Bis zu 300 Menschen lebten dort

Thüringer lagerten in großer Höhenburg auf dem Dörnberg

Geschichtsträchtiger Ort: Der 576 Meter hohe Dörnberg. Neben Relikten aus der Eisenzeit gibt es dort auch jede Menge Keramikscherben, die aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts stammen. Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel erklärt ihre große Zahl mit dem Vorhandensein einer Zwingburg, die König Heinrich IV. auf dem Basalttafelberg unterhielt. Archivfoto: Thon

Zierenberg. Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel hat erstmals eine Erklärung für die zahlreichen Keramikfunde am Dörnberg: Dort unterhielt einst ein König eine große Burg.

Der Dörnberg ist reich an Keramikscherben aus dem 11. Jahrhundert. Bei der Einordnung dieser Funde tappten die Historiker bislang im Dunkeln. Jetzt bietet der Bezirksarchäologe Dr. Klaus Sippel eine neue Deutung an. Sippel geht davon aus, dass König Heinrich IV. (1050-1106) auf dem Plateau des Dörnbergs von 1065 bis 1074 eine große Burg unterhielt, die ständig besiedelt war.

In dieser Zwingburg müssen nach Meinung des Archäologen zwischen 200 bis 300 Menschen gelebt haben. Diese Besatzung sei erforderlich gewesen, um den einheimischen alten Adel in Vellmar, Kassel und Kaufungen unter Druck zu setzen. Der hatte damit begonnen, sich Königshöfe und Königsrechte anzueignen. Und das Umfeld des Dörnbergs sei gut bestückt gewesen mit Reichsgut. Aufgabe der Burgbesatzung sei es gewesen, den Fiskalbezirk Heinrichs gegen Feinde im eigenen Land zu sichern.

Die Burg auf dem Dörnberg sei keine aus Stein gewesen, vielmehr habe sie aus Holz bestanden. Ein Tor, Palisaden und im Zentrum der mittelalterlichen Anlage Blockhäuser - so müsse man sich das Ensemble vorstellen. Noch heute lassen sich im Gelände Gräben, Wälle und Vertiefungen ausmachen, die aus dem Mittelalter stammen dürften.

Bei einem Besuch der Hasenburg bei Haynrode zwischen Worbis und Breitenworbis in Thüringen im Oktober 2013 ist bei Sippel der Groschen gefallen. Beim Anblick der Anlage habe er sofort an zwei Berge in Nordhessen denken müssen, „die der Hasenburg hinsichtlich Form und Größe wie ein Ei dem anderen gleichen“, schildert der Archäologe in seinem jüngst veröffentlichen Beitrag in der Zeitschrift „Hessen-Archäologie“ seinen Erkenntnisprozess. Bei den beiden Erhebungen handelt es sich um die Boyneburg bei Sontra-Wichmannshausen (Werra-Meißner-Kreis) und den Dörnberg.

Dr. Klaus Sippel

Auch die Belagerung des Hasunger Berges durch den Sachsen Otto von Northeim im Jahr 1071 erhält vor dem Hintergrund Sippels Deutung einen neuen Stellenwert. Otto war von Heinrich degradiert worden, beide lagen also im Clinch. „Allerdings habe ich mich immer gefragt, warum sich Otto und Heinrich an dieser Stelle begegnet sind?“ Nun kennt Sippel die Antwort: Otto habe mit Besetzung des Hasunger Berges Heinrichs Höhenburg auf dem Dörnberg bedroht. „Kein Wunder also, dass der König so schnell auf der Bildfläche erschien.“

Wie es mit der Burg über das Jahr 1074 hinaus weiterging, sei nicht eindeutig geklärt. Der Friedensschluss, den Heinrich und Otto am Hasunger Berg ausgehandelt hatten, könnte Heinrich dazu bewogen haben, die Anlage aufzugeben. Er könne sie aber auch behalten haben. Wenig später aber habe Heinrich V. den Fiskalbereich Kassel verloren. Aus den Geschichtsbüchern geht hervor, dass sich der Adel Königsbesitz aus dem Umfeld der Burg unter den Nagel gerissen und Teile davon Klöstern geschenkt hat.

Von Antje Thon

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