Aus Winterschlaf geweckt: Mühle in Laar vor Besucheransturm

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Entführt in die Geschichte der Mühle Laar: Horst Röhling.

Zierenberg. Bis Pfingstmontag soll alles picobello sein: Wir haben Horst Röhling vom Tourismusverein der Stadt Zierenberg beim Frühjahrsputz an der Mühle in Laar besucht.

Es staubt ordentlich im alten Dachgebälk. Wo man hinschaut: Schmutz. Allein hätte es Horst Röhling vom Tourismusverein der Stadt Zierenberg wohl kaum geschafft, die Spuren der kalten Jahreszeit zu beseitigen und so die über 400 Jahre alte Mühle Laar aus dem Winterschlaf zu erwecken. Deshalb hat er sich Unterstützung geholt und schwingt am Freitagvormittag im idyllisch gelegene Gemäuer gemeinsam mit Horst Wilke, Sieglinde Nitsche, Karin Kuhn und seiner Frau Ingrid die Besen zum Frühjahrsputz - soll doch zum Mühlentag am Pfingstmontag alles picobello sein.

„Die Besucher bekommen einen Eindruck, wie einst Mehl gemahlen und Öl gepresst wurde.“

„Wir hatten in diesem Jahr Glück, normalerweise empfangen uns unzählige tote Fliegen auf den Fensterbänken“, sagt Röhling, der sich seit rund sieben Jahren um die Mühle und das dort seit 1999 untergebrachte Museum kümmert. Vier Stunden brauche es, um alle Ecken von Spinnweben zu befreien, Fenster zu putzen und Böden zu wischen. Das wissen auch die Menschen im Warmetal und pilgern Jahr für Jahr in Scharen zum Mühlenfest, wenn Röhling und seine Kollegen in längst vergangene Zeiten der Müllerei entführen und an die Anfänge der 1599 von Hermann von der Malsburg erbauten Getreide- und Ölmühle erinnern.

Dann drängen sich die Besucher vor Schautafeln, Originalteilen aus Laar sowie Ausstellungsstücken aus nord- sowie südhessischen Mühlen und erfahren, dass die Mühle bereits 1844 nach dem Bruch der Ölmühlenwelle stillgelegt und als Unterkunft für Arbeiter genutzt worden ist. 1903 umgerüstet, versorgte das große Mühlrad das Gut Laar bis 1959 mit Strom. Auch zum Gutshof und vor allem zum dort durchlaufenden Gewässer weiß er allerhand zu erzählen: „Die Warme führt über Liebenau in die Diemel, von da in die Weser und dann weiter in die Nordsee“, so Röhling. „Und warum friert die Nordsee niemals zu? Ganz klar, weil das Warme-Wasser da rein fließt.“

Der Zierenberger würzt seine Führungen gern mit ein wenig Humor, die tatsächlichen Fakten aber vergisst er dabei nicht. „Die Besucher bekommen einen Eindruck, wie einst Mehl gemahlen und Öl gepresst wurde, die Ausstellung zeigt außerdem die Handwerkskunst, die nötig war, um solch ein Objekt mit den künstlichen Wasserläufen zu erbauen.“

Das Wasser fließe durch einen Kanal, von der Warme kommend, oben auf das mächtige Mühlrad. Das steht derzeit zwar still, soll aber pünktlich zum Mühlentag wieder klappern - frisch entstaubt nach einem ordentlichen Frühjahrsputz.

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