Potenzielle Käuferin fühlt sich ungerecht behandelt

Zoff um alte Grundschule Oberelsungen

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Angebot für die alte Grundschule abgegeben: Andrea Webhofer, hier mit Tochter Maya, wollte die Grundschule Oberelsungen kaufen, um Wohnungen und Praxisräume dort einzurichten. Sie fühlte sich jedoch von der Stadt hingehalten und hat das Angebot zurückgezogen.

Oberelsungen. Seit knapp zwei Jahren steht die Grundschule in Oberelsungen bereits leer. Andrea Webhofer wollte das Gebäude mit neuem Leben füllen. Doch nun hat sie ihr Angebot zurückgezogen. Sie fühlt sich von der Stadt Zierenberg ungerecht behandelt.

Im Hauptgebäude der Schule vier große Wohnungen, im Nebengebäude eine Praxis und Seminarräume für die Psychologin Webhofer: So hatten sie und ihr Lebensgefährte Durica Radosav sich die Zukunft vorgestellt. Das Konzept hatte Webhofer ausgearbeitet und zusammen mit ihrem Gebot bei der Stadt abgegeben. 18.000 Euro wollte sie für den Kauf ausgeben.

„Zunächst sah es so aus, als sei alles klar“, sagt die gebürtige Wienerin. Mehrere Termine, an denen die Entscheidung fallen sollte, seien ihr zugesichert worden, sagt sie. Doch immer wieder wurde die Entscheidung verschoben. Andrea Webhofer spricht von einer „offensichtlichen Verzögerungstaktik“. Sie vermutet, dass ihr der Erwerb des Gebäudes erschwert werden soll.

Doch das ist nicht das einzige, was der Psychologin sauer aufstößt. Monatelang habe sich niemand für die Immobilie interessiert, sagt sie. Kurzfristig kam dann noch ein Bieter aus Kassel hinzu. Und dieser, so hat sie herausgefunden, ist verwandt mit einem Zierenberger Magistratsmitglied. Webhofer selbst hat 18.000 Euro für die alte Grundschule geboten, der weitere Bieter nach unbestätigten Aussagen rund 20.000 Euro.

In einer E-Mail hat sie nun ein Schreiben an Bürgermeister Stefan Denn (SPD) geschickt. „Ich muss annehmen, dass es sich hier um unlauteren Wettbewerb handelt und finde die Sache beschämend“, schreibt sie. Sie halte es für „moralisch bedenklich“. Ihr Angebot hat sie in dem Schreiben zurückgezogen.

Dass die Stadt den Verkauf des Gebäudes hinauszögert, bestreitet Erster Stadtrat Gerd Appel (SPD). Von Anfang an sei klar gewesen, dass am 18. Mai entschieden wird. Wer letzten Endes den Zuschlag bekommt, hänge dann von der Höhe des Gebots ab, aber auch vom Konzept.

Was der Kasseler Bieter mit der Schule machen möchte, ist nicht bekannt. Er möchte sich erst nach der Entscheidung am 18. Mai dazu äußern, sagte er auf HNA-Nachfrage.

Nicht zum ersten Mal haben Andrea Webhofer und ihr Lebensgefährte Durica Radosav Probleme mit den städtischen Gremien. Schon seit Jahren ärgert sich das Paar über die kleine Straße, die zu ihrem abgelegenen Haus führt. Immer wieder würden sie die Strecke reparieren, die durch schwere, landwirtschaftliche Maschinen und die Jagdgenossenschaft in Mitleidenschaft gezogen werde, sagen sie. Mehrfach hatten sie sich deshalb auch schon bei der Stadtverwaltung Zierenberg beschwert.

Ein Drittel sollten schließlich die Jagdgenossenschaft und die Landwirte zahlen, ein Drittel die Stadt und ein Drittel das Paar, um die Strecke zu erneuern. Das empfanden sie als ungerecht. Nun bauen sie eine eigene Brücke, die die Zufahrt ermöglicht. Auch das ist ein Grund, warum Webhofer das Angebot für die Schule zurückgezogen hat: „Ich habe Sorge, dass es in Zukunft immer weiter Ärger gibt.“

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