Nager-Plage in Zierenberg

In Wäldern um Oelshausen sorgen Mäuse für wirtschaftliche Verluste

Die Rötelmaus: Mit ihren scharfen Zähnen nagt sie die Rinde von kleinen Bäumen. Foto: dpa

Oelshausen. Selbst vor Gras und Brennnesseln machen sie nicht Halt. Der Appetit der Mäuse ist in diesem Winter außergewöhnlich.

Die milde Witterung und das große Nahrungsangebot haben in einigen Regionen zu gewaltigen Mäusepopulationen geführt. Nicht nur die Landwirte sind betroffen, auch im Wald huschen die Nager über die Wege. Förster Uwe Huber spricht von einer Mäuseplage, die in seinem Revier bei Oelshausen bereits zu wirtschaftlichem Verlust geführt hat.

Die Kirschen, die Huber vor zwei Jahren in einer Schonung nahe dem Hundsberg angebaut hat, sind komplett hinüber. Der Revierförster schätzt den Schaden auf 5000 Euro. Das Pflanzen kostet Hessen Forst pro Kirsche etwa fünf Euro. In dieser Summe enthalten sind Lohn- und Materialkosten. „1000 Kirschen haben wir gesetzt“, sagt Huber. Um das Areal erneut aufzuforsten, müsste es vorbereitet werden. Denn das Gras ist derart in die Höhe geschossen, dass Setzlinge keine Chance hätten.

Rötelmaus und Erdmaus schälen - wie im Fall der Kirschen - die Rinde ab. Die Pflanze verliert ihren Schutz und stirbt ab. Die Große Schermaus hingegen nagt dünne Stämmchen durch. Buchen, die sich von selbst ausgesamt hatten und in den vergangenen Jahren zu hüfthohen Bäumchen herangewachsen waren, liegen von den scharfen Mäusezähnen durchtrennt im Gras.

Die dramatische Situation hatte sich bereits im zeitigen Herbst angedeutet. Jedes Jahr im Oktober, noch vor den Frösten, stecken die Forstwirte alle paar Meter Apfelreiser in den Boden. Wenn von den Zweigen innerhalb einer Woche mehr als 20 Prozent angefressen sind, sei das ein Indikator darauf, dass es zu viele Mäuse gibt. „In diesem Jahr waren nach zwei Tagen alle Zweige abgefressen“, bilanziert Huber. Noch vor den Frösten hatten sich die Nager über die Bäume hergemacht.

Wie Forstamtsleiter Uwe Zindel sagt, variiere die Populationsstärke der Mäuse im Zuständigkeitsbereich des Forstamtes Wolfhagen stark. Im Norden gebe es kaum Probleme, und auch im Habichtswald sei das Aufkommen überschaubar. Doch dort, wo Wälder und Laubbaumkulturen umgeben sind von landwirtschaftlichen Flächen und wo viel Licht das Wachstum von Gras fördert, hätten sich die Mäuse stark vermehrt. Neben den Laubbaumkulturflächen bei Oelshausen gelte das für Bereiche im Wolfhager Stadtwald.

Um die Plage in den Griff zu bekommen, setzt das Forstamt auf Fuchs und Wildschwein. Mit der Jägerschaft habe man sich darauf geeinigt, in den betroffenen Gebieten nicht auf Sauen zu jagen. An anderen Stellen, etwa auf Kulturflächen, müssen aber auch punktuell Giftköder ausgebracht werden. Die Tabletten werden mit einer Legeflinte direkt in den Gängen der Mäuse platziert.

Von Antje Thon

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