„Möchte nicht auf Kosten anderer leben“

Zierenberger vertreibt seit 27 Jahren ehrenamtlich Fairtrade-Produkte

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Bestellt die Ware und liefert sie an Kunden in der Region aus: Günther Hejl aus Zierenberg. Mit fair gehandelten Produkten versorgt er vor allem Kirchengemeinden und Aktionsgruppen in der Region.

Zierenberg. Die Kinderarbeit in manchen Ländern ist für Günther Hejl beschämend und kaum zu ertragen. Deshalb handelt der Zierenberger mit Produkten, die fair hergestellt werden.

Er versorgt bevorzugt Kirchengemeinden in Zierenberg, Naumburg, Kassel und Ahnatal mit Fairtrade-Ware. Aber auch Privatpersonen und die Stadtverwaltung Zierenberg zählen zu seinen Abnehmern.

„Mir geht es um Gerechtigkeit. Ich möchte nicht auf Kosten anderer leben“, sagt Hejl, der auch als Diakon in der katholischen Kirchengemeinde Zierenberg tätig ist. Den meisten Menschen in Deutschland gehe es so gut, dass die Erzeuger von Produkten, die aus der Dritten Welt kommen, gerecht bezahlt werden könnten, um in ihrer Heimat ein besseres Leben führen zu können. Unter „besseres Leben“ versteht er, Geld zu haben fürs Wohnen, für Gesundheit und Bildung. Das sei ihm sein ehrenamtliches Engagement wert.

Gewinne gehen an Hilfprojekte in Dritte-Welt-Ländern

Günther Hejl bestellt Waren wie Kaffee, Tee, Kakao, Schokolade, Trockenfrüchte, Honig und Wein bei den drei Herstellern El Puente, Gepa und Dritte-Welt-Partner. Aber auch fair gehandeltes Kinderspielzeug, Fußmatten, Taschen und Schmuck bringt er in Umlauf. Er sortiert die Produkte, liefert sie aus und übernimmt für seine Kunden auch die Abrechnung. Den Arbeitsaufwand schätzt er auf einen Tag pro Woche. Er selbst verdient nichts an dem Handel. Und den Gewinn, den die Aktionsgruppen und Kirchengemeinden durch Verkäufe erzielen, mit dem werden Hilfsprojekte in den Herkunftsländern unterstützt, was gut zur Lebenseinstellung des Rentners passt. Zierenbergs katholische Kirchengemeinde möchte in diesem Jahr für eine Schule spenden in Nigeria, dem Heimatland von Emmanuel Ayebome, der in Zierenberg neben Marek Prus als Pfarrer tätig ist.

Von Anfang an dabei

Als Hejl 1991 sein Engagement begann, steckte der faire Handel noch in den Kinderschuhen. Weltläden etablierten sich nur langsam in der Region. Mittlerweile habe sich in den Köpfen der Menschen etwas geändert. Der Marktanteil der fair gehandelten Ware steige kontinuierlich. Allerdings gingen die Menschen seltener in einen Weltladen, dafür kauften sie lieber im Supermarkt ein, wo ebenfalls Produkte in den Regalen stehen, die zu gerechten Bedingungen hergestellt werden. Die Entwicklung geht auch an dem Zierenberger nicht spurlos vorüber, der sagt, dass der Umsatz zuletzt zurückgegangen sei.

Augen öffnen für die Not der Menschen

Ans Aufhören denkt er deshalb aber noch lange nicht. Neben dem Verkauf geht es dem überzeugten Christen „auch um die Bewusstseinsbildung“, also darum, die Menschen aufzuklären und ihnen die Augen zu öffnen für die Not der Menschen in Südamerika, Afrika und Indien. Manchmal fühle sich seine Arbeit an wie „ein Tropfen auf den heißen Stein“. Aber dann wieder trägt ihn die Hoffnung, und er sagt sich, „wenn jeder das macht, was er kann, ist es besser als die Gleichgültigkeit“ gegenüber dem Leben der Menschen in ärmeren Ländern.

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