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Hermann-Hesse-Lesung mit Klavier und Gesang in Zierenberg

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Von: Ursula Neubauer

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Musikalische Lesung: (von links) Peter Will (Lesung), Anne Petrossow (Gesang) und Julia Reingardt (Klavier) begeisterten mit ihren Darbietungen von Hermann-Hesse-Gedichten das Publikum im Christophorushaus in Zierenberg.
Musikalische Lesung: (von links) Peter Will (Lesung), Anne Petrossow (Gesang) und Julia Reingardt (Klavier) begeisterten mit ihren Darbietungen von Hermann-Hesse-Gedichten das Publikum im Christophorushaus in Zierenberg. © Ursula Neubauer

Im Mittelpunkt der Veranstaltung „Wie Blüten geh’n Gedanken auf“ in Zierenberg standen Gedichte des Literaturnobelpreisträgers Hermann Hesse.

Zierenberg – Die Vorsitzende der Initiative Kirche und Kultur Zierenberg, Magdalena Groth, brachte es am Ende der musikalischen Lesung am Sonntag (22.01.2023) im Christophorushaus in Zierenberg auf den Punkt, als sie sagte, dass alle an diesem Nachmittag in einem Meer von Poesie und Musik gebadet hätten.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung „Wie Blüten geh’n Gedanken auf“ standen Gedichte des Literaturnobelpreisträgers Hermann Hesse. Er wurde 1877 in Calw in Deutschland geboren und starb 1962 in der Schweiz. Er wusste schon mit 13 Jahren, dass er entweder Dichter werden wollte oder gar nichts. Und so begann er sein erfolgreiches Schaffen auch mit Gedichten, deren Zahl summierte sich im Laufe der Zeit auf 1400, daneben gibt es noch eine Reihe an nicht fertiggestellten Gedichten.

Für die Lesung hatte Peter Will, Schauspieler, Regisseur, Sänger und ein großer Bewunderer Hesses, Gedichte aus den Zyklen Natur, Liebe, Verlorene Jugend und Lebensweisheit ausgewählt. Laut Will ist die Natur für Hesse ein Gleichnis, ein Widerhall des Herzens. Außerdem sei er ein Meister der Metapher.

Hermann Hesse: Seine Liebe waren seine Werke

So ist in dem Gedicht „Blauer Schmetterling“ der Schmetterling eine Metapher für ein kurzes Glück, das aufflattert und wegfliegt. Natürlich spielt die Liebe für den Dichter eine große Rolle. Er war dreimal verheiratet, obwohl er nach eigenen Aussagen nicht für die Ehe geeignet war. Seine Liebe waren seine Werke. Doch er schrieb ein Gedicht über seine letzte Ehefrau Ninon, die für ihn ein guter Geist war.

Im dritten Thema „Verlorene Jugend“ blitzt in dem Gedicht „Traum“ die Klage über die verlorene Heimat auf. In „Alpenpass“ drückt Hesse seine Zerrissenheit zwischen seinen beiden Lebensorten Deutschland und Schweiz aus.

Im letzten Gedichts-Zyklus „Lebensweisheiten“ beschreibt Hesse beispielsweise im Gedicht „Der Blütenzweig“ einen im Winde schwankenden Blütenzweig als die immerwährende Zerrissenheit des Lebens. Generell haben die meisten seiner Gedichte die Suche eines Menschen nach Authentizität, Selbsterkenntnis und Spiritualität zum Thema. Fehlen durfte natürlich nicht Hesses bekanntestes Werk „Stufen“ mit der Zeile „Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, das von Peter Will am Ende als Zugabe gebracht wurde.

Von zeigenössischen Komponisten vertont

Das Besondere an dieser Lesung war die musikalische Umrahmung. Einigen Zuhörern war vermutlich nicht bekannt, dass viele Gedichte von Hermann Hesse von zeitgenössischen Komponisten vertont wurden. Dazu gehören unter anderem die Komponisten Wetzel, Schoeck, Kowalski und Kilpinen, deren Vertonungen durch die ausgebildete Sängerin Anne Petrossow und die studierte Pianisten Julia Reingardt versiert und eindringlich vorgetragen worden.

Peter Will brachte mit klarer, eindrucksvoller Stimme die Schönheit, Poesie und Kraft Hesses Sprache zur Geltung. Das fanden auch die etwa fünfzig Zuschauer, die sehr berührt von den Vorträgen immer wieder zwischendurch und am Ende begeistert klatschten. (Ursula Neubauer)

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