1982 in Laramie.

Sabine Auguste Bauer

Sabine Auguste Bauer, geboren 1912, überlebte den Holocaust nicht. Ihre Eltern waren Moritz Bauer und Rosa Bauer, geb. Kander. Die Familie zog von Weilburg nach Wolfhagen. Moritz Bauer starb als Soldat im Ersten Weltkrieg in russischer Kriegsgefangenschaft und hinterließ Frau und drei kleine Kinder (Sabine Auguste, Hilda und Irmgard).

Aufgrund dieser familiären Notsituation nahmen Jakob und Selma Kaufmann Sabine Auguste Bauer bei sich in Zierenberg auf. Nach dem Novemberpogrom 1938 verließen sie Zierenberg und zogen nach Kassel, ein Jahr später starb Jakob Kaufmann in Gestapo-Haft.

1941 wurden Selma Kaufmann und ihre Nichte nach Riga deportiert. Selma gilt seit 1942 als verschollen. Auguste Sabine Bauer wurde 1944 in Stutthoff ermordet.

Im Frühjahr 2020 wird in Zierenbereg eine letzte Stolpersteinverlegung für die Familie Eduard Schartenberg vor dem Haus Oberelsunger Straße 4 stattfinden. Damit wird auch die dann sechsjährige Arbeit der Arbeitsgemeinschaft Erinnerungskultur Zierenberg zum Abschluss kommen.

Das Buch

Zurzeit arbeitet die Arbeitsgemeinschaft an der Herausgabe eines Sammelbandes mit dem Titel „Erinnerungen – Jüdische Stimmen aus Vergangenheit und Gegenwart. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit Dorothy Sadlik (London) und Susan Olsburgh (Netanya/Israel), den Töchtern von Walter Sharman und damit den Nachkommen der alten Zierenberger jüdischen Familie Schartenberg.

Die beiden Frauen waren mit ihren Ehemännern am 8. November vergangenen Jahres anlässlich des Gedenkens an die Pogromnacht 1938 für einen ganzen Tag zu Gast in Zierenberg. Die Arbeitsgemeinschaft Erinnerungskultur steht mit ihnen in einem intensiven Gedankenaustausch.

Die Herausgabe des Sammelbandes soll demnach eine wichtige Ergänzung zu den bisherigen Veröffentlichungen zur Geschichte der Juden in Zierenberg und zur Geschichte und Kultur der Stadt seit dem Mittelalter werden.

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