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Entrümplungs-Experte aus Zierenberg gibt Tipps zum Ausmisten

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Von: Paul Bröker

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Ein Stapel Röhrenradios: Diese Sammlung, die in seiner Lagerhalle steht, bietet Thomas Emde momentan auch über das Internet zum Verkauf an. Er sucht einen Sammler, der die empfindlichen Geräte wertschätzt.
Ein Stapel Röhrenradios: Diese Sammlung, die in seiner Lagerhalle steht, bietet Thomas Emde momentan auch über das Internet zum Verkauf an. Er sucht einen Sammler, der die empfindlichen Geräte wertschätzt. © Paul Bröker

Ausmisten gehört für viele alljährlich am Jahresanfang zur Tradition. Worauf man dabei am besten achtet, erklärt der Entrümplungs-Experte Thomas Emde aus Zierenberg.

Oberelsungen – Zu Beginn eines neuen Jahres stellen sich viele Menschen die Fragen: Wohin mit dem alten Krempel? Wie bringe ich Ordnung ins Chaos? Was kann endlich mal weg?

Wenn die Kraft es zulässt, ließe sich vieles auch selbst entrümpeln, erklärt der professionelle Entrümpler Thomas Emde (51) aus Oberelsungen im Interview. Er hat auch noch viele weitere Ratschläge auf Lager.

Der Jahresanfang ist die Zeit zum Entrümpeln. Welche Tipps haben Sie?

Privatleute können Sperrmüll anmelden und abholen lassen. Das ist die beste Möglichkeit, wenn man körperlich dazu in der Lage ist, die Sachen herauszuschleppen. Da wird man auch Elektrosachen los und alles, was klassischer Sperrmüll ist. Also alles, was nicht in die Mülltonne passt. Wenn man viel Hausmüll hat, dann kann man das eigentlich nur zu einer der Deponien bringen. Das ist in der Regel auch für Privatleute kostenpflichtig. Man sollte den Müll auf jeden Fall trennen. Denn wenn man alles in einen Container wirft, wird es teurer.

Und wie sieht es bei wertvollen Sachen aus?

Sich selbst schlau zu machen, zum Beispiel bei Auktionsportalen im Internet, ist eine Möglichkeit, wobei das auch kritisch sein kann. Wenn man keine Vorkenntnisse hat, kann man sich leicht irren und mit falschen Sachen vergleichen. Oft wird auch bloß mit Angeboten im Internet verglichen. Doch das Internet ist sehr geduldig. Hochpreisige Angebote gibt es auf den diversen Verkaufsportalen, wie etwa Ebay, zu Hauf. Entscheidend sind aber die tatsächlichen Verkaufsergebnisse. Das gibt dann einen ungefähren Maßstab, obwohl die Schwankungen immer noch hoch sind.

Wie kann man sich Ihren Berufsalltag vorstellen?

In der Regel ist eine Wohnung oder ein Haus zu räumen, manchmal auch ein Firmengebäude. Bei den Hausräumungen erstelle ich zunächst ein Festpreisangebot, damit die Leute wissen, woran sie sind. Das heißt, ich schätze die Arbeitszeit inklusive Anfahrtskosten, die Entsorgungskosten und dann schaue ich, ob Wertsachen vorhanden sind, die gegengerechnet werden können. Meist nicht mit dem vollen Wert, denn die Lagerung, Reinigung und die Verkaufsvorbereitung und zum Beispiel der Versand kosten mich Geld. Daraus ergibt sich eine feste Endsumme für den Kunden. Dann liegt es am Kunden, ob er den Auftrag erteilt.

Thema Wertsachen: Wie oft gehen die Leute denn mit einem Plus raus?

Hier bei uns kommt das sehr selten vor. Das liegt zum einen an unserer strukturschwachen Region. Andererseits nehmen die Angehörigen Erinnerungsstücke und Wertgegenstände oft schon vor der Entrümpelung mit.

Kommt es auch zu Diskussionen, weil die Erben die Wertgegenstände anders einschätzen?

Das ist ein Dilemma. Denn wir haben schon seit Jahren einbrechende Märkte, gerade bei den Antiquitäten. Das wissen viele nicht und glauben, ihr Stück wäre selten und müsste sich im Wert vervielfacht haben. Die Realität sieht oft ganz anders aus. Damit müssen wir im Berufsalltag sensibel umgehen, um den Kunden nicht zu verärgern, ihm aber trotzdem die Wahrheit zu sagen.

Wie sieht der professionelle Umgang damit aus?

Manchmal reicht die Erklärung, manchmal reicht den Leuten auch, wenn man sagt: „Das kommt wenigstens in gute Hände.“ Das ist vielen wichtig. Es finden sich oft vergleichbare Stücke auf professionellen Auktionsplattformen, sodass man die Preise besser vermitteln kann.

