Büffeln im umgebauten Bad

Zierenberger Selbert-Schule wird für 4 Millionen Euro erneuert

Haben sich ihre Plätze im neuen Klassenraum schon gesichert: Miles Griego-Helferich (links) und Marlon Hartmann.
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Haben sich ihre Plätze im neuen Klassenraum schon gesichert: Miles Griego-Helferich (links) und Marlon Hartmann.

Die Elisabeth-Selbert-Schule wird für knapp vier Millionen Euro runderneuert. Die Unterricht wird dann ins ehemalige Hallenbad verlegt.

Zierenberg – Dreieinhalb Millionen Euro fließen in die komplette Entkernung und den anschließenden Umbau des Obergeschosses, weitere 400 000 Euro in die Neugestaltung des Außengeländes.

Los gehen soll es voraussichtlich Ende Mai, und das bedeutet für einen Großteil der Schüler, dass sie nach den Osterferien umziehen müssen. „Für die Zeit der Arbeiten hat der Landkreis als Schulträger das ehemalige städtische Hallenbad als Interimslösung umgebaut und mit insgesamt sieben Klassenräumen ausgestattet“, sagt Schulleiter Lars Grenzemann. Der Landkreis hatte das ehemalige Schwimmbad bereits 2016 angemietet und als Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge genutzt, zuletzt stand es jedoch leer.

Bei der Sanierung des Obergeschosses wird es laut Grenzemann nicht bleiben, auch das Außengelände soll schon bald umgestaltet werden. Im Rahmen des Programms „Zehn klimafreundliche Schulhöfe für Hessen“ ist die Gesamtschule des Warmestädtchens mit ihrem Konzept vom Hessischen Umweltministerium und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) als eine von zehn Pilotschulen ausgewählt worden. Die DUH begleitet die teilnehmenden Schulen mit fachkundiger Beratung vor Ort und thematischen Fortbildungen. In vier Workshops und einer großen Abschlusstagung unterstützt die DUH die Schulen bei Planung, Antragstellung und Wissenstransfer. Die zehn Schulen sowie alle hessischen Schulen, die dem Vorbild folgen wollen, können für Begrünungs- und Entsiegelungsmaßnahmen eine Förderung über die Klimarichtlinie des Landes beantragen, die Fördersummen betragen zwischen 6000 und 400 000 Euro.

Lars Grenzemann: Schulleiter

„Unser Konzept wird mit 400 000 Euro unterstützt, wobei wir einen Eigenanteil in Höhe von 40 000 Euro zu leisten haben, den der Kreis bereits zugebilligt hat“, sagt Grenzemann, der in einem attraktiv gestalteten Schulhof gerade auch in Corona-Zeiten eine ideale Ergänzung zum Klassenzimmer sieht, da er zusätzliche Möglichkeiten zum Unterricht auf Abstand schaffe.

Man muss schon ganz genau hinsehen, um in der neuen Schule auf Zeit überhaupt Spuren der einstigen Schwimmbad-Ära zu erspähen. Ohne Juri Jurimaa würde man nicht vordringen zum heutigen Abstellraum, der in den Tiefen des Gebäudes hinter verschlossenen Türen verborgen liegt. „Hier ist noch eine Bahn zu erkennen“, sagt der Hausmeister der Elisabeth-Selbert-Schule (ESS) und deutet auf die blau-weißen Fliesen am Boden, die unter provisorisch abgestellten Möbeln und einem alten Saunaofen verraten: Hier befand sich einst das große Becken des städtischen Hallenbades.

Man solle vorsichtig sein und den Kopf einziehen, warnt er vor der direkt über einem liegenden schweren Betondecke, die vor vielen Jahren von einem Zierenberger Unternehmen eingezogen wurde und aus dem Schwimmbecken eine Lagerhalle werden ließ. 2016 mietete dann schließlich der Landkreis Kassel das Gebäude und baute es zur Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge um.

Saunaofen und Fliesen: Hausmeister Juri Jurimaa zeigt die wenigen Überbleibsel, die noch an die alten Schwimmbadzeiten erinnern.

„Rund 300 000 Euro hat der Landkreis nun erneut in den Umbau für uns investiert“, sagt der Schulleiter der Selbert-Schule, Lars Grenzemann, der sichtlich glücklich ist mit seiner neuen Außenstelle, die nur wenige Laufmeter entfernt von der Gesamtschule einen Großteil seiner Schüler beherbergen soll, während deren Klassenräume saniert werden.

Die können es offensichtlich gar nicht abwarten, endlich umzuziehen und sind seit Tagen fleißig dabei, Kisten und Stühle zwischen altem und neuem Domizil hin- und her zu schleppen. „Das ist schon gut geworden hier“, sagt Miles Griego-Helferich, der sich im neuen Klassenraum der H9 im Untergeschoss seinen Platz schon gesichert hat – Panoramablick auf den angrenzenden Fußballplatz inklusive.

Lehrerin Michaela Kunter würde ihren Platz am liebsten direkt am Fenster einrichten und es sich statt auf einem Stuhl auf der massiven Steinbank entlang der Fensterfront gemütlich machen. „Die ist so schön warm, das erinnert schon sehr an einen Schwimmbadbesuch“, sagt sie und weiß doch genau, dass es hier schon bald eher um Schulaufgaben und Klassenarbeiten statt um Schwimmbadfreuden gehen wird.

Wohlfühlen dürfen sich die Schüler hier aber dennoch, und dafür ist im zur Schule gewordenen Schwimmbad gesorgt. Zwei Klassen finden sich zwischen Lehrerzimmer, Sozial- und Fachräumen im Erdgeschoss, fünf weitere im Untergeschoss – allesamt überaus großzügig bemessen, was Schulleiter Grenzemann auch mit Blick auf die aktuelle Corona-Situation freut. „Die Räume sind groß und hoch, bieten alle Möglichkeiten für eine optimale Luftzirkulation, besser geht es nicht.“ Dass sie sich künftig in einem ehemaligen Schwimmbad auf ihren Schulabschluss vorbereiten, dürfte für die Schüler dabei schnell zu Nebensache werden, denn das Wenige, was nach rund sechs Monaten Umbauarbeiten noch daran erinnern könnte, liegt gut verborgen unter ihnen in den Tiefen ihrer neuen Schule auf Zeit. (Sascha Hoffmann)

Klimafreundlich und naturnah

Mit Hessen startet die Deutsche Umwelthilfe (DUH) neben Thüringen und Brandenburg bereits in einem dritten Bundesland ein Schulhofprojekt, das Schulen auf ihrem Weg zu grünen, klimagerechten und klimafreundlichen Schulhöfen unterstützt und begleitet. Die Zierenberger Elisabeth-Selbert-Schule ist eine von zehn Schulen, die sich querbeet durch Hessen über eine Umgestaltung ihrer Schulhöfe freuen können. Mehr Informationen: duh.de/schulhof-hessen.

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