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Vorerst letzte Stolpersteine in Zierenberg verlegt

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Von: Sascha Hoffmann

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Michael Schinko verlegte gemeinsam mit seinen Bauhofkollegen die vorerst letzten Stolpersteine in Zierenberg.
Michael Schinko verlegte gemeinsam mit seinen Bauhofkollegen die vorerst letzten Stolpersteine in Zierenberg. © Sascha Hoffmann

Ab 2016 hat die Zierenberger AG Erinnerungskultur 53 Stolpersteine in Gedenken an 15 jüdische Familien und zwei Einzelpersonen verlegt. Die letzten 14 am Freitagnachmittag, als die kleinen Messingtafeln in den Gehwegen vor den Häusern früherer jüdischer Mitbewohner eingelassen wurden.

Zierenberg - Sie ragen nicht weit in den Boden, dafür aber gehen sie ganz tief ins Herz. Zumindest dann, wenn man die Geschichte hinter den 14 Stolpersteinen erfährt, die Mitglieder der AG Erinnerungskultur am Freitagnachmittag zur Verlegung mitgebracht hatten. Gabriele Spitzinger ist eine von ihnen, sie berichtete an der Oberelsunger Straße 4 ausführlich über die Familie von Eduard Schartenberg.

Mit Frau Caroline und vier Kindern hatte er in dem Haus unweit des heutigen Bahnübergangs gelebt. Er verstarb am 16. März 1938 im Krankenhaus in Kassel und war der Letzte, der in Zierenberg auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt wurde.

„Die Biografien recherchiere ich relativ aufwendig und gründlich, manchmal nächtelang, weil ich im Internet Passagierlisten und alle möglichen digitalen Dokumente durchforste“, so die Zierenbergerin, die außerdem Standesämter kontaktiert, die ihr Auskünfte erteilen, sofern rechtlich nichts dagegenspricht. Außerdem sei sie einige Male in Bad Arolsen beim internationalen Suchdienst, im Staatsarchiv in Wiesbaden und auch in der Murhardtschen Bibliothek in Kassel gewesen. Dass sie es gern tut, merkt man, während sie ihre Rechercheergebnisse vorträgt, um die Erinnerung an die einstigen jüdischen Mitbürger Zierenbergs wachzuhalten.

Auch Hans-Peter Klein und Dunja Brede ist das wichtig. Brede sprach einige Meter weiter an der Mittelstraße 29 über Familie Mayer, Klein an der Hausnummer 51 über Seni Weissbecker und an der 25 über Familie Katz. Mit dabei: Smadar Wältermann. Sie ist die Enkelin von Fredi Katz, der hier mit seinen Eltern gelebt hat. Am 6. April 1934 erfolgte die Abmeldung „auf Wanderschaft“. Er fuhr mit dem Fahrrad bis Emden, von wo aus ihm die Flucht nach Palästina gelang, wo er heiratete und eine Familie gründete. Zuletzt lebte er laut Klein in Tel Aviv. Via Internet am Freitag aus Israel zugeschaltet war dessen Sohn, der aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst vor Ort sein konnte.

Am Abend in der Stadtkirche dankte AG-Sprecher Wilfried Wicke für das Engagement aller, die ab dem Jahr 2016 an der Verlegung der insgesamt 53 Stolpersteine für 15 jüdische Familien und zwei Einzelpersonen beteiligt waren. Die Mitglieder der 2013 gegründeten AG hätten sich intensiv, engagiert und partnerschaftlich eingebracht und mit großer innerer Leidenschaft und Empathie über die personenbezogenen Recherchen hinaus viele Aspekte ehemals jüdischen Lebens in Zierenberg erarbeitet.

„Dankbar sind wir für die Akzeptanz, die unsere Arbeit gefunden hat“, so Wicke, der in einem eindrucksvollen Vortrag die Arbeit der AG Erinnerungskultur Revue passieren ließ und dabei auch über die Komposition „Never forget. A Zierenberg Shabbos“ des Schartenberg-Nachkommen Gilad Nachshen berichtete. Sie durfte am Abend neben weiteren von Künstlern aus der Region und der Musikschule Wolfhager Land vorgetragenen jüdischen Musikstücken nicht fehlen und ging – wie die Stolpersteine samt zugehöriger Geschichten – ganz tief ins Herz. (Sascha Hoffmann)

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