Wie gehen Sie mit Sammlungen um?

Die Enttäuschung ist da die Regel. Es gibt fast nichts, was im Wert gestiegen ist in den letzten Jahren. Briefmarken sind ein gutes Beispiel. Da ist oft ein Vermögen für ausgegeben worden. Es gibt heute keinerlei Interesse mehr bei den jungen Leuten. Die hochwertigen Briefmarken, die Anlageobjekte, finden sich in der Regel nicht in den normalen Sammlungen. Diese Marken werden nach wie vor gehandelt. Das, was bei der Post im Abo für viel Geld bezogen wurde, geht der Wertlosigkeit entgegen.

Bei Erbschaften: Geraten Sie mitunter in einen Konflikt zwischen Erben?

Manchmal kommt das vor. Jedoch schiebe ich da einen Riegel vor. Schon beim Beratungsgespräch sage ich, dass die Erben sich zunächst einigen müssen. Erst dann komme ich. Im Angebot steht dann, dass der Vertreter der Erben entscheidungsbefugt ist, dass keine Rechte Dritter verletzt werden und ich somit ungestört arbeiten kann.

Werden Sie auch mit anderen unangenehmen Situationen konfrontiert?

Der häufigere Trend, als eine Wohnung mit schöner Kunst und brauchbaren Gegenständen, sind Messiewohnungen. Wappnen kann man sich dagegen nicht. Entweder man kann das ab oder nicht. Teilweise arbeite ich sogar mit dem Tatortreiniger zusammen. Das hat dann meistens mit Gerüchen oder einem schlimmen Anblick zu tun.

Vieles, was Sie entrümpeln, ist bloß noch Müll. Wie entsorgen Sie den?

Bei uns in der Region entsorgen wir vor allem in den Recyclinghöfen in Kassel oder in Hofgeismar beim Entsorgungszentrum Kirschenplantage. Es kommt jedoch darauf an, was es ist. Es wird in etwa 16 verschiedene Müllsorten getrennt. Alles wird komplett durchsortiert. Wir haben dadurch eine Sortierquote von deutlich über 95 Prozent.

Wie läuft das Geschäft denn derzeit bei Ihnen?

Sehr durchwachsen. Seit Corona ist ein herber Einbruch zu bemerken. Ganz erklären kann ich es mir nicht, aber es hat sich in den vergangenen zwei bis drei Jahren vieles verändert. Die Auftragslage hat sich verschlechtert.

Woran könnte das liegen?

Vielleicht zögern die Leute oder haben vieles auch selbst gemacht, weil sie im Homeoffice waren: Container bestellt und selbst gearbeitet, was vorher nicht ging. Schwarzarbeit ist ein anderes Thema. Man braucht heute nur ein Fahrzeug ohne Werbung darauf und kann den Müll kostenlos wegfahren, während bei mir alles bezahlt werden muss, weil es gewerblicher Müll ist.

Welchen Einfluss haben TV-Formate wie „Bares für Rares“ auf Ihren Beruf?

Die Sendung ist komplett gestellt, denn die Ankäufer erhalten Geld dafür, dass sie etwas ankaufen. Entsprechend wird auch alles gekauft. Die Experten sind fast alle Millionäre. „Bares für Rares“ hat mit der Realität nichts zu tun. Mich hat das so genervt, dass ich bei mir ein Verbot verhängt habe, darüber zu reden. Dennoch gibt es auch seriöse Sendungen. Vorreiter war im BR das Format „Kunst und Krempel“. Dort ist zum Beispiel der Kunsthistoriker Hans Ottomeyer aufgetreten, der Direktor der Staatlichen Museen Kassel gewesen ist. Das ist eine ganz andere Liga. Dazu zählt für mich auch die Sendung „Lieb & Teuer“ im NDR.

Zur Person

Thomas Emde (51) ist in Ehlen aufgewachsen. Er ist Inhaber des Entrümpelungsunternehmens Rümpelstübchen in Oberelsungen. Er räumt in seinem Berufsalltag im Auftrag Häuser und Wohnungen. Zudem betreibt er ein An- und Verkaufsgeschäft. Dort verkauft er Antiquitäten, Sammlungen sowie „andere interessante Dinge“, wie er es ausdrückt.

info@ruempelstuebchen.de

(Paul Bröker)

Nicht nur in vielen Kellern und Wohnungen ist es unordentlich. Zu Geld lässt sich Sauberkeit zwar nicht immer machen, beim World Cleanup Day in Kassel hatten die Teilnehmer aber zumindest hinterher ein gutes Gefühl.

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